Das erwartet den Bundesliga-Boss im neuen Job

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Das erwartet den Bundesliga-Boss im neuen Job
Das erwartet den Bundesliga-Boss im neuen Job

Zehnmal Gold, elfmal Silber, 16 Mal Bronze. Die deutsche Medaillen-Bilanz in Tokio war die schlechteste Olympia-Ausbeute seit der Wiedervereinigung. Was muss sich ändern, gibt es einen Weg zurück in die Erfolgsspur und wie kann der aussehen?

Sporthilfe-Boss Thomas Berlemann spricht im SPORT1-Interview über die Athletenförderung - und einen Hoffnungsträger: Christian Seifert, der zum Jahresende als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga ausscheidet und am 1. Oktober als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe beginnt.

Trend bei der Medaillenausbeute zeigt nach unten

SPORT1: Hier im Club der Besten an Spaniens Costa del Sol ging der Blick am Sonntag auch nach Deutschland zur Bundestagswahl. Wie wichtig ist eine Regierungsbildung in die eine oder andere Richtung für den deutschen Spitzensport und auch für die Sporthilfe?

Thomas Berlemann: Grundsätzlich haben wir als Sporthilfe ein großes Interesse an der Verbesserung der Leistungsfähigkeit Deutschlands als Sportnation. Von daher ist es für uns wünschenswert, dass neben all den wichtigen Themen, wie beispielsweise Digitalisierung oder Klimaschutz, der Sport und insbesondere der Leistungssport eine Rolle spielt in den Gesprächen zur Regierungsbildung und damit die Sportlerinnen und Sportler ihre verdiente Aufmerksamkeit erfahren und ausreichende finanzielle Zuwendungen bekommen, damit wir das Potenzial weiter ausbauen können.

SPORT1: Muss der Sport wieder mehr in den Fokus rücken?

Berlemann: Das würden wir uns wünschen. Man muss aber auch sehen, dass das Bundesinnenministerium in den vergangenen Jahren immer mehr Geld für den Sport ausgegeben hat, auf der anderen Seite aber der Trend bei der Medaillenausbeute – sowohl olympisch als auch paralympisch - nach unten zeigt.

SPORT1: Gibt es aus Sicht des Sports eine Wunsch-Regierung?

Berlemann: Ich werde mich politisch nicht in die eine oder andere Richtung lehnen. Ich denke, dass man in allen Konstellationen, die jetzt denkbar sind, gut beraten ist, dem Sport eine starke Stimme zu geben. In der kommenden Dekade werden sich die Menschen auf viel Veränderung einstellen müssen. Sportlerinnen und Sportler sind nicht nur Aushängeschilder für unsere internationale Leistungsfähigkeit, sondern auch Vorbilder für die Gesellschaft. Sie können der Kitt sein für mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt.

DOSB: Nachfolge von Hörmann muss geregelt werden

SPORT1: Ein anderes Vakuum herrscht beim DOSB, wo die Nachfolge von Präsident Alfons Hörmann geregelt werden muss...

Berlemann: Ich sehe das als einen DOSB-internen Prozess. Die Findungskommission wird sich professionell mit der Nachfolge von Herrn Hörmann beschäftigen und beizeiten Antwort auf diese Frage geben.

SPORT1: Der frühere Spitzenschwimmer Michael Groß hat in Bezug auf die DOSB-Strukturen eine Ausgliederung des Leistungssports gefordert. Ist das der richtige Ansatz?

Berlemann: Es gibt unterschiedliche Ansätze. Aber Michael Groß hat Recht, wenn er eine Professionalisierung fordert. Das wird sich über kurz oder lang auch in zählbaren Erfolgen niederschlagen.

SPORT1: Ein großes Thema unter den Verbänden und Sportlern ist die Potenzialanalyse PotAS, deren Ergebnisse zuletzt veröffentlicht wurde. Im Grunde wurde ein Ranking der zu fördernden Sportarten erstellt. Was halten Sie davon?

Berlemann: Ich finde eine gezielte Förderung grundsätzlich richtig und halte das Werkzeug PotAS für probat. Man muss aber sehr genau hinschauen, wo in der Breite und wo in der Spitze gefördert wird.

Frankreich als Vorbild?

SPORT1: Sie sind seit April 2020 als Vorstandsvorsitzender im Amt. Sind Sie mit der Förderung der Athleten zufrieden, was muss besser werden?

Berlemann: Als ich kam, haben wir die Athletinnen und Athleten gefragt, was sie von uns erwarten, was schon gut ist und wo noch Verbesserungspotentiale liegen. Die gute Nachricht ist, dass die Athletinnen und Athleten im Top-Team und im Top-Team Future sehr zufrieden sind mit der Förderung, die wir ihnen über Jahre angedeihen lassen. Ein Athlet oder eine Athletin ist im Durchschnitt bereits siebeneinhalb Jahre von der Sporthilfe gefördert, bis das Ziel Olympia erstmals erreicht wird. Wir wissen aber auch, dass die rund 2000 Athleten in der Basisförderung sich wünschen, dass wir ihnen noch besser den Rücken freihalten, finanziell und ideell. Aus dieser Basis entwickeln sich die Top-Athletinnen und -Athleten von morgen.

SPORT1: Bei Olympia in Tokio gab es die schlechteste deutsche Bilanz seit der Wiedervereinigung. Woran liegt es, dass die Kurve immer weiter nach unten zeigt?

Berlemann: Die Gründe sind vielfältig. Es gibt eine gesellschaftliche Diskussion über die Relevanz von Spitzensport und Leistung, die Bereitschaft, sich auf eine Spitzensportkarriere einzulassen, mit all dem herausfordernden Training voller Entbehrungen scheint zu sinken - das gilt für den Individual- wie für den Mannschaftssport. Wir sehen, dass andere Nationen wie Frankreich zuletzt große Erfolge im Mannschaftssport gefeiert haben – weil sie sich darauf fokussiert haben und weil sie über einen ausreichend großen Talentpool verfügen.

SPORT1: Ähnlich war es in England bei Olympia 2012 in London...

Berlemann: Weil sie dort Entscheidungen zugunsten des größtmöglichen Erfolgs getroffen und fokussiert haben. Dabei geht es nicht nur um Geld, es geht auch um personelle Ressourcen. Das fängt bei Trainern an und hört beim medizinischen Stab auf. Dann funktioniert das, wie übrigens auch bei den Japanern unlängst. Gerade die olympischen Gastgeberländer strengen sich besonders an.

Berlemann spricht über Olympische Winterspiele 2022

SPORT1: Diesen Anreiz als olympischer Gastgeber hat Deutschland erstmal nicht...

Berlemann: Leider. Das würde zweifellos helfen, wenn wir mal die Olympischen Spiele zugesprochen bekommen würden. Ich habe es bedauert, dass das die den letzten Versuchen nicht erfolgreich waren. Aber wir müssen es auch so hinbekommen.

SPORT1: Stichwort Fokussierung – wird der Wind für einige Sportarten rauer?

Berlemann: Es geht ja nach dem Leistungsprinzip. Die Leistung haben die Verbände selbst in der Hand. Durch Professionalisierung, die besten Trainer, die besten Methoden, die Identifizierung der hoffnungsvollsten Athletinnen und Athleten.

SPORT1: Wie blicken Sie auf die Olympischen Winterspiele im Februar 2022 in Peking, die wohl auch unter Corona-Einschränkungen stattfinden werden?

Berlemann: Für uns ist Olympia immer ein Höhepunkt. Unsere Unterstützung für die Athleten ist darauf ausgelegt. Welche Einschränkungen es dann in Peking aufgrund der Pandemie geben wird, lässt sich jetzt noch nicht vorhersagen.

SPORT1: Am 1. Oktober stößt Christian Seifert als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Sporthilfe neu dazu. Was versprechen Sie sich von ihm?

Berlemann: Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Wir sind bereits im engen Austausch. Christian Seifert wird uns, mit seinem Netzwerk und mit seiner Expertise, dabei helfen, den deutschen Leistungssport weiter nach vorne bringen, um die Potenziale auszuschöpfen und gemeinsam als Sportnation auch in Zukunft Erfolge zu feiern.

Alles zu den Olympischen Spielen 2021 bei SPORT1:


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