Olympische Sommerspiele: Der 6. Wettkampftag am 29. Juli im Überblick

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Vom 23. Juli bis zum 8. August finden im japanischen Tokio die Olympischen Sommerspiele statt. In 50 Disziplinen aus 33 Sportarten finden 339 Wettkämpfe statt. Wir haben die wichtigsten Nachrichten des Tages zusammengefasst.

TOKYO, JAPAN - JULY 23: The Olympic flame burns over Tokyo during the Opening Ceremony of the Tokyo 2020 Olympic Games at Olympic Stadium on July 23, 2021 in Tokyo, Japan. (Photo by Xavier Laine/Getty Images)
Vom 23. Juli bis 8. August 2021 finden in Tokio die Olympischen Sommerspiele statt. (Bild: Getty Images)

Olympia-News vom 29. Juli im Überblick

Medaillen für das deutsche Olympia-Team:

+++ Rudern: Deutsche holen Silber im Doppelzweier +++

Jonathan Rommelmann und Jason Osborne haben bei den Olympischen Spielen in Tokio Silber im Leichtgewichts-Doppelzweier gewonnen.

Das Duo landete im Finale hinter dem Boot aus Irland und bescherte dem Deutschen Ruderverband (DRV) die erste Medaille bei den Sommerspielen. Bronze ging an Italien.

"Ich kann das noch nicht so ganz fassen. Wir wussten, dass wir gut in Form sind. Wir haben den Iren heute einiges geboten, sie hatten ganz schön mit uns zu kämpfen. Wir sind super zufrieden und können uns nichts vorwerfen", sagte Rommelmann am ARD-Mikrofon. Osborne ergänzte: "Wir haben alles gegeben."

TOKYO, JAPAN - JULY 29:  Silver medalists Jonathan Rommelmann and Jason Osborne (R) of Team Germany pose with their medals on their boat after the Lightweight Men's Double Sculls Final A on day six of the Tokyo 2020 Olympic Games at Sea Forest Waterway on July 29, 2021 in Tokyo, Japan. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)
Jonathan Rommelmann und Jason Osborne haben bei den Olympischen Spielen in Tokio Silber im Leichtgewichts-Doppelzweier gewonnen (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Bis 500 m vor dem Ziel lagen Rommelmann/Osborne mit den favorisierten Iren noch gleichauf, zuvor hatten sie das Feld sogar angeführt. Auf den finalen Metern hatten die neuen Olympiasieger Fintan McCarthy/Paul O'Donovan die größeren Kräfte.

+++ Judo: Anna-Maria Wagner gewinnt Olympia-Bronze +++

Judoka Anna-Maria Wagner hat bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille gewonnen. Die 25-Jährige aus Ravensburg besiegte im kleinen Finale der Klasse bis 78 kg die frühere WM-Dritte Kaliema Antomarchi aus Kuba.

„Ich bin super glücklich. Natürlich ist man hergekommen, um Gold zu holen. Aber den letzten Kampf zu gewinnen und die Medaille mit nach Hause zu nehmen, macht mich einfach super froh“, sagte Wagner bei Eurosport.

TOKYO, JAPAN - JULY 29: Anna-Maria Wagner of Team Germany poses on the podium with the bronze medal during the medal ceremony for the Women’s Judo 78kg event on day six of the Tokyo 2020 Olympic Games at Nippon Budokan on July 29, 2021 in Tokyo, Japan. (Photo by Chris Graythen/Getty Images)
Judoka Anna-Maria Wagner hat bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille gewonnen (Bild: Chris Graythen/Getty Images)

Der Traum von Gold war im Halbfinale geplatzt, als sie gegen das nur 1,67 m große und damit 15 Zentimeter kleinere Kraftpaket Shori Hamada keinen Zugriff bekam und nach nur 1:23 Minuten vorzeitig verlor.

Für den Deutschen Judo-Bund ist es die zweite Medaille in Tokio. Am Mittwoch hatte Eduard Trippel Silber gewonnen.

+++ Kanutin Andrea Herzog holt Bronze - und ärgert sich +++

Andrea Herzog aus Meißen hat mit Bronze die nächste deutsche Medaille im Kanuslalom bei den Olympischen Spielen in Tokio gewonnen. Die 21 Jahre alte Weltmeisterin im Canadier-Einer landete im Finale hinter der Australierin Jessica Fox sowie Mallory Franklin aus Großbritannien und setzte damit die Erfolgsserie des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) fort.

„Ich hatte ein paar Ecken drin, die Berührung war total bescheuert“, sagte die 21-Jährige. Wäre es deshalb Platz vier geworden, hätte sie sich „schon sehr geärgert“. Umso glücklicher sei sie mit Bronze. „Es ist total unglaublich. Es ist verrückt. Ich kann es im Moment nicht realisieren. Ich bin total glücklich. Ich kann es überhaupt nicht beschreiben“, führte die Sportsoldatin weiter aus.

Es ist das dritte Edelmetall für die deutschen Slalom-Kanuten in Japan. Ricarda Funk (Bad Kreuznach) wurde Olympiasiegerin im Kajak-Einer, Canadier-Spezialist Sideris Tasiadis (Augsburg) hatte Bronze geholt. Am Freitag werden im Kajak-Einer der Männer die letzten Medaillen im Wildwasser vergeben, dann geht Hannes Aigner (Augsburg) für den DKV an den Start.

TOKYO, JAPAN - JULY 29: Bronze medalist Andrea Herzog of Team Germany celebrates at the medal ceremony following the Women's Canoe Slalom Final on day six of the Tokyo 2020 Olympic Games at Kasai Canoe Slalom Centre on July 29, 2021 in Tokyo, Japan. (Photo by Harry How/Getty Images)
Andrea Herzog aus Meißen hat mit Bronze die nächste deutsche Medaille im Kanuslalom bei den Olympischen Spielen in Tokio gewonnen (Bild: Harry How/Getty Images)

News über deutsche Sportler:

+++ Nach Rassismus-Eklat: Weltverband wirft deutschen Rad-Direktor raus +++

Die rassistische Entgleisung von Patrick Moster hat weiter Folgen. Der deutsche Radsport-Funktionär ist nun vom Weltverband UCI bis auf weiteres suspendiert worden. Das teilte die UCI am Donnerstag mit.

Die Äußerungen von Moster stünden im Gegensatz zu den Anstandsregeln des Weltverbandes, sie seien diskriminierend gewesen und stellten somit eine Verletzung des Artikels 12.4.017 der Regularien dar.

Rudolf Scharping, Präsident des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR), hatte eine derartige Konsequenz bereits im Gespräch mit dem Deutschlandfunk erwartet. Mosters verbale Entgleisung sei "völlig inakzeptabel, aber man muss sie auch im Kontext bewerten sowohl des Menschen, seines Lebensweges als auch der Umstände, die in Tokio ganz besondere waren", sagte der ehemalige Verteidigungsminister.

Moster hatte während des Zeitfahrens der Männer am Mittwoch den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten „hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm“ angefeuert. Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen.

+++ Schwimmen: Wellbrock knapp an Medaille vorbei - Kritik vom Trainer +++

Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock hat bei den Olympischen Spielen in Tokio über 800 m Freistil eine Medaille knapp verpasst.

In 7:42,68 Minuten schlug der 23-Jährige als Vierter an. Gold ging überraschend an den Amerikaner Robert Finke vor Weltmeister Gregorio Paltrinieri und dem Ukrainer Michailo Romantschuk.

“Der vierte Platz ist immer bitter“, sagte Wellbrock am ARD-Mikrofon: “Es ist ärgerlich, an sich habe ich ein souveränes Rennen gemacht. Mehr war heute nicht drin.“ Hinten raus habe es “einfach nicht gereicht“.

Bis zur letzten Wende hatte Wellbrock noch vorne gelegen und beste Chancen auf Gold gehabt. Seinen deutschen Rekord aus dem Vorlauf verfehlte Wellbrock um fast eine Sekunde. Der hätte zum Olympiasieg gereicht.

Tokyo 2020 Olympics - Swimming - Men's 800m Freestyle - Final - Tokyo Aquatics Centre - Tokyo, Japan - July 29, 2021. Florian Wellbrock of Germany reacts after the event REUTERS/Kai Pfaffenbach
“Der vierte Platz ist immer bitter“: Florian Wellbrock verpasste die Medaille (Bild: REUTERS/Kai Pfaffenbach)

Im Anschluss hagelte es überraschend deutliche Kritik von Schwimm-Bundestrainer Bernd Berkhahn.

„Er hat gemeint, er wäre schnell genug. Er hat die Abstände nicht richtig eingeschätzt, das muss man so klar sagen“, erklärte Berkhahn nach Wellbrocks vierten Platz.

Berkhahn ärgerte sich darüber, dass Wellbrock das Rennen an der Spitze aus seiner Sicht verbummelt hatte. „Er ist ein bisschen abgewichen von dem Plan, den wir eigentlich hatten. Er hätte das Rennen von Anfang an schnell machen müssen. Diesen Vorteil hat er hergeschenkt“, sagte Berkhahn weiter.

+++ Tennis: Zverev nach Gala im Halbfinale - dort wartet Djokovic +++

Alexander Zverev hat souverän das Halbfinale beim olympischen Tennisturnier erreicht und schnuppert damit an einer Medaille.

Der 24-Jährige setzte sich nach einer starken Leistung gegen den Franzosen Jeremy Chardy klar mit 6:4 und 6:1 durch. Wie schon im Achtelfinale kam Zverevs Aufschlag, sonst gerne auch einmal seine Wackeldisziplin, astrein und generierte viele freie Punkte.

Im Halbfinale kommt es nun zum Showdown gegen Novak Djokovic, der dem Japaner Kei Nishikori beim 6:2, 6:0 keine Chance ließ. „Novak ist der schwerste Gegner im Tennis, den man jetzt im Moment haben kann. (...) Er ist der Favorit - aber ich freue mich auf das Match“, sagte Zverev bei Eurosport.

Djokovic jagt weiter den Golden Slam, also alle vier Grand Slams plus Olympia in einem Jahr zu gewinnen. Als einziger Tennisprofi hat bisher Steffi Graf 1988 dieses Kunststück geschafft.

+++ Tischtennis: Ovtcharov verpasst Sensation +++

Dimitrij Ovtcharov hat das Finale des olympischen Tischtennis-Turniers denkbar knapp verpasst. Der Dritte von London 2012 unterlag dem chinesischen Weltmeister und Rio-Sieger Ma Long trotz starker Leistung in einem irren Krimi mit 3:4 (11:13, 8:11, 11:9, 11:9, 7:11, 11:5, 9:11) und spielt am Freitag um Bronze.

„Das war eines der besten Spiele, die ich je gespielt habe. Ich hatte den besten Spieler, den es je gab, beim größten Turnier am Rande einer Niederlage“, sagte Ovtcharov.„Warum es im Sport manchmal so und manchmal so geht, weiß am Ende nur der liebe Gott.“

Gegner im Kampf um seine fünfte Olympia-Medaille ist nun der erst 19 Jahre alte Lin Yun-Ju aus Taiwan, der gegen den Weltranglistenersten Fan Zhendong ebenfalls 3:4 verlor. Zum vierten Mal in Folge stehen somit zwei Chinesen im Olympia-Endspiel.

+++ Hockey: Frust nach Blamage gegen Südafrika +++

Völlig frustriert stand Routinier Florian Fuchs in der Mixed Zone des Oi Hockey Stadium von Tokio und versuchte erst gar nicht, den blamablen Auftritt der deutschen Herren gegen Südafrika schön zu reden.

«Es ist unerklärlich, was heute passiert ist. Nicht nur die Niederlage, sondern auch, wie wir gespielt haben, ist inakzeptabel», schimpfte der 29 Jahre alte Hamburger nach der völlig unerwarteten 3:4 (3:2)-Pleite, durch die der vorzeitige Einzug ins Olympia-Viertelfinale leichtfertig verspielt wurde. «Es gibt genügend Dinge, die anzusprechen sind, und wir werden das in aller Deutlichkeit tun», kündigte Fuchs eine knallharte Aussprache an.

Die einzig gute Nachricht: Trotz des Rückschlags läuft die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes selbst im Falle einer weiteren Niederlage im Gruppenfinale gegen den WM-Zweiten Niederlande an diesem Freitag kaum Gefahr, die K.o.-Runde zu verpassen. Denn bei einer möglichen Punktgleichheit mit Südafrika würde zunächst nicht der verlorene Direktvergleich den Ausschlag geben, sondern das Torverhältnis. Und da beträgt das Polster auf den Rivalen 15 Treffer.

+++ Rudern: Zeidler nach Sensations-Aus niedergeschlagen +++

Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler aus Ingolstadt hat völlig überraschend das Finale bei den Olympischen Spielen verpasst. Der Einer-Dominator kam im Halbfinale am Donnerstag nur auf den vierten Platz und muss seinen Traum von einer olympischen Medaille in Tokio begraben.

„Ich bin sehr enttäuscht, vor allem nach dem bisher so erfolgreichen Saisonverlauf. Die Niederlage nagt schon sehr an mir“, ließ Zeidler einige Stunden nach seinem Aus mitteilen. Unmittelbar nach dem Rennen hatte er sich noch nicht äußern wollen.

Der 25 Jahre alte Ausnahmeathlet hatte in seinem Halbfinale lange auf dem zweiten Platz gelegen, ehe er auf den letzten 500 m noch auf Rang vier zurückfiel. „Ich kann mir aber nicht vorwerfen, dass ich nicht alles gegeben habe. Die anderen waren heute einfach besser“, sagte er. Nur die besten drei Ruderer der zwei Läufe qualifizierten sich für das Medaillenrennen am Freitag.

Weitere Olympia-News:

+++ Turnen: Nach Biles-Verzicht: Landsfrau Lee Olympiasiegerin +++

Sunisa Lee hat sich in Tokio zur neuen olympischen Turnkönigin gekürt.

Unter den Augen ihrer Vorgängerin und US-Teamkollegin Simone Biles, die wegen mentaler Probleme auf einen Start verzichtet hatte, siegte die 18-Jährige im Mehrkampf vor der Brasilianerin Rebeca Andrade und Mannschafts-Olympiasiegerin Angelina Melnikowa (ROC).

Die deutsche Rekordmeisterin Elisabeth Seitz aus Stuttgart kam auf den neunten Platz, 17. wurde ihre Vereinskollegin Kim Bui.

+++ Schwimmen: Chinesin holt zwei Goldmedaillen in einer Stunde +++

Die chinesische Schwimmerin Zhang Yufei holte in Tokio innerhalb von einer Stunde zwei Goldmedaillen und knackte dabei zwei Rekorde - sehr zu ihrer eigenen Überraschung.

Zuerst gewann sie am Donnerstagmorgen im 200-Meter-Butterfly und stellte dabei mit 2:03.86 einen olympischen Rekord auf. Erst nach der Medaillenverleihung eröffnete ihr der Trainer, dass sie gleich im Anschluss auch für die 4x200-Meter-Freistil-Staffel an den Start gehen sollte.

+++ 20 Leichtathleten nach Verstoß gegen Dopingregeln ausgeschlossen +++

Insgesamt 20 Leichtathleten aus “Hochrisiko-Ländern“ müssen wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln auf ihren Start bei den Olympischen Spielen in Tokio verzichten.

Das teilte die Unabhängige Integritätskommission AIU des Weltverbandes World Athletics am Donnerstag mit, einen Tag vor dem Beginn der Leichtathletik-Wettbewerbe.

Die Sportler haben demnach die Mindestanforderung an Trainingskontrollen im Vorfeld der Spiele nicht erfüllt.

Besonders Nigerias Team ist betroffen, 10 der 23 gemeldeten Athleten dürfen nicht teilnehmen. Auch in Belarus, der Ukraine (jeweils 3), Äthiopien und Marokko (jeweils 1) sieht die AIU Verfehlungen.

Mit Material von dpa, Sport 1 und SID

Video: Dietmar Hamann kritisiert Simone Biles für ihren Olympia-Rückzug

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