Wäre ein Titel für Magdeburg zu wenig, Herr O'Sullivan?

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Wäre ein Titel für Magdeburg zu wenig, Herr O'Sullivan?
Wäre ein Titel für Magdeburg zu wenig, Herr O'Sullivan?

Breite Brust vor dem Topduell!

Für den SC Magdeburg hätte der Saisonauftakt nicht besser laufen können. In der Handball-Bundesliga HBL hat das Team ohne Punktverlust den Platz an der Sonne inne.

Dazu gelang mit dem Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Dementsprechend selbstbewusst will man in das Kracherduell mit dem THW Kiel am Sonntag (HBL: THW Kiel - SC Magdeburg, ab 14.00 Uhr LIVE im SPORT1-Liveticker) gehen. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Handball-Bundesliga)

Im Gespräch mit SPORT1 sandte SCM-Rückraumspieler Christian O‘Sullivan eine kleine Kampfansage nach Kiel. „Dieses Jahr wollen wir die zwei Punkte mitnehmen!“ Dazu äußerte sich der Norweger über die weiteren Saisonziele und wie er das Corona-bedingte Aus von Steffen Weinhold und Sander Sagosen für das Topspiel sieht. (NEWS: Alles Wichtige zum Handball)

SPORT1: Herr O‘Sullivan, Tabellenführer und Klub-Weltmeister– wie fühlt sich das so an?

Christian O‘Sullivan: Die Stimmung ist sehr gut. Wir haben hohe Ziele in diesem Verein. Bis jetzt haben wir alle erreicht. Wir hoffen, dass es so weitergeht. Aber das ist Handball. Eine schlechte Woche und man ist hintendran. Wir versuchen, weiter an uns selbst zu arbeiten und bislang läuft das sehr gut. (BERICHT: Sensation! So wurde Magdeburg Weltmeister)

O‘Sullivan: „Wollen die Final Fours in Pokal und Europa erreichen“

SPORT1: Merken Sie Veränderungen in der Wahrnehmung im persönlichen Umfeld? Werden Sie nun häufiger beim Bäcker erkannt?

O‘Sullivan: Das ist schon häufiger in meiner Zeit hier in Magdeburg passiert. Der SC Magdeburg ist fest in der Stadt verankert – genauso wie auch unsere Fußballer vom 1. FC Magdeburg. Der Sport hat in dieser Stadt einen sehr hohen Stellenwert. Und wir freuen uns enorm darüber, dass wir so tolle Hardcore-Fans haben. Wir hatten Auswärtsspiele in Nordspanien und da kommen Fans von uns hin. Das ist Wahnsinn. Die fahren da hin und zurück für ein Wochenende und arbeiten Montag wieder. Das macht es noch schöner, hier zu spielen.

SPORT1: Mit dem Titel bei der Klub-WM - der IHF Super Globe - gelang bereits ein Coup, den man Ihnen nicht mehr nehmen kann. Gibt das Rückenwind für die nächsten Aufgaben?

O‘Sullivan: Wir sind noch in drei Wettbewerben und haben in jedem die Chance, um den Titel zu kämpfen. Wir wissen, wie schwierig es ist, die Bundesliga zu gewinnen. Aber wir haben dieses Jahr gut angefangen und stehen nun vor dem Topspiel gegen Kiel. Wir sind froh, dass wir uns diese Position erkämpfen konnten. Aber am Ende wollen wir in allen drei Wettbewerben für den Titel in Frage kommen. Das wird schwierig. Aber wir hoffen, dass wir die Final Fours in Pokal und Europa erreichen. Und hoffentlich sind wir auch in der Bundesliga bis zum Ende dabei.

SPORT1: Aber würden sie die Saison mit dem Gewinn der Klub-WM schon als erfolgreich bezeichnen oder wäre es „nur“ eine gute Saison, wenn keine weiteren Titel dazukommen sollten?

O‘Sullivan: Wir haben letztes Jahr einen Titel gewonnen. Diese Saison haben wir schon im Oktober einen geholt – das ist schon früh. Wir freuen uns über das, was wir bis jetzt erreicht haben. Aber ich hoffe, dass wir noch andere Titel holen können. Wir haben noch drei Möglichkeiten und ich sehe unsere Chancen in jedem Wettbewerb als gut an. (DATEN: Tabelle der Handball-Bundesliga)

Kräfteverteilung als Ass im Titelrennen

SPORT1: Sieben Spiele, sieben Siege. Was macht die Stärke des SCM aus?

O‘Sullivan: In der aktuellen Saison ist unser Kader sehr stark. Wir können unsere Kräfte gut verteilen. Fast alle Spieler haben bislang in jedem Match Spielminuten bekommen. Das ist schon eine Stärke. Es gab auch schon enge Spiele, wo es knapp war. Es hat auch jeder verstanden, dass man nicht immer 60 Minuten spielen kann – auch wenn alle das wollen. Bis jetzt sind wir mit dieser Herangehensweise sehr erfolgreich. Hoffentlich geht es so weiter.

SPORT1: Omar Igni Magnusson ist bester Magdeburger Werfer in der Liga, war auch bei der Klub-WM herausragend. Was macht ihn so stark und wie viel hängt von ihm ab?

O‘Sullivan: Er hat nicht nur diese Saison abgeliefert. Er war auch letzte Saison schon Torschützenkönig. Das in seiner ersten Saison und in seinem Alter zu erreichen, ist schon eine Leistung. Er ist ein fantastisch guter Handballer. Ich bin sehr froh, dass ich ihn in meiner Mannschaft habe. Ich sehe ihn jeden Tag im Training und er ist echt schwer zu verteidigen.

Zwei Punkte beim THW Kiel sind das Ziel

SPORT1: Als nächstes steht das Topspiel in Kiel an. Was erwarten Sie sich von dem Duell?

O‘Sullivan: Das wird ein sehr, sehr hartes Spiel von zwei der besten Mannschaften der Bundesliga. Kiel ist auch sehr gut in die Saison gestartet und sie verlieren einfach – wenn man sich die letzten Jahre anschaut – sehr wenig Punkte. Vor allem Zuhause! Es ist schwierig, in Kiel zu bestehen, aber dieses Jahr wollen wir die zwei Punkte mitnehmen. Wir glauben an uns. Es wird ein hartes Spiel gegen die vielleicht beste Mannschaft der Liga. Aber wir sind bereit, dorthin zu fahren und etwas mitzunehmen.

SPORT1: Finden Sie es schade, dass Kiel von den Coronafällen Sagosen und Weinhold beeinträchtigt ist?

O‘Sullivan: Zuerst mal hoffe ich, dass es beiden gut geht. Wir sind leider in einer Realität, wo man sich auch mit zwei Impfungen anstecken kann. Ich drücke den beiden jetzt einfach nur die Daumen, dass sie keine schwerwiegenden Symptome haben. Wir haben viele Maßnahmen, um so etwas zu verhindern. Aber es ist nun mal so. Vielleicht müssen wir die Regeln der Liga weiter spezifizieren. Den beiden wünsche ich, dass sie schnell wieder fit und zurück sind. Aber für uns macht es in Hinblick auf das Duell mit Kiel keinen Unterschied. Wir bereiten uns auf den THW mit und ohne diese Spieler vor.

SPORT1: Gehört Flensburg für Sie trotz der aktuellen Formschwäche noch zu den Titelfavoriten?

O‘Sullivan: Flensburg ist eine tolle Mannschaft. Sie hatten etwas Verletzungsprobleme bis jetzt. Aber wenn Magnus Rod und Goran Johannessen zurück sind, dann sind sie wieder richtig stark. Hat man eine schlechte Woche, kann man vier bis sechs Punkte verlieren. Es ist dieses Jahr in der Bundesliga einfach enorm eng. Daher rechne ich immer mit Flensburg. In den letzten Jahren haben sie so gute Leistungen gezeigt, da schreibe ich sie nicht schon im Oktober ab. Es wird auch dieses Jahr eng.

Titelverteidigung in der European Handball League

SPORT1: Magdeburg ist auch in der European Handball League vertreten. Am Dienstag war das erste Spiel, am Donnerstag stand das Nachholspiel im DHB-Pokal an. Ist der volle Terminkalender ein Nachteil für das Spitzenspiel?

O‘Sullivan: Es ist nicht optimal mit drei Auswärtsspielen in einer Woche. Aber wir wollten unbedingt diesen Super Globe spielen und wussten, dass danach einige enge Spiele kommen werden. Rückblickend mit dem Titelgewinn hat sich die Entscheidung aber gelohnt.

SPORT1: Trägt einen dieser Erfolg über die Müdigkeit?

Es macht einfach Spaß, Spiele zu spielen. Klar merkt man die Reisen. Man spielt Sonntag Zuhause, Dienstag in Slowenien, Donnerstag in Lübbecke und Sonntag in Kiel. Und Dienstag steht dann schon wieder ein Heimspiel an. Das ist schon heftig. Aber es macht so viel Spaß, zu spielen. Daher hoffe ich, dass das in Kiel keinen Unterschied macht.

SPORT1: Wie realistisch ist die Titelverteidigung in der European League?

O‘Sullivan: Es gibt so viele gute Teams in der European League, die auch in der Champions League spielen könnten. Wenn wir den Titel verteidigen könnten, das wäre schon eine Ansage.

Damit hat Stefan Kretzschmar überrascht

SPORT1: Handball in Magdeburg: Da denken viele immer noch an Stefan Kretzschmar: Hat der sich schon mal bei Jemandem von Ihnen gemeldet und übermittelt, was er von dem aktuellen Höhenflug hält?

O‘Sullivan: Kontakt gibt es keinen. Aber was er letztes Jahr sehr gut gemacht hat: Nach unserem Sieg da (im Finale der European League, Anm. d. Red.) ist Stefan Kretzschmar zu uns gekommen und hat jedem Spieler gratuliert. Ich weiß, wie schwer das ist, wenn man ein Finale verloren hat. Das hat schon Eindruck gemacht. Nach einem verlorenen Finale auf die Platte zu kommen und dem Gegner zu gratulieren, war stark von ihm. Sein Name ist mit dem SCM verbunden und das sollte auch so sein. Er war viele Jahre ein überragender Spieler in Magdeburg und hat unter anderem den Champions-League-Titel gewonnen. Daher ist er in Magdeburg immer noch omnipräsent. Aber er selbst hat jetzt mehr mit Berlin zu tun.

SPORT1: Sie haben bereits im April Ihren Vertrag beim SC Magdeburg bis 2025 verlängert. Wie blicken Sie in die Zukunft des Vereins?

O‘Sullivan: Ich hoffe, dass wir bei den Topteams der Bundesliga dabei sind und uns für die Champions League qualifizieren. Es hat sehr viel Spaß gemacht, Champions League zu spielen für diesen Verein. Aber es ist schwer mit nur zwei Plätzen in der Bundesliga. Hoffentlich sind wir gut genug bis Juni, um das Ziel zu erreichen. Ich glaube, dass wir die Qualität haben, in diesem Wettbewerb mitzuspielen. Wir wollen auch da gerne beeindrucken. Das wollen aber auch Melsungen, Berlin, Kiel, Flensburg und andere Mannschaften.

SPORT1: Welche Schlagzeile möchten Sie am Ende der Saison über Magdeburg lesen?

O‘Sullivan: Ich hoffe, wir gewinnen die Bundesliga. Das würde mich am meisten freuen. Das würde auch am meisten für unsere Stadt und die Fans bedeuten. Wir wissen, dass wir gut genug sind. Aber die letzten paar Jahre haben wir zwar gut gegen die besten Teams gespielt, aber nicht immer gut genug gegen die Kleineren. Da haben wir immer wieder Punkte liegen lassen. Die Konstanz, die Flensburg und Kiel in den letzten Jahren an den Tag gelegt hat, ist Wahnsinn. Es ist schwer, durch eine ganze Saison so wenige Punkte zu verlieren. Aber wir hoffen, dass wir am Ende stark genug sind, die Bundesliga zu gewinnen.

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