Paddy Lowe: Lewis Hamiltons WM-Titel waren nicht "leicht"

Ruben Zimmermann
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Ist Lewis Hamilton der größte Formel-1-Fahrer aller Zeiten? Zumindest ist er statistisch gesehen seit dem Wochenende der erfolgreichste. Der Brite hat nun wie Michael Schumacher sieben WM-Titel auf dem Konto und dazu mit 94 Siegen in dieser Hinsicht drei mehr als "Schumi". Und das Ende der Fahnenstange dürfte noch nicht erreicht sein.

Trotzdem streiten sich Formel-1-Fans darüber, ob Hamilton wirklich "größer" als Schumacher ist. Kritiker bemängeln, dass Hamilton sechs seiner sieben Titel bei Mercedes mit überlegenem Material gewonnen habe. Dem widerspricht Paddy Lowe, der viele Jahre mit Hamilton gearbeitet hat, im Gespräch mit 'motorsport.com'.

"Bei einzelnen Titeln könnte man sagen: 'Okay, das war ein einfacher für ihn.' Aber sie waren nicht alle leicht. Und es spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel Ausdauer und Konstanz", erklärt Lowe und ergänzt: "Viele große Fahrer haben Meisterschaften zu einem Großteil durch ihr eigenes Talent gewonnen - einzelne Titel."

"Aber um sieben zu gewinnen, braucht es eine ganz besondere Konstanz und Ausdauer", betont Lowe, der zunächst zwischen 2007 und 2012 bei McLaren mit Hamilton arbeitete und später von 2013 bis 2016 noch einmal bei Mercedes. Somit begleitete Lowe den Briten bei den ersten drei seiner heute insgesamt sieben Weltmeisterschaften.

Talent bereits ab dem ersten Rennen gezeigt

"Sein besonderes Talent hat sich schon daran gezeigt, dass er in seinen ersten neun Rennen [in der Formel 1] auf dem Podium stand", erinnert er an Hamiltons Debütsaison in der Königsklasse 2007 und erklärt: "Das muss man sich einmal vor Augen führen. Wir sehen jetzt, dass junge Fahrer, die sehr talentiert sind, den Durchbruch schaffen."

"Da finden wir es bereits ziemlich bemerkenswert, wenn sie ein gutes Ergebnis oder auch nur ein Podium in ihrer ersten halben Saison holen. Aber bei ihm waren es neun Podestplätze in den ersten neun Rennen", so Lowe, der in seiner Karriere mit vielen Weltmeistern wie Ayrton Senna, Mika Häkkinen oder Nigel Mansell gearbeitet hat.

Auf die Frage, ob Hamilton unter all diesen großen Namen der beste Fahrer sei, mit dem er je gearbeitet habe, antwortet er: "Im Hinblick auf seine Ergebnisse ist Lewis der Größte. Sie sprechen für sich selbst." Lowe verrät: "Die anderen waren großartige Fahrer, und ich habe es genossen, mit allen von ihnen zu arbeiten - aus unterschiedlichen Gründen."

Das hebt Hamilton von anderen Weltmeistern ab

"Aber keiner hatte diese Ausdauer, dran zu bleiben und Jahr für Jahr weiter zu arbeiten und mehrere Meisterschaften zu gewinnen. Das ist das, was Lewis von ihnen abhebt. Er hat große Opfer gebracht, um das zu erreichen. Persönliche Opfer, im Hinblick auf seine Entscheidungen im Leben. Er hat sich seiner Karriere in der Formel 1 verschrieben", so Lowe.

Doch werden Hamiltons Leistungen in der Formel 1 möglicherweise erst nach seinem Karriereende entsprechend gewürdigt? "Ich denke, es gibt schon eine Menge Leute, die es würdigen", relativiert Lowe und erklärt: "Wir sollten es genießen. Lewis demonstriert Woche für Woche meisterhaft, was es bedeutet, ein Formel-1-Fahrer zu sein."

"Für seine Gegner ist das ziemlich beängstigend, denn er ist jetzt in einer eigenen Liga - und er wird weitermachen. Mal sehen, wo ihn das noch hinführt", so Lowe. Offiziell hat Hamilton noch keinen neuen Kontrakt für die Saison 2021 unterzeichnet. Eine Vertragsverlängerung bei Mercedes gilt allerdings nur als Formsache.

Weitere Co-Autoren: Luke Smith. Mit Bildmaterial von LAT.