Patrese: Was Schumacher und Senna von anderen Champions unterscheidet

Ruben Zimmermann
motorsport.com

Bei Riccardo Patrese kann man durchaus von einem Fahrer sprechen, der es im Laufe seiner Formel-1-Karriere mit einigen starken Teamkollegen zu tun hatte. Der Italiener fuhr unter anderem in einem Team mit den Weltmeistern Alan Jones, Nelson Piquet, Nigel Mansell und Michael Schumacher. Im Podcast 'Beyond the Grid' erinnert er sich zurück.

"Der schnellste Teamkollege, den ich je hatte, war Michael", verrät der heute 66-Jährige und erklärt: "Alan Jones war ein Weltmeister. Fantastisch. Nelson war ein Weltmeister. Fantastisch. Nigel auch. Aber der, dessen Speed wirklich herausragend war, und der unglaubliche Dinge mit dem Auto anstellen konnte, das war Michael."

"Er ist der einzige Fahrer, vielleicht neben Senna, der auch mit einem unterlegenen Auto Rennen gewinnen und sogar um die WM kämpfen konnte. Die beiden konnten auch mit einem Auto, das eigentlich kein Siegerauto war, diesen kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen", so Patrese. Das sei bei anderen Piloten nicht der Fall gewesen.

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"Als Alan Jones Weltmeister wurde, hatte er das beste Auto. Nelson auch. [...] Nigel hatte 1992 ein so überlegenes Auto, dass ich sein einziger Gegner war. Aber der Speed, den Michael Schumacher gehen konnte, und die Dinge, von denen ich gesehen habe, dass er sie anstellen kann, das war für mich anders als bei jedem anderen Fahrer, den ich je erlebt habe", verrät Patrese.

Gegen Schumacher nicht mehr komplett motiviert

Der Italiener war 1993 als amtierender Vizeweltmeister von Williams zu Benetton gewechselt, wo er auf Schumacher traf. Während es für den jungen Deutschen erst die zweite komplette Formel-1-Saison war, ging Patrese bereits in sein 17. Jahr in der Königsklasse. "Michael war sicher schneller als ich. Aber es stimmt auch, dass ich nicht mehr so motiviert war", gesteht er heute.

"Mit dem gleichen Enthusiasmus wie am Anfang meiner Karriere wäre ich vielleicht näher dran gewesen", glaubt er und erklärt: "Er war jung und sehr talentiert. [Teamchef] Briatore hat gesagt: 'Ah, Riccardo ist nicht mal so gut wie dieser junge Bursche, obwohl er Vizeweltmeister ist. Wenn ich einen anderen Fahrer nehme, ist der sicher mindestens genauso schnell wie Michael.'"

Allerdings habe man seine Leistungen damals gar nicht richtig einschätzen können, denn: "Michael war damals ja nicht der Schumacher, den wir heute kennen. Er war ein junger Kerl, und er hatte noch keinen Erfolg und keine sieben WM-Titel", erinnert er und erklärt: "Er hat mir das Leben sehr schwer gemacht, denn Briatore meinte, dass ich so schnell sein muss wie Schumacher."

Patrese wollte das Auto besser machen

"Das war ich aber nicht", gesteht er und erklärt: "Man muss auch sagen: Michael war sicher schneller als ich. Aber er wurde auch nur Vierter in der WM und ich Fünfter. Da war der Unterschied nicht so groß. Es war seine zweite Saison, meine 17. Die Atmosphäre im Team war für meine Moral auch nicht gut. Es war sicher nicht meine beste Saison vom Speed her."

"Da war ich in anderen Jahren viel schneller als 1993", erklärt Patrese, der die WM damals mit 20 Punkten beendete. Schumacher holte mehr als doppelt so viel Zähler (52) und zudem einen Sieg in Portugal. "Ich habe mich sehr darauf konzentriert, das Auto zu verbessern. Ich kam ja von einem perfekten Auto, dem 1992er-Williams", erinnert Patrese.

"Der Benetton kam mit den ganzen elektronischen Hilfen nicht zurecht. Ich achtete mehr darauf, das hinzukriegen, während Michaels volle Konzentration dem galt, so schnell wie möglich Auto zu fahren. Ihm war das Fahrverhalten ziemlich egal. Wenn ich mich beschwert habe, dachte das ganze Team, dass ich nach Ausreden suche", glaubt Patrese.

Benachteiligung? Patrese widerspricht Briatore

"Michael war ja schneller. Aber eigentlich wollte ich das Auto besser machen", betont er. Tatsächlich kam es deswegen zu Spannungen mit Teamchef Flavio Briatore. Der behauptete in der Vergangenheit mehrfach, dass Patrese sich damals darüber beschwerte, schlechteres Material als Schumacher zu bekommen. Der will davon allerdings nichts wissen.

"Sie wollten ja die Konstrukteurs-WM gewinnen. Ich glaube nicht, dass ein Auto besser war als das andere. Wenn jemand so etwas erzählt, glaube ich es nicht. Jedes Team möchte die zwei bestmöglichen Autos in der Startaufstellung haben", so Patrese, der mit einem Lachen verrät, dass ihn Ex-Teamkollege Piquet vor seinem Wechsel zu Benetton vor Briatore gewarnt hatte.

Der Brasilianer war 1990 und 1991 für Benetton gefahren und hatte seine Formel-1-Karriere anschließend beendet. Auch für Patrese endete seine Zeit in der Königsklasse nach dem kurzen Benetton-Gastspiel. Bestes Ergebnis in seiner Abschiedssaison war ein zweiter Platz in Ungarn. Patrese stand lediglich zweimal auf dem Podium, Schumacher ganze neunmal.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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