Ist Pavard schuld an Kimmichs künftiger Position?

Florian Plettenberg
·Lesedauer: 3 Min.

"Joshua hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, wie man einen Außenverteidiger interpretiert."

Das sagte Cheftrainer Hansi Flick nach dem 5:2-Sieg des FC Bayern gegen Mainz 05 über Joshua Kimmich, der im defensiven Mittelfeld nach seiner Meniskus-OP im November sein Startelf-Comeback gefeiert hatte und nach der Halbzeit hinten rechts überzeugte.

Bleibt Kimmich Rechtsverteidiger?

Fakt ist: Benjamin Pavard ist völlig außer Form und findet in der Offensive kaum noch statt. Folgerichtig nahm ihn Flick zur Pause raus. (Service: ERGEBNISSE und SPIELPLAN der Bundesliga)

Neuzugang Bouna Sarr war zuletzt verletzt und hat sich bei seinen Auftritten noch nicht für höhere Aufgaben empfohlen. Talent Chris Richards ist eigentlich für die Innenverteidigung eingeplant. Aushilfs-Rechtsverteidiger Niklas Süle ist auf dieser Position keine Dauerlösung.

"Jeder Einzelne hat Luft nach oben. Das gilt nicht nur für die neuen Spieler - auch für die, die schon länger im Kader sind. Jeder muss wieder an seine Leistungsgrenze kommen", forderte Flick: "Dann spielen wir auch wieder besseren Fußball."

Pavard und Boateng müssen zur Halbzeit raus

Vor allem den Neuzugängen ist anzumerken, dass ihnen im dicht getakteten Spielplan taktische Trainingseinheiten fehlen, um die "Philosophie" (Flick) des Bayern-Spiels zu verstehen. Gegen Mainz verpennten aber auch etliche Stammspieler die ersten 45 Minuten. Auch Pavard in der Viererkette, der wie der mit Gelb vorbelastete Jérôme Boateng zur Halbzeit raus musste.

"Wir haben in der ersten Halbzeit, vor allem über die rechte Seite, nicht viele Situationen gehabt, mit denen wir zufrieden waren. Deswegen haben wir uns entschlossen zu tauschen", erklärte Flick den Pavard-Wechsel.

Kimmich, der Pavards Position einnahm, haderte nicht, weil er seine bevorzugte Position im Zentrum verlassen musste. Ganz im Gegenteil: Der 25-Jährige sorgte mit etlichen Vorstößen und Dribblings für mächtig Wirbel, traf per Kopf zum 1:2 und war an zwei weiteren Bayern-Toren beteiligt.

Pavard wartet auf ersten Scorerpunkt der Saison

Kimmich spielte als Rechtsverteidiger wie in all den Jahren zuvor: Verlässlich in der Defensive und brandgefährlich in der Offensive. Kein Vergleich zu Pavard, der nach seiner starken Premieren-Saison in der aktuellen Spielzeit im Formtief steckt. In dieser Bundesliga-Saison ist der Weltmeister von 2018 noch ohne Scorerpunkt.

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Flick braucht defensiv dringend Lösungen, denn gegen schnelle Mainzer setzte es erneut zwei Gegentore. Der Triple-Trainer hat auch gesehen, dass er mit dem Sechser-Duo Leon Goretzka (wurde gegen Mainz zur Halbzeit eingewechselt) und Corentin Tolisso Spiele gewinnen kann.

Zwar fehlt den Bayern Kimmichs Power und Anspielbarkeit im Zentrum, aber hinten rechts sind die Münchner ohne ihn verwundbar wie lange nicht. "Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie es anders kann. Das ist der Maßstab für die Zukunft", sagte Flick.

Möglich, dass das auch für Rechtsverteidiger Kimmich gilt, wenn auch nur vorerst. "Wir wissen, dass die Sechs seine Lieblings-Position ist, aber Leon Goretzka hat das in der zweiten Halbzeit auch gut gemacht", urteilte der Trainer. "Beide haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Das war so, wie wir uns das vorgestellt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir mit mehr Aggressivität in den Zweikämpfen gespielt. Das brauchen wir in unserem Spiel, weil jeder Gegner an seine Grenze geht."

Das tut auch Kimmich. Egal auf welcher Position.