Perisic und Mandzukic sind zu viel für England

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Kroatien steht erstmals in seiner Geschichte im Finale einer Weltmeisterschaft. Die Kroaten schlugen im zweiten Halbfinale England in einem dramatischen Spiel mit 2:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung und zerstörten damit dem Traum der Three Lions vom zweiten Titelgewinn nach 1966.

Mario Mandzukic (v.) und Ivan Perisic erlegten England
Mario Mandzukic (v.) und Ivan Perisic erlegten England

England ruhte sich auf seiner frühen Führung zu sehr aus und wurde am Ende von abgezockten Kroaten bitter dafür bestraft. Kapitän Harry Kane enttäuschte, bei den Kroaten war Ivan Perisic der Mann des Abends – und Mario Mandzukic der Siegtorschütze.

Die beiden Mannschaften in der Yahoo Sport-Einzelkritik.

KROATIEN

Danijel Subasic: Beim Gegentreffer war er machtlos, weil er den Ball offenbar zu spät kommen sah. Danach sicher, gut im Organisieren seiner Vorderleute und von England auch kaum noch ernsthaft geprüft. Note 3

Sime Vrsaljko: Legte immer wieder den Vorwärtsgang ein, konnte mit den vielen Ballaktionen dann aber zu wenig anfangen. Die Flanken waren schwach, seine Abschlüsse aus der zweiten Reihe noch schwächer. England wollte Vrsaljko bewusst viel in Ballbesitz kommen lassen und wurde dafür dann beim Ausgleich bestraft, eine der vielen Flanken kam punktgenau. Von da an wie ausgewechselt, gut im Zusammenspiel mit Modric und Rebic, in der Defensive aufmerksam und Retter auf der Linie bei Stones’ Kopfball. Note 3

Dejan Lovren: War als einer der wenigen Kroaten sofort drin in der Partie und zeigte auch eine gewisse körperliche Präsenz in den Zweikämpfen. Der Aggressiv Leader der Kroaten, auch dem Gegner und Schiedsrichtern gegenüber. Note 3

Domagoj Vida: Hatte im Verbund mit Lovren einen schweren Stand gegen Kane und vor allen Dingen mit dem Einlaufen der nachrückenden englischen Spieler. Stabilisierte sich aber mit zunehmender Spieldauer zumindest defensiv. In der Spieleröffnung aber kein Faktor. Note 4

Sensation! Kroatien steht im WM-Finale

Ivan Strinic: Die Schwachstelle in Kroatiens Abwehrkette. Mit dem Tempo von Lingard und Sterling überfordert, mit einem katastrophalen Fehlpass 20 Meter vor dem eigenen Tor und nur wenigen Impulsen nach vorne. Etwas stärker in der zweiten Halbzeit, auch dank des emsigen Perisic. Trotzdem eine überschaubare Leistung. Nach 95 Minuten angeschlagen ausgewechselt. Note 4

Ivan Rakitic: Spielte wie schon in den letzten Partien vor der Abwehr und sollte von dort aus das Spiel strukturieren. Das gelang aber nur bedingt, auch im defensiven Umschalten nicht immer gedankenschnell genug. Ließ viel Raum in seinem Rücken offen, den England gut bespielte. Nach der Pause besser im Spiel und auch sicherer in seinen Aktionen. Note 3

Marcelo Brozovic: Der Arbeiter neben Rakitic auf der Doppel-Sechs, musste oft alleine viel Raum abdecken und lange Wege gehen und konnte dieser Mammutaufgabe kaum gerecht werden. In der zweiten Halbzeit deutlich besser abgestimmt mit seinen Nebenspielern, sicherte Rakitic und Modric gut ab. Gute Chance nach 108 Minuten und einem kurz ausgeführten Eckball. Note 3

Ante Rebic: So etwas wie der “Aktivposten” der Kroaten in der ersten Halbzeit. Immerhin mal mit ein paar Dribblings und Abschlüssen, aber aus eigentlich völlig ungefährlichen Zonen. Den einen oder anderen Kroaten ließen die Engländer den Ball ruhig annehmen – bei Rebic waren sie schon beim ersten Kontakt sofort und aggressiv zur Stelle. Taute aber immer mehr auf und rieb sich in zahllosen Laufduellen enorm auf. Nach 101 Minuten entkräftet ausgewechselt. Note 3

Luka Modric: Spielte auf dem Papier als Zehner, musste aber immer wieder die Bälle tief abholen und nach vorne schleppen. Spielte Modric dann wie erhofft höher, ließ er zu viel Platz in seinem Rücken, den England immer wieder für seine Konter nutzte. Mit dem ungeschickten Foul an Alli vor dem 0:1. Im zweiten Durchgang deutlich verbessert, immer wieder aus dem rechten Halbraum mit guten Akzenten. Zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung ausgewechselt. Note 3

Ivan Perisic: Bemüht, aber wie die Kollegen in der ersten Halbzeit kaum mal positiv auffällig. Ein Schuss aus 23 Metern, ein paar ordentliche Pässe – das war’s. Aber dann die zweite Halbzeit: Erst entschlossen und eiskalt beim Ausgleich, dann mit Pech bei seiner Chance zur Führung und später noch bei seinem Heber. Drehte nach seinem Tor brutal auf und wirbelte Englands Abwehr gehörig durcheinander. Tolle Flanke vor Mandzukic‘ Chance in der Verlängerung. Note 2

Mario Mandzukic: Fand in der kompletten ersten Halbzeit überhaupt keine Bindung zu den Kollegen und war bei Englands Innenverteidigung abgemeldet. War in der zweiten Hälfte in der Ballbehauptung stark und hatte kurz vor dem Ende sogar seinen ersten Abschluss bei einem Volleyschuss aus der Drehung. In der Verlängerung erst mit der dicken Chance, als Pickford rettete und dann mit dem siegbringenden Tor, als er am schnellsten schaltete und eiskalt verwandelte. Note 3

Josip Pivaric: Kam nach wenigen Minuten in der Verlängerung für Strinic und nahm dessen Position links in der Viererkette ein. Spielte seinen Part solide runter, fiel weder positiv wie negativ auf. Note 3

Andre Kramaric: Kam nach 101 Minuten für Rebic. Konnte sich kaum einmal in Szene setzen, erst bei den Kontern vor dem Schlusspfiff mit einigen guten Szenen. Keine Bewertung

Milan Badelj: Kam kurz vor dem Ende für Modric. Keine Bewertung

ENGLAND

Jordan Pickford: In der ersten Halbzeit im Prinzip gar nicht geprüft, konnte deshalb einer seiner verborgenen Stärken föhnen: Dem genauen Zuspiel in die Spitze. Pickford leitete mit weiten Pässen einige gefährliche Konter ein und war deshalb so etwas wie Englands tiefster Spielmacher. Ließ sich gegen Rnde der zweiten Halbzeit aber von der umgreifenden Verunsicherung anstecken und fabrizierte kurz vor dem Ende beinahe einen folgenschweren Abspielfehler und legte Perisic den Ball kurz später auf den Fuß. Rettete in der Verlängerung aber stark gegen Mandzukic. Note 4

Kyle Walker: Nicht immer sattelfest in seinem Tun, mit einigen technischen Schwierigkeiten und einer dummen Gelbe Karte wegen Zeitspiels früh in der zweiten Halbzeit. Pennte beim 1:1 total und war dann den Tick zu spät dran. Note 4

Harry Maguire: In der Defensive gegen Mandzukic der klare Sieger, offensiv bei den englischen Standards wie schon in den Spielen davor immer mal wieder der Zielspieler und deshalb auch mit einigen Abschlüssen. Note 3

Die besten Bilder der beiden WM-Halbfinals

John Stones: Lange Zeit der verlässlichste Spieler in Englands Abwehrkette, absolut solide gegen Mandzukic, am Boden und in der Luft nicht zu überwinden. Aber: Mit einem bösen Missverständnis samt anschließendem konfusen Befreiungsschlag, der Perisic‘ Mega-Chance zum 2:1 erst ermöglichte. In der Verlängerung mit der großen Chance nach einer Ecke, die aber auf der Linie geklärt wurde. Pennte dann aber bei Mandzukic‘ Tor, als er offenbar zu früh abschaltete. Note 4

Kieran Trippier: Perfekter Start mit seinem perfekten Freistoß ins Glück. Als rechter Flügelspieler der Dampfmacher in der Offensive und solide im Spiel nach hinten. Büßte aber wie die gesamte Mannschaft immer mehr von seiner Gefahr ein. Note 3

Jordan Henderson: Einmal mehr lange der Turm im englischen Spiel. Immer anspielbar, immer ruhig auch unter großem Druck. Defensiv aufmerksam und auch auf den Flügeln zu finden. Der Hauptgrund dafür, dass für Kroatien das Zentrum eine Stunde lang wie verrammelt war. Erst als die Kroaten mit Seitenverlagerungen über Henderson hinwegspielten, wackelte England. Nach 97 Minuten ausgewechselt. Note 3

Ashley Young: Verlebte erst einen ruhigen Abend auf seiner Seite, rückte dann aber in der zweiten Halbzeit immer mehr in den Mittelpunkt, weil Kroatien über seine Seite Druck machte und wirkte dann auch einige Male nicht besonders souverän. Wurde vor der Verlängerung durch Rose ersetzt. Note 4

Dele Alli: Schlau im Zweikampf gegen Modric, als er den Gegenspieler einfach auflaufen ließ und so den Freistoß vor dem 0:1 rausholte. Das war dann aber auch schon seine beste Szene. Fiel im Vergleich zum Rest der Mannschaft etwas ab, im zweiten Durchgang auch im Pressing immer mal ein bisschen zu lasch. Note 4

Jesse Lingard: Rannte den Kroaten ein ums andere Mal einfach davon, war aber vor dem Tor zu zögerlich und nicht entschlossen genug. Wurde aber immer unauffälliger und war am Ende nur noch ein besserer Mitläufer. Note 4

Harry Kane: Gute, schlaue Bewegungen, mit denen er sich immer ein bisschen Luft und Raum verschaffte. Aber erstaunlich fahrig in seinen Abschlüssen. Vergab in der ersten Halbzeit gleich doppelt das 2:0, dann mit einem schwachen Kopfball kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit. Auch im Passspiel ungewohnt unsicher, mit einigen sehr leichten Abspielfehlern. Note 4

Raheem Sterling: In der ersten Halbzeit eine ständige Gefahr für die Kroaten mit seinen Sprints, wirbelte ordentlich durch die gegnerischen Reihen. Aber im Abschluss wie eigentlich fast immer zu harmlos. In der zweiten Halbzeit kaum noch zu sehen und nach 74 Minuten ausgewechselt. Note 4

Marcus Rashford: Kam eine Viertelstunde vor dem Ende für Sterling und nahm dessen Position ein. Mit wenigen guten Aktionen. Note 4

Danny Rose: Gleich zu Beginn der Verlängerung eingewechselt, übernahm Youngs Position auf der linken Seite. Unauffällig, allenfalls solide und mit zu wenigen Impulsen nach vorne. Note 4

Eric Dier: Kam nach 97 Minuten für Henderson im zentralen defensiven Mittelfeld – womöglich auch schon im Hinblick auf ein mögliches Elfmeterschießen. Keine Bewertung

Jamie Vardy: Kam acht Minuten vor dem Ende für Walker, als England Alles oder Nichts spielte. Ohne Aktion. Keine Bewertung

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