Pierre Gasly "überrascht": Von Red Bull nicht einmal in Betracht gezogen

Norman Fischer
·Lesedauer: 4 Min.

Pierre Gasly gehört 2020 auf jeden Fall zu den positiven Überraschungen der Formel 1 - und das nicht nur aufgrund seines Sieges in Monza. Der Franzose hat bereits 63 Punkte geholt und ist praktisch fast alleine dafür verantwortlich, dass AlphaTauri noch Chancen hat, Ferrari in der Konstrukteurs-WM zu schlagen. Seinen Teamkollegen Daniil Kwjat hat er deutlich im Griff.

Umso verwunderlicher ist es für viele, dass Gasly von Red Bull nicht einmal in Erwägung für das zweite Cockpit neben Max Verstappen gezogen wurde. Entweder darf Alexander Albon den Platz trotz durchwachsener Leistung behalten, oder es geht an einen externen Piloten wie Nico Hülkenberg oder Sergio Perez.

"Ich würde nicht sagen, dass ich enttäuscht bin. Aber ich bin überrascht", sagt Gasly selbst über die ausbleibende Rückkehr in das Mutterteam. Sportlich gibt es eigentlich kaum Gründe, die gegen einen zweiten Versuch sprechen. Vermutungen, ob hinter den Kulissen etwas anderes vorgefallen ist, weswegen er keine Option ist, weist er ab: "Keine Ahnung."

Gaslys Sieg in Monza war die Wiederholung der Märchenstory von Sebastian Vettel zwölf Jahre zuvor, der ebenfalls in Monza für den einzigen weiteren Sieg des damaligen Toro-Rosso-Teams gesorgt hatte. Ein Jahr später saß der Deutsche bei Red Bull. "Ich bin daher überrascht, dass ich nicht in Erwägung gezogen wurde", sagt Gasly.

Alle glücklich: "Warum sollten wir das aufbrechen?"

Die Entscheidung dafür traf Red Bull jedoch schon relativ früh. "Mir wurde schon vor einer ganzen Weile klargemacht, dass ich weiter bei diesem Team fahren werde." Die Gründe sind ihm aber unklar. Doch dabei belässt er es. "Sie haben ihre Strategie. Es liegt an ihnen."

Red-Bull-Teamchef Christian Horner betont derweil, dass man Gasly deutlich gemacht habe, dass er ein Schlüssel für das AlphaTauri-Team ist und dass der Rennstall andere Ambitionen als noch unter dem Namen Toro Rosso pflegt. "Es ist nicht nur ein Juniorteam, es ist ein Schwesternteam", stellt er klar.

Gasly zeige im Team gute Leistungen, er sei dort glücklich, und auch das Team sei glücklich mit ihm. "Warum sollten wir das aufbrechen?", sagt Horner.

Sollte sich Gasly von Red Bull lösen?

Unglücklich ist Gasly bei AlphaTauri wirklich nicht, doch Experten legen ihm nahe, dass er sich von Red Bull lösen sollte, wie es einst Carlos Sainz getan hat. Denn bei den Bullen scheint er in einer Sackgasse zu stecken. Und dass es nicht sein Anspruch ist, sich maximal mit AlphaTauri zufriedenzugeben, haben seine Aussagen gezeigt.

Von einigen Seiten wird er bereits jetzt mit Alpine (aktuell noch Renault) für 2022 in Verbindung gebracht, doch den Stecker zieht Horner: "Er hat einen langfristigen Vertrag mit Red Bull über mehrere Jahre", betont er. "Ihm wurde mehrfach gesagt, dass seine Zukunft bei AlphaTauri liegt, einfach aufgrund der wachsenden Natur des Teams und der steigenden Ansprüche."

"Meine Zukunft heißt Red Bull", bestätigt auch Gasly. Er möchte eine erfolgreiche Karriere in der Formel 1 haben und dabei um Siege und Meisterschaften kämpfen. "Und hoffentlich können wir das mit Red Bull. Das ist im Moment der Plan."

Mit AlphaTauri wird sich das 2021 aller Voraussicht nach nicht umsetzen lassen, dennoch geht Gasly voll motoviert in die kommende Saison. Er weiß: Je stärker er fährt, desto größer sind seine Chancen in der Zukunft, Red Bull vielleicht doch noch einmal auf seine Seite zu ziehen. "Ich möchte aber nicht mehr darüber nachdenken. Ich muss einfach so gut es geht für AlphaTauri performen", sagt er.

Tost: Verlängerung mit Gasly das Beste für das Team

Bislang tut er das auch seiner Meinung nach: "Ich kann mein Potenzial, meinen Speed und meine Fähigkeiten zeigen", stellt er heraus. "Ich bin wirklich glücklich, dass ich mit AlphaTauri weitermachen kann und werde für dieses Team mein Allerbestes geben."

Für Teamchef Franz Tost ist die Verlängerung mit Gasly auch das Beste, was dem Team passieren kann, wie er sagt. Der Österreicher vertritt ohnehin die Ansicht, dass Fahrer erst drei Jahre bei seinem Team verbringen sollten, bevor sie zu Red Bull gehen können. Und mit Gasly kann man 2021 die erfolgreiche Arbeit fortsetzen.

"Im zweiten Jahr kennt er das Team besser", sagt Tost. "Die Zusammenarbeit zwischen Pierre und den Ingenieuren ist sehr gut. Und je besser sie sich kennen, desto einfacher ist es, das richtige Set-up für das Auto zu finden."

Das sollte dem Team helfen, weiter gute Ergebnisse einzufahren. Schon Platz fünf in Portimao war aus Sicht des Teams hervorragend, doch es könnte laut Tost noch besser werden: "Wenn wir Pierre mit einem wirklich konkurrenzfähigen Auto ausstatten, dann wird er noch öfter auf dem Podium sein - nicht nur ein- oder zweimal."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.