Pirelli erwägt Streichung der Reifenwahl für Formel-1-Rennen 2020

Stefan Ehlen
motorsport.com

Jedes Team sucht sich seine Reifen selbst aus. Das ist das normale Vorgehen in der Formel 1. Doch Reifenlieferant Pirelli will in der Coronakrise davon abweichen, dass jeder Rennstall vorab festlegen kann, wie viele Sätze jeder Fahrer von den angebotenen Reifensorten erhalten soll. Warum, das erklärt Sportchef Mario Isola im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Seine Begründung: "Sobald wir die erste Phase der Saison in Europa hinter uns haben und nach Asien und Amerika gehen, dann wird es in der Produktion [der Reifen] ungeheuer stressig." Denn Pirelli hat zwar noch Reifen für manche der ausgefallenen Rennen gelagert, aber nicht für alle Grands Prix, die noch folgen könnten.

"Deshalb müssen wir etwa 35.000 Reifen binnen weniger Monate produzieren", sagt Isola. "Und deshalb sprechen wir mit den Teams."

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Der Vorlauf ist entscheidend

Die bisherigen Gespräche seien positiv verlaufen, so heißt es. Die Formel-1-Rennställe zeigten sich "ziemlich flexibel", meint Isola. Ausdrücklich sei dabei eine einheitliche Zuweisung der Reifen ein Thema.

Unter normalen Umständen bietet Pirelli pro Rennwochenende drei seiner insgesamt fünf Mischungen zur Auswahl an. Jedes Team entscheidet sich dann für 13 Reifensätze pro Fahrer, die es frei auswählen kann. In einer normalen Saison muss diese Wahl bis acht Wochen vor einem Rennen in Europa und bis 14 Wochen vor einem Rennen in Übersee getroffen sein.

Es ist gerade dieser lange Vorlauf, der Isola Bauchschmerzen bereitet. Daher hofft er auf ein Entgegenkommen der Teams. "Ich sehe da kein Problem", meint er auf Nachfrage. "Wenn es möglich ist, belassen wir die Wahl weiter bei den Teams. Es kommt einfach darauf an, mit wie viel Vorlauf wir die notwendigen Informationen erhalten."

Gleiche Reifen, gleiche Strategie im Rennen?

"Machbar" sei es in jedem Fall, den Rennställen die Reifen vorzuschreiben, sagt Isola. "Es liegt ja schließlich im Interesse aller, die Saison zu beginnen und alles für die beste Lösung zu tun."

Es sei auch nicht mit einer einheitlichen Strategie zu rechnen, nur weil alle Teams mit den gleichen Reifenvoraussetzungen in ein Wochenende gingen. "Es werden ja weiter nach dem Training manche Reifensätze zurückgegeben", erklärt Isola. "Und wir sagen ja nicht, dass jedes Team die gleiche Anzahl Reifen oder den gleichen Typ zurückgeben muss."

Unterm Strich würden sich immer abweichende Strategien ergeben. "So ist es ja auch heute schon", meint Isola. "Nehmen wir das vergangene Jahr als Beispiel: Die Teams trafen unterschiedliche Auswahlen, aber für das Qualifying und das Rennen stand dann meist jeder sehr ähnlich da. Ich sehe da kein echtes Problem aufkommen."

Und das Reglement stelle auch keine Hürde dar: "Die FIA hat dieses Jahr mehr Flexibilität, die Regeln zu ändern. Einstimmigkeit ist nicht mehr erforderlich", erklärt Isola. Er rechne daher damit, dass ein entsprechender Beschluss auch offiziell Anklang finden würde.

Weitere Co-Autoren: Jonathan Noble. Mit Bildmaterial von LAT.

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