Pleiten, Pech, Corona: Alarmstufe Oranje in Tokio

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Pleiten, Pech, Corona: Alarmstufe Oranje in Tokio
Pleiten, Pech, Corona: Alarmstufe Oranje in Tokio

Annemiek van Vleuten jubelte, als hätte sie Gold gewonnen. Weil sie genau dies glaubte. Es war ein flüchtiger Glücksmoment, im Ziel des Straßenradrennens von Tokio feierte nämlich schon eine ganze Weile die Österreicherin Anna Kiesenhofer ihren Olympiasieg.

Tags darauf stürzte Mathieu van der Poel wegen fehlender Streckenkenntnisse von seinem Mountainbike, der große Favorit gab unter Tränen auf. Szenen, die den bisherigen Verlauf der Olympischen Spiele für die Niederlande versinnbildlichen, der geprägt ist von Pech, Fehltritten und Corona.

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Dabei nahm das nationale Sport-Drama allem Anschein nach nicht erst in Japans Hauptstadt seinen Lauf. Immer mehr deutet darauf hin, dass vier der sechs Infektionen beim Team Oranje und auch mehrere Coronafälle bei der tschechischen Mannschaft zum KLM-Flug KL 681 zurückverfolgt werden können, der am 17. Juli von Amsterdam gen Tokio abhob. In den Niederlanden ist längst vom „Coronaflug“ die Rede.

„Das gesetzlich vorgeschriebene Protokoll verlangt von unserem Personal keinen Test. Wir halten uns an die von den japanischen und niederländischen Behörden vorgegebenen Regeln“, sagte ein KLM-Sprecher der Zeitung Algemeen Dagblad (AD). In der Crew habe es nach besagtem Flug zudem keine positiven Fälle gegeben.

Die Mitglieder des Oranje-Teams waren direkt vor dem Einchecken zum dritten Mal negativ getestet worden. Zu ihrer Überraschung saßen die Athletinnen und Athleten in der vollbesetzten Maschine allerdings nicht zusammen, sondern waren verteilt zwischen ausländischen Aktiven und „normalen“ Fluggästen.

Corona-Flug trifft Niederlande hart

Einige Sportler gaben bei AD an, dass sie fürchten, von der Crew angesteckt worden zu sein. Viele Fluggäste passierten zudem Skateboard-Hoffnung Candy Jacobs, die in Tokio positiv getestet wurde. Sie saß neben einer Toilette.

In den vergangenen Tagen folgten weitere Negativnachrichten durch positive Testergebnisse. Tennisspieler Jean-Julien Rojer musste in Quarantäne, Olympia war damit auch für seine Partner in Doppel und Mixed vorzeitig beendet.

Im Ruderteam wurde Trainer Josy Verdonkschot positiv getestet, zuvor Einer-Teilnehmer Finn Florijn. Das gesamte niederländische Ruderteam begab sich in freiwillige Isolation.

Und dort fing der Ärger für die Betroffenen wohl erst richtig an. Das zumindest teilte Maurits Hendriks mit, Technischer Direktor des Nationalen Olympischen Komitees. (Olympia 2021: Alle Entscheidungen im SPORT1-Liveticker)

Die Quarantäne-Bedingungen seien inakzeptabel, man werde sich nun beim IOC beschweren: Die Athleten dürften „nie das Tageslicht sehen oder frische Luft schnappen. Sie müssen drinnen bleiben, es gibt auch Probleme mit dem Essen und mit zu kleinen Räumen.“

Sportliche Enttäuschungen en masse für Oranje

Über den Ursprung der Corona-Fälle wird noch gestritten. Epidemiologen schließen Infektionen auf Langstreckenflügen nicht aus. KLM wies alle Vorwürfe aber energisch zurück. „Es ist eher anzunehmen, dass sich die Sportler in einer Teststation in Tokio infiziert haben“, erklärte der Sprecher. Die Infektionsquellen seien „immer noch unbekannt“, sagte der niederländische Chef de Mission, der frühere Schwimm-Olympiasieger Pieter van den Hoogenband.

Sportlich lief es bislang kaum besser. Die Fahrradnation erlebte eine Enttäuschung nach der anderen in ihrer Paradedisziplin, am Dienstag wurde zudem Weltmeisterin Anna van der Breggen beim Training für das Einzelzeitfahren von offenbar überforderten Sicherheitskräften unsanft von ihrer Rennmaschine geholt.

Doch auch anderweitig hapert es: Bogenschütze Sjef van den Berg klagte einen Teamkollegen aus der Tokio-Mannschaft heraus. Am Ende stand Rang vier.

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