Darum gehört Müller jetzt zu den besten deutschen Stürmern

Darum gehört Thomas Müller jetzt zu den besten deutschen Stürmern

Er grinste schelmisch, als er das sagte.

"Das wird auch ein extrem interessanter Klassiker", kündigte Thomas Müller am späten Freitagabend im Bauch der Düsseldorfer ESPRIT arena an und meinte die kommende Testpartie der DFB-Auswahl am Dienstag gegen Brasilien (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER).

Was der Münchner da im Gegensatz zu seinen Gesprächspartnern schon wusste, war der Umstand, dass er sich besagtes erstes Aufeinandertreffen mit den Südamerikanern seit dem legendären 7:1 im WM-Halbfinale 2014 interessiert von der Couch aus anschauen wird.

Wie Mesut Özil durfte Müller nach dem 1:1 gegen Spanien in der Nacht auf Samstag die Heimreise antreten. Weitere Belege seiner guten Form braucht Bundestrainer Joachim Löw vorerst nicht.

Der sehenswerte Distanzschuss zum 1:1-Endstand (35.) gegen die spielstarken Spanier war ausreichender Ausdruck des aktuellen Müllerschen Selbstbewusstseins.

Ein Treffer von seltener Eleganz

"Es kommt nicht alle Tage vor, dass ich außerhalb vom Strafraum leicht aussehend treffe", meinte der 28-Jährige nach der Partie nicht ohne Stolz.

Aus der hohlen Hand kommen solche Tore aber auch bei einem gut aufgelegten Müller nicht.

"Thomas übt solche Schüsse, er trainiert das", wusste Mats Hummels zu berichten. "Er hat sich das durch Fleiß angeeignet. Viele Zuschauer denken, die Spieler können das einfach seit der Geburt, aber da steckt viel Arbeit dahinter." (Stimmen zum Spiel gegen Spanien)

Der Geist Podolskis? Eher nicht!

Im Gegensatz zu Müller war Lukas Podolski in der Nationalmannschaft durchaus dafür bekannt, den Ball auch mal aus größerer Entfernung in die Maschen zu jagen.

Dessen Schienbeinschoner hat Müller inzwischen übernommen. "Der Poldi hat die irgendwann hinterlassen", erklärte Müller in der ARD. "Ich hatte keine eigenen dabei. Da hat der Zeugwart sie mir gegeben."

Da nun mehr hineinzuinterpretieren als den simplen Fakt liegt dem WM-Torschützenkönig von 2010 aber fern.

"Die Schienbeinschoner von Lukas Podolski habe ich schon länger an….auch in den Spielen, in denen ich nicht getroffen habe."

Müller überholt Bierhoff im Torjägerranking

Das bis dato letzte Länderspieltor Müllers hatte tatsächlich schon ein ganzes Jahr zurückgelegen. Beim 4:1 am 26. März 2017 in Aserbaidschan traf er zum zwischenzeitlichen 2:1.

Ihm deswegen eine Ladehemmung im DFB-Team anzudichten, wäre allerdings reichlich übertrieben, stand er doch - auch verletzungsbedingt - nur bei fünf der folgenden 14 DFB-Partien auf dem Rasen.

Stattdessen ist der mit 90 Länderspielen erfahrenste aktive Nationalspieler - gegen Spanien zwischenzeitlich auch Kapitän - mit seinem 38. Treffer nun in der ewigen DFB-Torjägerliste an Oliver Bierhoff vorbeigezogen und hat dort die Top Ten geentert.

Nach der bleiernen Zeit unter Carlo Ancelotti beim FC Bayern hat Müller also auch im Nationaltrikot die Lockerheit zurück, mit der er es 2010 und 2014 auf jeweils fünf WM-Tore brachte.

"In WM-Jahren habe ich bislang immer überzeugen können", hatte er schon im Januar-Trainingslager des FC Bayern gesagt. Gegen Brasilien muss er einen weiteren Nachweis nicht mehr erbringen, auch wenn es für die deutsche Mannschaft darum geht, im 23. Spiel in Serie ungeschlagen zu bleiben.

Müller: "Wir wollen den Rekord"

Damit würde sie den verbandseigenen Rekord einstellen, den das DFB-Team zwischen Oktober 1978 und Dezember 1980 aufgestellt hat.

"Wir nehmen das schon ernst", hatte Müller am Mittwoch auf der Pressekonferenz gesagt. "Wir wollen auf jeden Fall den Rekord."

Schon dabei hatte er schelmisch gegrinst.