Porsche 911 GT3 Cup MR Pro: Mantheys GT3-Schreck?

Heiko Stritzke

Zum Test trug er noch unschuldiges Weiß. Doch der Porsche 911 GT3 Cup MR in der SP-Pro-Variante ist alles andere als unschuldig: Manthey-Racing hat ein Fahrzeug aufgebaut, das potenziell die GT3-Fahrzeuge von unten attackieren kann. Und so kommt er auf den ersten offiziellen Bildern dann auch in einem deutlich aggressiveren Design mit dem Namen "Rotor" daher. 2020 wird das Fahrzeug in den Verkauf gehen.

Umbauten von Cup-Porsches sind keine neue Sache für Manthey-Racing. Mit der SP7-Variante des Cup MR stellt man bereits seit Jahren die ersten Verfolger der GT3-Kategorie auf der Nürburgring-Nordschleife. Manuel Metzger brachte es auf eine Zeit von 8:10 Minuten auf der VLN-Variante. Und das vor der Neuasphaltierung im Winter 2018/19 und auf normalen Kundenreifen.

Initialzündung in Dubai 2018

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Aus dem SP7-Projekt entwickelte sich schnell die Idee, das Fahrzeug noch ein bisschen zu "pimpen". Die Idee dazu fiel beim 24-Stunden-Rennen in Dubai 2018, wie Projektleiter Jan-Helmut Brackhage gegenüber 'Motorsport.com' erklärt: "Damals sind wir den SP7 mit einer Aerodynamik gefahren, die dem heutigen Fahrzeug nicht unähnlich ist."

"Wir hatten einen sehr großen Flügel auf dem Auto - mit Überhang vorne und hinten. Und wir haben mal geschaut, was man damit bei den 24 Stunden von Dubai so erreichen kann." Es wurde Platz sechs in der Gesamtwertung. "Das war für uns ein tolles Ergebnis, weil in Dubai ein äußerst professionelles Feld an den Start geht."

Auch potenzielle Kunden reagierten interessiert: "Gerade die Optik wirkte sehr martialisch, das schien gut anzukommen. So haben wir uns entschlossen, das Fahrzeug auf den Weg zu bringen. Wir haben das Paket seitdem in mehreren Designschritten weiter verfeinert."

Hiermit ging alles los: In Dubai 2018 hieß der Bolide noch MR II

Hiermit ging alles los: In Dubai 2018 hieß der Bolide noch MR II <span class="copyright">Alexander Trienitz</span>
Hiermit ging alles los: In Dubai 2018 hieß der Bolide noch MR II Alexander Trienitz

Alexander Trienitz

Die Überarbeitung betraf nicht nur das Design, das komplett auf die Facelift-Version des Porsche 991 umgestellt wurde. Zuvor war es ein Hybrid aus alter Front und neuem Heck. Auch auf technischer Ebene wurde einiges verbessert: Der Heckflügel hängt nun, statt dass er steht, und das ABS wurde deutlich überarbeitet. Es handelt sich um eine Eigenentwicklung und kann in zwölf Stufen verstellt werden.

Nordschleife: Nicht weit weg vom GT3

Bei den Freitagstests vor VLN9 2019 wurde das Fahrzeug auf der Nürburgring-Nordschleife getestet. Mathieu Jaminet - damals noch "Young Professional" bei Porsche, neuerdings vollwertiger Werksfahrer - saß dabei am Steuer. Der Einsatz kam ad hoc zustande. Als er seinen SP9-Stint beendet hatte, war der Franzose gerade frei und der MR Pro unbesetzt. Also schnappte er sich den Boliden.

"Das Auto ist nicht mehr weit vom GT3 weg", lautet sein Fazit gegenüber 'Motorsport.com'. Das gelte sowohl für die Performance als auch das Fahrgefühl. "Das Auto gibt einem viel Vertrauen. Es hat viel Grip und eine gute Aero."

Wie sich das genau anfühlt? "Man spürt keinen großen Unterschied am Kurveneingang; man hat viel Abtrieb wie bei einem SP9-Fahrzeug. Der Mid-Corner-Speed ist ein kleines bisschen geringer. Das liegt aber vor allem an den Reifen. In diesem Bereich ist man in der Kurve ein kleines bisschen langsamer. Aber beim Bremsen und Einlenken nutze ich dieselben Referenzpunkte wie beim GT3-Fahrzeug."

Der Testträger bei den VLN9-Einstellfahrten kam in unschuldigem Weiß daher

Der Testträger bei den VLN9-Einstellfahrten kam in unschuldigem Weiß daher <span class="copyright">smg/Stritzke</span>
Der Testträger bei den VLN9-Einstellfahrten kam in unschuldigem Weiß daher smg/Stritzke

smg/Stritzke

Natürlich wirkt sich der geringere Speed am Kurvenscheitelpunkt auch die die Performance beim Rausbeschleunigen aus. Wie Jaminet schon angesprochen hat, ist das in erster Linie auf die Tatsache zurückzuführen, dass er bei dem Test auf reinen Kundenreifen unterwegs gewesen ist."

Manthey bremst: Wollen keine GT3-Performance

Wahrscheinlich um keine falschen Hoffnungen zu schüren, tritt Brackhage aber ausdrücklich auf die Bremse: "Die Abgrenzung zum GT3 ist nach wie vor ganz klar vorhanden. Wir versuchen kein Fahrzeug zu bauen, das GT3-Performance liefert." Natürlich wäre das auch vermessen, schließlich kommt der MR Pro günstiger als ein echter GT3 daher.

Auch wird Manthey-Racing das Fahrzeug nicht selbst einsetzen, sondern ausschließlich an Kunden ausliefern. Der MR Pro soll in verschiedenen Rennserien einsetzbar und auch als Track-Day-Fahrzeug nutzbar sein. Bei Manthey gilt das Credo: Der Kunde entscheidet, wo er das Auto einsetzen und welche Reifen er verwenden möchte.

Auf der Nürburgring-Nordschleife, wo die GT3-Fahrzeuge bereits stark eingebremst wurden, hat der SP-Pro-Porsche durchaus das Potenzial, mit guten Fahrern weit ins SP9-Feld vorzustoßen. Allerdings hängt alles von der finalen Einstufung ab. Und diese läuft derzeit noch - für verschiedene Rennserien.

Deshalb lassen sich die endgültigen Leistungsdaten und Flügeldimensionen momentan auch nicht benennen. Sicher ist aber, dass der Lexus-Werkseinsatz in seiner Klasse große Konkurrenz bekommen kann, sollte sich ein Team finden, das den Porsche 911 GT3 Cup MR Pro einsetzen will. Und weitere Luft zur Einbremsung der GT3-Klasse auf der Nordschleife hätte der ADAC-Technikausschuss dann auch nicht mehr.

Mit Bildmaterial von Manthey.

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