Pressestimmen: "Das Problem sitzt nicht im Cockpit"

Sportinformationsdienst, dpa
Sport1

Lange wurde über die Zukunft von Sebastian Vettel diskutiert, am vergangenen Montag sorgte er selbst für Klarheit.

Die Zusammenarbeit des Heppenheimers mit Ferrari läuft am Saisonende aus. Die 2015 als große Liebesbeziehung begonnene Liaison endet damit wohl ohne den krönenden WM-Titel. In Italien wird die bevorstehende Trennung relativ nüchtern zur Kenntnis genommen und bereits über den möglichen Nachfolger Carlos Sainz jr. diskutiert.

Sein Vater Carlos Sainz hatte zuletzt bereits beim spanischen TV-Sender Movistar angedeutet, dass sein Sohn McLaren bald verlassen könnte und damit weiteren Spekulationen in dieser Richtung Nahrung gegeben.

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Zudem machen sich die italienischen Medien Gedanken über die Zukunft Vettels. Während Gazzetta dello Sport jedoch annimmt, dass Daniel Ricciardo das ehemalige Cockpit von Sainz jr. bei McLaren übernehmen wird, steht nach SPORT1-Informationen Vettel kurz vor einer Unterschrift bei den Engländern.

SPORT1 fasst die internationelen Pressestimmen zum Vettel-Abschied von Ferrari zusammen:

GROßBRITANNIEN

BBC Sport: "Als Sebastian Vettel Ende 2014 bei Ferrari als Nachfolger von Fernando Alonso unterschrieb, träumte er davon, seinem Kindheitshelden Michael Schumacher nachzueifern und mit dem italienischen Team die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Stattdessen endete seine Zeit in Maranello im Frust, unerfüllt. Vierzehn Siege, ja, aber Team und Fahrer haben ihre Ziele nicht erreicht, und bis zu einem gewissen Grad liegt der Grund dafür bei Vettel. Im Verlauf seiner Ferrari-Karriere sah Vettel immer weniger wie der Fahrer aus, der von 2010 bis 2013 mit Red Bull vier Mal hintereinander Weltmeistertitel holte."


Sky Sports News: "Obwohl Vettel die Meisterschaft sowohl in der Saison 2017 als auch in der Saison 2018 lange Zeit anführte, wurde er beide Male von Hamilton überholt und wurde für seine Fehler auf der Rennstrecke kritisiert. Ferrari hat es dann versäumt, den Schwung ins letzte Jahr mitzunehmen, stattdessen wurde die Saison durch den internen Kampf zwischen ihrem neuen und ihrem etablierten Star geprägt. Leclerc und Vettel hatten zahlreiche Krisenherde auf der Strecke und eine Kollision in Brasilien, die das Rennen beendet hat, obwohl die beiden betont haben, dass sie abseits der Rennstrecke gut miteinander auskommen.

The Independent: "Beobachter hatten erwartet, dass er (Vettel/Anm.d.Red) Michael Schumachers Rekord von sieben Formel-1-Titeln bricht. Das liegt nun in Reichweite von Weltmeister Lewis Hamilton, der sechs hat. Hamiltons Aufstieg mit Merceds ging einher mit Vettels schrittweisem Abstieg bei Ferrari."


The Telegraph: "Die Trennung ist der Höhepunkt der außergewöhnlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Scuderia und ihrem Starfahrer. (...) Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse von Vettel ist es verständlich, dass Ferrari mit einem weiteren Dreijahresvertrag zögerte. In den Jahren 2017 und 2018 gab der Deutsche durch entscheidende Fehler den Meisterschaftsvorteil an Hamilton ab, und in 2019 wurde er vom jungen monegassischen Teamkollegen Charles Leclerc regelmäßig in den Schatten gestellt und landete in der Gesamtwertung auf einem entfernten fünften Platz."

ITALIEN

Corriere della Sera: "Zwischen Vettel und Ferrari herrschte  schon seit längerer Zeit eisiger Wind. Der frühzeitige Niedergang des Sterns Vettels ermöglicht Leclerc, im F1-Firmament noch mehr zu glänzen. Leclerc ist im Laufe einer Saison zum Lieblingssohn Ferraris aufgerückt. Jetzt will Maranello auch auf Carlos Sainz setzen. Der Spanier ist intelligent und geschätzt, hinzu ist er nicht so anspruchsvoll wie Lewis Hamilton. Jetzt heißt es für Maranello, für ein wettbewerbsfähiges Auto zu arbeiten.

Gazzetta dello Sport: "Die Trennung von Vettel und Ferrari hat einen Domino-Effekt auf dem schlafenden Markt der F1-Piloten ausgelöst. Die fast sichere Verpflichtung von Carlos Sainz seitens Maranellos wird bei McLaren einen Platz frei lassen, den wahrscheinlich Daniel Ricciardo übernehmen wird. Auch Vettel hat mit McLaren gesprochen, doch offenkundig liegen seine Forderungen über deren Möglichkeiten."


Corriere dello Sport: "Sebastian Vettel zahlt einen hohen Preis für die vielen Fehler, die er bei Ferrari begangen hat. Seit 2013 hat er keine WM mehr gewonnen, seit Singapur 2019 hat er keinen Sieg feiern können. Vettel hat zunehmend unter der Konkurrenz seines jungen Teamkollegen Charles Leclerc gelitten, der bei gleicher Auto-Qualität wesentlich schneller ist. Carlos Sainz und Daniel Ricciardo sind die beiden Kandidaten im Rennen um einen Platz bei Ferrari. Keine Chancen gibt es dagegen, Lewis Hamilton im Ferrari-Cockpit zu sehen."

Il Fatto quotidiano: "Fünf Jahre, 14 Siege und keinen Titel: Die Beziehung zwischen Ferrari und Vettel ist in die Brüche gegangen und wird Ende 2020 beendet. Schon seit längerer Zeit hatte man mit einer Trennung gerechnet. 2015 war es Liebe auf den ersten Blick zwischen dem Deutschen und den Ferrari-Tifosi. Doch die ausgebliebenen WM-Titel und zu viele Fehler haben eine Beziehung ruiniert, die nach dem Erfolg Leclercs endgültig zerbrach."

La Stampa: "Das Ende einer Liebesgeschichte: Ende des Jahres trennen sich die Wege von Vettel und Ferrari. Jeglicher Versuch, den Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern, wie die Scuderia vorgeschlagen hatte, ist gescheitert."

Tuttosport: "Carlos Sainz ist die erste Wahl für Maranello, das sich zwar von Vettel getrennt hat, jedoch noch keinen passenden Nachfolger gefunden hat. An Kandidaten fehlt es zwar nicht, Maranello braucht jedoch jemandem, der dem Temperament Leclercs Stand halten kann."

ÖSTERREICH

Der Standard: "Die Saison in Corona-Zeiten ist Sebastian Vettels letzte bei Ferrari. Der viermalige Formel-1-Weltmeister kehrt der enttäuschten Scuderia frustriert den Rücken. Das baldige Karriereende des Deutschen ist nicht völlig auszuschließen. (...) So enthusiastisch die Zusammenarbeit vor mehr als fünf Jahren verkündet wurde, so unterkühlt wurde am Dienstag ihr baldiges Ende avisiert."


Kurier: "Ferrari sucht die Erfolgsspur: Das Problem sitzt nicht im Cockpit (...) Sebastian Vettel und Ferrari trennen sich mit Jahresende nach dann sechs gemeinsamen Jahren. Damit folgt der Rennstall seiner jahrzehntelangen Strategie: Die Piloten sind austauschbar, sobald sie in der roten Göttin nicht mehr schnell genug über die Runden kommen."

Die Presse: "Der große Traum des Deutschen, es seinem Vorbild Michael Schumacher gleichzutun, scheint endgültig geplatzt. Nach vier WM-Titeln mit Red Bull Racing wollte er - wie Schumi nach Erfolgen mit Benetton - bei den Italienern zur Ikone aufsteigen. Der Versuch, diese Ära zu wiederholen, ist jedoch kläglich gescheitert. Zerbrochen an den eigenen Nerven, der (motorischen) Übermacht von Mercedes und auch den Fahrkünsten von Lewis Hamilton, der Vettel in wichtigen Phasen stets im Rückspiegel sah und kontrollierte."

SCHWEIZ

Blick: "Das wochenlange Trauerspiel um einen neuen Ferrari-Vertrag für Sebastian Vettel (32) hat ein Ende. Vielleicht haben sich Daniel Ricciardo (30), der bei Renault nie glücklich wurde, und Carlos Sainz jr. (25), bei McLaren eigentlich gesetzt, in Maranello angeboten. Für ein Trinkgeld. Und auch Ferrari muss in Zukunft sparen, wenn die Budgetobergrenze auf rund 140 Millionen Dollar (und später noch weniger) limitiert wird. Oder hat der hochintelligente Vettel vielleicht gemerkt, dass ihm mit seiner Loyalität bei Ferrari hinter den Kulissen ein Gegenwind ins Gesicht blies?

Tages-Anzeiger: "Vettel kam als Heilsbringer zu Ferrari - und geht als Gescheiterter». (...) Am Anfang stand ein Traum. Er entwickelte sich zum Albtraum. (...) Ferrari verlor in der internen Zerreissprobe zwischen Jungtalent und vierfachem Weltmeister die Kontrolle. Deshalb ist Vettels Schritt, wenn auch zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nicht nur nachvollziehbar, sondern nötig."


Neue Zürcher Zeitung: "Die Trennung von Vettel und Ferrari als Ende eines Irrtums. Vettel ist nicht nur an den vielen Fehlern gescheitert, die er mit einem meist unterlegenen Auto unter Druck gemacht hat, sondern auch am Schlingerkurs der Ferrari-Führung. So hatte Mattia Binotto in der zweiten Saisonhälfte 2018 das Rennauto in die falsche Richtung entwickelt - was Vettel seiner bisher besten Titelchance beraubte."

SPANIEN

El Confidencial: "Die Bombe explodierte am Dienstag. Sebastian Vettel verlässt zum Jahresende Ferrari. Alles deutet darauf hin, dass Carlos Sainz sein Nachfolger sein wird. Der Pilot aus Deutschland ist bald ohne Team und in einer sehr komplizierten Lage. Ihm bieten sich nämlich wenige attraktive Möglichkeiten, seine Karriere in der Formel 1 fortzusetzen (...) Bei Ferrari ist er gescheitert."

Mundo Deportivo: "Ferrari war auch nicht zufrieden mit Vettel. Mit der Art und Weise, wie er seine Rivalität mit Leclerc auf der Piste entgegen den Interessen des Teams ausgetragen hat."

AS: "Wie sieht die Zukunft von Sebastian aus? Einige glauben, dass er sich dem ehrgeizigen, aber wenig konkurrenzfähigen Projekt von Renault anschließen wird. Andere meinen, dass er mit Sainz die Plätze tauschen und zu McLaren gehen wird. Aber viele sind davon überzeugt, dass er nicht in der Formel 1 bleiben wird."


ABC: "Sebastian Vettel bleibt nun nichts anderes übrig, als sich einen neuen Job zu suchen. In der Formel 1 oder irgendwo anders."

El País: "Alles deutet darauf hin, dass der Traum von Sebastian Vettel, es seinem Idol Michael Schumacher gleichzumachen und mit dem roten Auto von Ferrari Formel-1-Weltmeister zu werden, genau das bleiben wird: Ein Traum, eine Phantasie (...) Wenn die WM dieses Jahr tatsächlich im Juli starten kann, wird Vettel kaum in der Lage sein, die Tendenz der vorigen Saison umzukehren, als er hinter seinem jungen Stallkollegen Leclerc nur auf Platz fünf landete."

FRANKREICH

L'Équipe: "Seit gestern gibt es keinen Zweifel mehr, wenn es für einige noch Zweifel gab, dass Leclerc in Maranello die Nummer eins geworden ist. In weniger als zwei F1-Saisons hat es der 22-jährige Monegasse geschafft, einen viermaligen Weltmeister (2010, 2011, 2012, 2013) auszuschalten, die interne Alchemie bei Ferrari umzukrempeln (...). Seit gestern ist es daher eine Selbstverständlichkeit, dass die Zukunft der Scuderia mit der von Leclerc verbunden ist. (...) In weniger als einem Kalenderjahr wurden die Messen gesungen, der Kaiser begraben und der neue König inthronisiert. Die Machtergreifung war bonapartistisch, schnell, chirurgisch und - fast - reibungslos."

DÄNEMARK

BT: "Die Nachricht, dass Sebastian Vettel Ferrari nach dieser Saison verlässt, kommt nicht überraschend. Als Ferrari im Dezember einen neuen Fünfjahresvertrag mit dem 22-jährigen Charles Leclerc eingegangen ist und gleichzeitig nicht mit dem 32-jährigen Vettel verlängerte, war klar: Leclerc ist der Mann der Zukunft und Vettel wird früher oder später ersetzt. Jetzt wird der Wunsch der Ferrari-Führung erfüllt. Man hatte gehofft, den erfahrenen Deutschen noch ein oder zwei Jahre halten zu können, aber Vettel war zu stolz, um das beschämende Angebot zu akzeptieren, das er neulich bekommen hat: Ein Einjahresvertrag und eine enorme Lohnkürzung sind seiner Meinung nach kein faires Angebot für einen vierfachen Weltmeister."


Ekstra Bladet: "Geld war es nicht, was dazu führte, dass Ferrari und Sebastian Vettel nach dieser Saison jeder seinen Weg gehen werden. Das sagte Vettel in der Pressemitteilung vom Dienstag. Die Mitteilung erzählt jedoch nichts dazu, was die Zukunft für ihn bereithält. Nur eines: Dass er sich nicht damit abfinden will, zum ersten Mal in seiner Karriere die Nummer zwei zu sein."

SCHWEDEN

Aftonbladet: "Sebastian Vettel kam 2015 als vierfacher Weltmeister und nach erfolgreichen Jahren bei Red Bull zu Ferrari. Er träumte davon, das Erbe von Michael Schumacher anzutreten, schaffte es aber nicht, dieselben Erfolge zu erzielen. Seit 2015 hat er 101 Rennen für das Team gefahren, aber nur 14 davon gewonnen. Nach diesem Jahr ist die Zusammenarbeit nun vorbei. Und was Vettel darüber hinaus machen wird, ist unklar."

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