Primera Division: Clasico-Panel: "Die großen Jungs müssen sich zeigen"

Der Clasico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona (So., 20.45 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER ) könnte die Vorentscheidung in der Primera Division bringen. Machen die Königlichen den entscheidenden Schritt oder wird es noch einmal spannend? DAZN-Kommentator Jan Platte, Ex-Profi und Co-Kommentator Jonas Hummels sowie die Redakteure Sebastian Schuch (SPOX) und Oliver Maywurm (Goal) schätzen das Spiel der Spiele ein.

Der Clasico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona (So., 20.45 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER) könnte die Vorentscheidung in der Primera Division bringen. Machen die Königlichen den entscheidenden Schritt oder wird es noch einmal spannend? DAZN-Kommentator Jan Platte, Ex-Profi und Co-Kommentator Jonas Hummels sowie die Redakteure Sebastian Schuch (SPOX) und Oliver Maywurm (Goal) schätzen das Spiel der Spiele ein.

DAZN-Kommentator Jan Platte

von DAZN-Kommentator Jan Platte

Ich freue mich richtig auf das Spiel, weil ich glaube, dass es sehr unterhaltsam wird. Durch all das, was in den letzten Tagen passiert ist, ergibt sich eine beinahe einzigartige Situation. Real bewegt sich nach wie vor den beiden großen Titeln entgegen, während Barca klar hinterher rennt.

Die Königlichen hatten zuletzt durchaus Glück, aber sie gewinnen ihre Spiele. Das ist der große Unterschied zu Barcelona. Barca hat zwar noch das Pokalfinale gegen Alaves, aber das rettet die Saison nicht wirklich. Luis Suarez hat es ganz schön gesagt: "Wir werden noch einmal ALLES dafür geben, die Meisterschaft im Bernabeu nochmals spannend zu machen."

Auf solche Spieler kommt es jetzt an - gerade, da Neymar gesperrt fehlt. Die großen Jungs müssen sich bei Barca jetzt einfach zeigen. Dazu zähle ich eigentlich auch die Mittelfeldreihe, wobei Rakitic und Busquets nahezu schon die ganze Saison im Tief sind und Iniesta durch viele Verletzungen nicht wirklich zu seiner Form findet. Zudem sind die Neuzugänge noch nicht auf dem erhofften Niveau.

Hier liegt für mich der große Vorteil bei Real Madrid. Die Königlichen haben das vielleicht beste Mittelfeld der Welt und sind nahezu perfekt aufeinander eingestellt. Kroos, Modric und Casemiro wissen ganz genau, was der Nebenmann macht und agieren dementsprechend auf dem Feld. Hinzu kommt diese unglaubliche Variabilität, aus nahezu jeder Situation ein Tor erzielen zu können.

Da beide Mannschaften defensiv durchaus ihre Probleme haben, erwarte ich ein torreiches Spiel. Real war gegen Bayern bei Weitem nicht sattelfest und hat sich auch gegen Gijon zwei Gegentore gefangen. Bei Barca verhält sich das ähnlich.

Das eröffnet natürlich den Offensiven, allem voran Cristiano Ronaldo, viele Möglichkeiten. Der Portugiese hat sich vom Schönspieler zum gnadenlosen Abschlussstürmer entwickelt. Er ist zwar nicht mehr so dominant wie in den vergangenen Jahren, aber was er macht, ist der absolute Wahnsinn. Durch den Ausfall von Neymar sehe ich Real auch im Offensiv-Bereich besser besetzt.

Durch die Verletzung von Bale bleibt bei Real ein internes Pulverfass geschlossen. Der Waliser wurde zuletzt sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen, von daher ist das fast schon ein Vorteil. Bei Barca ist das schon anders. Nicht wenige werfen Enrique eine zu frühe Verkündung seines Rücktritts vor und schieben ihm die Schuld für die Lethargie im Kader in die Schuhe.

Alleine aufgrund der Situation, dass Barca nichts mehr zu verlieren hat, erwarte ich, dass die Katalanen diese Lethargie ablegen und Vollgas nach vorne spielen werden. Sie werden noch engagierter sein als zuletzt, auch, um sich bei den Fans für die unglaubliche Unterstützung trotz des Champions-League-Aus zu bedanken. Real wiederum kann die Meisterschaft beinahe schon dingfest machen. Deshalb glaube ich an ein hoch unterhaltsames Spiel mit offenem Visier.

DAZN-Experte Jonas Hummels

von DAZN-Experte und Ex-Profi Jonas Hummels

Eines vorneweg: Für mich ist Real Favorit. Sie haben dieses Jahr einfach die komplettere Mannschaft. Sie können nach Standards treffen, hinten drin stehen oder auch mit dem Ball das Spiel machen. Man spürt aktuell eine unglaubliche Galligkeit und Lust, Spiele und Titel zu gewinnen. Dazu kommt, dass sie mit dem Einzug ins CL-Halbfinale einen weiteren Schub erfahren haben.

Die Ausfälle von Varane und Pepe sind natürlich nicht zu verachten, aber Nacho macht das ganz gut. Mit Casemiro hat Real auch eine gute Absicherung davor und mit Isco steht zudem der perfekte Ersatz für Bale bereit. Ein ganz wichtiger Faktor für mich ist aber auch Zidane. Er artikuliert das super, legt sich nicht mit den Journalisten an und hat einfach diese prägende Aura.

Barcelona nach Juventus: Threepeat oder nix

Den großen Unterschied sehe ich aktuell in der Stimmung. Nehmen wir als Beispiel Marcelo. Der Brasilianer war gegen Bayern die komplette Spielzeit über gut gelaunt. Das kann man so auch auf die Mannschaft übertragen. Die Jungs ziehen einfach an einem Strang.

Bei Barcelona wirkt das schon die komplette Saison anders, als wären sie teilweise genervt. Man muss nur auf den Elfmeter von Messi gegen Leganes schauen. In der 90. Minute schießt er Barca zum Sieg, freut sich nicht, sondern winkt eher ab.

Geht es um die Offensive von Barca, sehe ich die Katalanen mit Neymar leicht im Vorteil. Wie es ohne ihn läuft, wird man sehen. Allerdings sehe ich wie Jan Probleme im Mittelfeld. Im Vergleich fehlt es mir da in dieser Saison ein bisschen an Klasse vergangener Tage.

Auch von Jordi Alba kommt nicht mehr so viel wie in den vergangenen Jahren. Zudem kann sich die Viererkette durch die Verletzungen nicht dauerhaft einspielen. Das sind alles Faktoren, die für Real sprechen.

Ich hoffe einfach, dass es fußballerisch ein besseres Spiel wird. Natürlich war es auch im Hinspiel technisch stark, es wirkte aber über die kompletten 90 Minuten zerfahren. Wir könnten sogar ein eher typisches Barca-Spiel mit mehr Ballbesitz erwarten. Dass Real damit keine Probleme hat, haben die Königlichen nicht zuletzt gegen Bayern gezeigt. Barcelona muss kommen und wird kommen. Mit der Bringschuld im Rücken sehen wir sicher ein anderes Barca als zuletzt in der Liga.

SPOX-Redakteur Sebastian Schuch

von SPOX-Redakteur Sebastian Schuch

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Für Barca geht es darum, die Saison noch zu einem erfolgreichen Ende zu wenden. Nach dem Aus in der Champions League heißt es: Alles oder Nichts. Das klingt vielleicht etwas extrem, aber genauso ist es. Nach einem Viertelfinal-Aus in der Königsklasse ist die Copa für einen Klub wie Barcelona einfach nicht genug.

Es muss also ein Sieg her, sonst drohen, sollte Real das Nachholspiel gewinnen, neun Punkte Rückstand. Das kann selbst ein FC Barcelona in der verbleibenden Zeit nicht mehr aufholen. Das müssen sie meiner Meinung nach aber auch nicht. Ich glaube, dass Barca den Clasico gewinnt - aller schlechten Vorzeichen zum Trotz.

Für mich sind es gerade die Widrigkeiten, die den Ausschlag für Barca geben werden. Gegen Juve war zwar das Bemühen erkennbar, der unbedingte Glaube an ein zweites Wunder aber nicht. Spätestens zur Halbzeit haben sich Messi und Co. mit dem Aus abgefunden und vielleicht schon die ersten Gedanken an Madrid zugelassen. Denn: Warum ein nahezu hoffnungsloses Unterfangen vorantreiben, wenn die Chancen am Wochenende besser stehen?

Dass dabei mit Neymar gerade gegen die Paarung Nacho-Ramos ein immens wichtiger Spieler fehlt, wiegt natürlich schwer - vor allem ohne adäquaten Ersatz im Kader. Aber auch so haben die Katalanen genug Spieler, die der Real-Abwehr Knoten in die Beine spielen können.

Zustimmen muss ich Jan und Jonas auch darin, dass die Duelle im Mittelfeld entscheidend sein werden. Die Form schlägt zwar klar in Richtung Madrid aus, aber für mich kommt Iniesta zu kurz. Schon im Hinspiel hat er dem Spiel in 30 Minuten seinen Stempel aufgedrückt. Warum also nicht diesmal über 90? Iniesta gegen Casemiro kann DAS Schlüsselduell werden.

Kroos und Ramos: Standards von königlicher Qualität

Beim Spielverlauf kann ich meinen Vorrednern ebenfalls nur Recht geben. Mehr Tore, bitte. Das vorhandene Spielermaterial auf beiden Seiten ist ja quasi prädestiniert für ein torreiches Spiel. Dabei setze ich auch auf das fehlende Geplänkel im Vorfeld. Mit Ausnahme von Ramos und Pique wurden quasi keine Giftpfeile verschossen. Die angestaute Anspannung kann sich wegen mir gerne auf dem Rasen im Bernabeu entladen.

Nur eines wünsche ich mir wie im vergangenen Dezember: ein Drama bis zum Schlusspfiff.

Goal-Redakteur Oliver Maywurm

von Goal-Redakteur Oliver Maywurm

Der 21. November 2015 war ein ganz besonderer Tag für Luis Enrique. Sein Team fegte durch das Bernabeu, 4:0 für Barca hieß es am Ende im Clasico. Real Madrid war gedemütigt. Und wie.

Ein Doppelpack von Luis Suarez, Neymar, Andres Iniesta. Obwohl Superstar Lionel Messi nach rund sechswöchiger Verletzungspause nur auf der Bank saß, erst nach knapp einer Stunde, als beim Stand von 3:0 schon alles entschieden war, eingewechselt wurde, hatten die Katalanen dem Erzrivalen ihre Macht demonstriert. Eindrucksvoll.

Dass es Enriques allererster Sieg als Trainer im Bernabeu war - ein Bonus. Barca präsentierte sich seinerzeit in Top-Form, schoss in der Liga alles kurz und klein, sollte wenige Tage später in der Champions League die Roma mit 6:1 zerlegen.

Am Sonntag bestreitet Enrique nun seinen vorerst letzten Clasico. In einer Situation, die für Barca keineswegs so positiv ist wie vor knapp eineinhalb Jahren. Unter der Woche das Aus in der Champions League, gegen Juve hofften die Fans vergeblich auf das Wunder.

Und in der Liga liegt Real, obwohl die Königlichen bisher ein Spiel weniger absolviert haben, drei Punkte voraus. Zu allem Überfluss fehlt mit dem gesperrten Neymar ein Schlüsselspieler - und Real hat das Weiterkommen gegen die Bayern im Rücken.

Doch alles Jammern hilft ja nichts: Ein Sieg im Clasico ist Pflicht für Barca, will man den Meistertitel noch holen. Der Druck? Dementsprechend riesig.

Gerade darin könnte aber die Chance liegen. Dass Barca ein Team ist, dem eine "Jetzt-Erst-Recht-Mentalität" gut zu Gesicht steht, hat der amtierende spanische Meister bei der "Remontada" gegen PSG unter Beweis gestellt.

"Wir haben nicht unseren besten Moment, aber wir können gewinnen", sagte Innenverteidiger Gerard Pique. Ivan Rakitic betonte, dass man auch für Neymar siegen wolle.

Und dann wäre da ja noch der Ansporn, Enrique einen schönen Ausstand zu bescheren. Mit einem Triumph im Bernabeu als möglichem Grundstein für die Meisterschaft in ein paar Wochen. Ob es so rauschend zugeht wie einst im November 2015 oder ob am Ende einfach ein schmutziger Sieg steht, dürfte Enrique herzlich egal sein. Die drei Punkte wird Barca jedenfalls einfahren.

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