Primera Division: Einst fast unterernährt, nun Reals Sieggarant: Valverde sorgt für Furore

Reals Madrids Mediziner rieten einst davon ab, Federico Valverde zu verpflichten. Die Blancos holten ihn trotzdem - und profitieren nun vom jungen Uruguayer.
Reals Madrids Mediziner rieten einst davon ab, Federico Valverde zu verpflichten. Die Blancos holten ihn trotzdem - und profitieren nun vom jungen Uruguayer.

Reals Madrids Mediziner rieten einst davon ab, Federico Valverde zu verpflichten. Die Blancos holten ihn trotzdem - und profitieren nun vom jungen Uruguayer.

Schiedsrichter Jesus Gil Marzano hatte die zweite Halbzeit im Santiago Bernabeu soeben erst freigegeben, da lag der Ball erneut am Mittelkreis. Nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff fiel die Kugel Luka Modric vor die Füße, der rund 17 Meter vor dem gegnerischen Tor die Übersicht behielt und den besser postierten Federico Valverde bediente.

Ein satter Schuss, der über den Rücken von Mikel Oyarzabal seinen Weg in den Kasten von Real Sociedad fand - 2:1 für die Königlichen, zweiter Saisontreffer für Valverde, der am Spieltag zuvor erstmals als Real-Torschütze in Erscheinung getreten war.

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Eine Szene, die sinnbildlich für die Entwicklungen der vergangenen Monate steht. Der junge Uruguayer, der 2016 aus seinem Heimatland nach Madrid wechselte, avanciert mehr und mehr zum wichtigen Faktor im Mittelfeld der Hauptstädter, erhielt zuletzt Lob von allen Seiten. Viele hätten Valverde einen derartigen Durchbruch (noch) nicht zugetraut, insbesondere Reals Mediziner diagnostizierten bei dem mittlerweile 21-Jährigen vor dreieinhalb Jahren offenbar immense körperliche Defizite.

Valverde soll beinahe unterernährt gewesen sein

Einem Bericht der spanischen Marca zufolge rieten die Ärzte den Klub-Verantwortlichen, von einer Verpflichtung abzusehen. Demnach habe man Zweifel gehabt, dass das damalige Talent aus Montevideo physisch für ein Engagement bei einem europäischen Spitzenklub ausreichend gerüstet sei. Valverde sei beinahe unterernährt gewesen, hieß es.

Allen Zweifeln zum Trotz entschloss man sich bei den Blancos dafür, fünf Millionen Euro nach Südamerika zu überweisen. Die reinen fußballerischen Qualitäten hatten die mangelhafte Robustheit übertrumpft.

Der Plan hinter dem Transfer: Valverde zunächst behutsam in der Zweitvertretung und per Leihe zu Deportivo La Coruna aufbauen, damit er sich eines Tages zu einer ernstzunehmenden Alternative im Kader mausert.

Zidane: "Valverde hat eine große Zukunft vor sich"

Dass er sich anschickt, schon in dieser Saison in die Riege der Leistungsträger vorzudringen, scheint seinen Trainer Zinedine Zidane indes nicht zu überraschen. "Fede ist ein junger Spieler, der eine große Zukunft vor sich hat", prophezeite der Weltmeister von 1998 und schob nach: "Es überrascht mich nicht, dass er einen guten Job macht."

Der von Zidane zitierte "gute Job" äußert sich bei Valverde in beachtlichen Zweikampfwerten (durchschnittlich 55 Prozent erfolgreiche Duelle, Anm. d. Red.), einer starken Passquote (87 Prozent) und der jüngsten Torgefährlichkeit.

Valverde gilt als klassischer Zentrumsspieler, der zwischen den Strafräumen agiert. Wahlweise neben Toni Kroos oder Modric als Achter aufgeboten, weiß er als Bindeglied zu gefallen. Kurios dabei: Fast alle Spiele, die Real in der laufenden Spielzeit nicht gewann (bis auf das 0:0 im Derby gegen Atletico, Anm. d. Red.) haben die Gemeinsamkeit, dass Valverde nicht in der Startelf stand. Grund genug für Ex-Spieler und -Funktionär Jorge Valdano, eine quasi Stammplatzgarantie für den Youngster zu fordern.

"Man muss Valverde jetzt mal fünf Spiele am Stück geben, weil er für dieses Real Madrid sehr wichtig werden kann", sagte er im Gespräch mit Onda Cero.

Toni Kroos schwärmt: "Ich liebe diesen Spieler"

Kroos, der kürzlich zweimal hintereinander die Bank drücken musste, outete sich ebenfalls als großer Fan. "Er ist in einer großartigen Form. Fede kämpft, hilft uns eine Menge in der Defensive und verliert keine Bälle", schwärmte der deutsche Nationalspieler Anfang November bei Real Total.

Der gebürtige Greifswalder ergänzte: "Er ist am Ball sehr gut. Ich liebe diesen Spieler. Hierher zu kommen, in seinem Alter so zu spielen, bedeutet, dass er viel Qualität besitzt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er hier eine große Zukunft haben wird."

Kroos Zuneigung für Valverde beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. "Er ist mein Idol", verriet er im Rahmen seiner Ankunft 2016 in Madrid. Doch nicht nur Kroos, auch Casemiro scheint für den 20-maligen Nationalspieler eine wichtige Stütze zu sein. "Er ist Südamerikaner wie ich und gibt mir viele Ratschläge. Er ist wie ein Vater für mich. Ich werde immer dankbar sein", sagte Valverde im Interview mit dem vereinseigenen Sender Real Madrid TV und gestand darüber hinaus, dass er vor wichtigen Spielen mit Nervosität zu kämpfen habe.

"Vor dem Derby gegen Atletico war ich sehr aufgeregt, weil ich wusste, dass ich starten durfte. Casemiro kam zu mir und fragte mich: 'Bist du nervös?' Ich antwortete: 'Nein, auf geht's!' Er sah jedoch meine Hand und sie zitterte."

Federico Valverde statt Pogba, van de Beek oder Eriksen

Auf dem Platz wirkt sich die Anspannung offensichtlich nicht negativ auf Valverde aus. Obwohl er unter den traditionell kritischen Augen der Real-Anhänger mit erheblichem Druck konfrontiert wird.

Die Fans hatten sich im vergangenen Sommer eigentlich einen namhaften, gestandenen Akteur gewünscht. Monatelang geisterte Paul Pogba als möglicher Neuzugang durch die spanischen Gazetten, auch Ajax-Shootingstar Donnie van de Beek und Tottenhams Christian Eriksen wurden lange gehandelt. Am Ende fand bekanntermaßen keiner der Genannten seinen Weg nach Madrid.

Eine Tatsache, die derzeit nicht sonderlich schwerwiegt. Dafür hat Valverde, derjenige, der einst für zu schwächlich befunden wurde, gesorgt. Weil der angeblich Unterernährte mittlerweile "immer hungrig" ist, "wenn es darum geht, weiter zu kämpfen und großartige Erfolge mit dem Team zu feiern." Wie am vergangenen Samstag im heimischen Wohnzimmer gegen Real Sociedad.

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