Das sind die Probleme in der Dortmunder Defensive

Lukas von Hoyer
Sport1

Eins ist nach dem Saisonstart von Borussia Dortmund gewiss: das Problem liegt in der Defensive. Noch immer.

Das weiß auch Trainer Lucien Favre, der sich bei der Pressekonferenz vor dem wichtigen Spiel gegen Bayer Leverkusen zu einer Aussage hinreißen ließ, die er normalerweise vermeidet.


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"Ich habe als Trainer immer das Maximum gewollt", hatte der Schweizer gesagt und sich damit indirekt zu dem Saisonziel bekannt, das sich der BVB gesetzt hat. Denn die Borussia war mit keinen geringeren Ambitionen in die Spielzeit gegangen, als dem Maximum, der Meisterschaft.

Der Start war nach Siegen gegen den FC Augsburg (5:1) und beim 1. FC Köln (3:1) geglückt, nach der 1:3-Pleite bei Aufsteiger Union Berlin hatte sich zuletzt aber Ernüchterung breitgemacht. Das Problem, das die Mannschaft in den ersten Wochen offenbarte ist nicht unbedingt neu. Bei all dem spektakulärem Offensivfußball, zu dem das Team in der Lage ist, fällt die Defensive ab. Das belegen die Zahlen. (Quelle: Opta)

Startschwierigkeiten und Schwächen nach Standards

Das Manko, das als erstes ins Auge fällt: die Dortmunder gerieten in allen drei Ligaspielen mit 0:1 in Rückstand. Zweimal konnte dieser gedreht werden, das dritte Mal war aber dann auch für ein Top-Team zu viel. Zudem kassierte der BVB drei der fünf Gegentore in den ersten 30 Minuten. Ligahöchstwert mit Augsburg und dem SC Paderborn.

Noch beunruhigender dürfte für die Dortmunder sein, dass sich bei Union auch eine altbekannte Schwäche wieder offenbarte.

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Sowohl das 0:1 als auch das 1:3 fielen nach einem Eckball. Im Kalenderjahr 2019 kassierten die Schwarzgelben damit 15 Gegentore nach Standards. Nur der FSV Mainz 05 hat in der Bundesliga mehr Gegentreffer nach einem ruhenden Ball hinnehmen müssen (16).

Immerhin fiel keins der Dortmunder Gegentore nach einem kapitalen Patzer eines Akteurs. In der Rückrunde brachen dem BVB genau diese Fehler im Titelrennen das Genick. Ganze acht Mal hatte ein Spieler vor einem Gegentreffer gepatzt. Ligahöchstwert im Jahr 2019.

Ist Bürki ein Top-Keeper?

Zweimal unterlief auch Torwart Roman Bürki ein kapitaler Fehler, was die Frage aufwirft, ob er einer der besten Torhüter der Liga ist.

In dieser Spielzeit ist er das bislang nicht, wenn man den nackten Zahlen glaubt. Das erste Spiel verpasste der Schweizer noch angeschlagen, in den beiden anderen bekam er acht Schüsse auf den Kasten. Vier davon waren drin. Die Quote von 50 Prozent bedeutet Rang 13 unter den Bundesliga-Keepern. Zum Vergleich: Leipzigs Péter Gulácsi parierte 80 Prozent der Torschüsse.


Hinzu kommt, dass der BVB auffällig viele Treffer aus der Distanz kassiert. Der Fernschuss von Unions Marius Bülter, der wohlgemerkt unhaltbar in Bürkis Tor einschlug, war bereits das achte Distanzschuss-Gegentor des BVB im Jahr 2019. Auch hier gilt: Höchstwert aller Bundesligateams.

Wer soll neben Hummels spielen?

Dass eine verbesserte Defensive das fehlende Puzzleteil zur Meisterschaft ist, das war den Verantwortlichen in Dortmund vor dieser Spielzeit klar. Deswegen holten Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Mats Hummels zurück, der mit seiner Erfahrung die Abwehrreihe stabilisieren soll.

Die Frage ist, welcher Spieler die Position neben dem Rückkehrer einnehmen soll. Favre entschied sich in den ersten drei Spieltagen für Manuel Akanji, der leistungstechnisch aber nicht mit seinem Teamkollegen mithalten konnte.

Akanji gewann 57 Prozent seiner Zweikämpfe (Hummels: 64 Prozent) und gewann nur 46 Prozent seiner Luftduelle (Hummels: 70 Prozent). Schon in der vergangenen Spielzeit (Zweikampfquote: 58 Prozent) war der 24-jährige Schweizer hinter dem nach Paris abgewanderten Abdou Diallo (59 Prozent) und Dan-Axel Zagadou (67 Prozent) nur drittbester BVB-Verteidiger.

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Akanjis Stammplatz ist also nicht unumstritten, Favre wird das ähnlich sehen. Am Samstag wird dem 61-Jährigen eine Entscheidung für oder gegen seinen Landsmann womöglich abgenommen. (Das Spiel ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Nach seinem Bänder-Teilriss ist der Innenverteidiger zwar schon wieder im Lauftraining, ein Einsatz ist jedoch fraglich.

Es wird spannend zu sehen sein, ob Favre ihn bei einem Ausfall durch Zagadou oder Julian Weigl ersetzt, der diese Rolle in der Rückrunde der letzten Saison häufig übernahm.

Mit welchem Personal auch immer: hält die Defensive in Leverkusen nicht, dann würde die Stimmung bei der Borussia noch bedrückter werden.

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