Protest-Ikone lobt Sancho und Co.

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Der Olympiasieger Tommie Smith hat die Profis der Bundesliga für ihre Solidaritätsbekundungen nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd gelobt. 

Der 76-Jährige hatte die Black-Power-Geste von 1968 zum Symbol des Protests im Sport gegen Rassismus gemacht. "Es freut mich sehr, das zu hören", sagte Smith in der Bild am Sonntag zu den Protest-Aktionen aus der Vorwoche von Borussia Dortmunds  Jadon Sancho und Achraf Hakimi sowie Marcus Thuram (Borussia Mönchengladbach).

"Sie haben offenbar verstanden, dass George Floyd auch sie repräsentiert. Er repräsentiert ein System, das Hilfe benötigt", erklärte Smith, im Oktober 1968 bei der Siegerehrung nach dem 200-Meter-Rennen der Olympischen Spiele in Mexiko zusammen mit seinem drittplatzierten Landsmann John Carlos die Faust in den Himmel gehoben hatte. 

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"Ein globales System der Liebe und der Solidarität, das auch von politischen Führern bedroht wird. Es braucht viele Menschen, um dieses System zu schützen und zu stärken. Und um jene zu stürzen, die es vergiften wollen", sagte der Mann, der mit seiner Geste einst eines der wichtisten Symbole der Sportgeschichte geschafften hatte. 

Auch Asamoah freut sich über Anti-Rassismus-Aktionen

An diesem Wochenende war es auf den Plätzen der Bundesliga erneut zu Solidaritätsbekundungen gekommen, unter anderem in Dortmund und Leverkusen.

Auch ehemalige Nationalspieler Gerald Asamoah (41) begrüßte die Anti-Rassismus-Aktionen. 

Als erster Spieler hatte der Schalker Weston McKennie vor Wochenfrist mit seinem Armband "Justice for George" ein Zeichen gesetzt. "Ich habe die Aktion sehr, sehr gut gefunden. Die Jungs haben Position bezogen und das ist das Wichtigste, was man machen kann", betonte Asamoah im Sportgespräch des Deutschlandfunks


Dass das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf eine Bestrafung verzichtete, war für Asamoah eine Selbstverständlichkeit: "Dann wäre die ganze Kampagne, was der DFB macht und tut, für die Katz gewesen. Wenn der DFB das so durchgezogen hätte, dann hätte der DFB sehr, sehr, sehr viel verloren." 

Bei der WM bejubelt, danach beleidigt

Auch Bayern München hatte am Samstag mit einer konzertierten Aktion in der Bundesliga und beim Basketball-Endturnier in München klar Stellung bezogen.

Asamoah setzt sich als Vereinsbotschafter von Schalke 04 seit Jahren aktiv gegen Rassismus ein, musste und muss aber noch heute selbst mit Rassismus und Diskriminierung umgehen. "2006, bei der WM in Deutschland, dem Sommermärchen, war ich Teil dieser Mannschaft. Die Leute haben mit zugejubelt. Nach der WM hast Du ein Spiel in Rostock und wirst angefeindet. Das war bitter", so der Ex-Hannoveraner. 

Er selbst könne diesen Schmerz nicht beschreiben, sagte Asamoah. "Wenn eine Frau ein Kind bekommt, wird der Mann nie wissen, wie schmerzhaft das ist. Das heißt, wer Rassismus nicht selber an seinem eigenen Körper erlebt hat, der wird niemals wirklich nachvollziehen können, was es bedeutet. Es ist ein Schmerz, den man in sich trägt und nicht verdrängen kann", äußerte Asamoah.

mit Sportinformationsdienst (SID)

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