Als Punker faule Eier auf den HSV warfen

Ben Redelings
·Lesedauer: 4 Min.

Was für eine herrlich-verrückte Bundesligasaison!

In der Spielzeit 1981/82 ereigneten sich reihenweise kuriose Dinge und unglaubliche Geschichten.

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Oder wie soll man das überraschende wie äußerst wunderliche Geständnis des Werder-Profis Uwe Reinders, ein Mann des lockeren Lebenswandels, sonst bezeichnen: "Bis zu meinem 20. Lebensjahr habe ich keinen Tropfen Alkohol angerührt. Dann musste ich wegen Schlafstörungen zum Arzt. Der stellte fest, dass ich wegen der großen Mengen Cola, die ich in mich hineinschüttete, nachts immer aufwachte. Der Arzt empfahl mir Bier als Schlafmittel."

Einen solchen Doktor hätten wohl viele gerne.

HSV feiert Party voller Pannen

Bier gibt es Hamburg auch, aber aus einem anderen Grund - es wird tüchtig gefeiert. Der HSV ist endlich wieder Meister geworden.

Doch bei der anschließenden Party geht eine Menge daneben. Zuerst erweist sich der englische Doppeldeckerbus als altersschwach und will nicht anspringen. Als er dann endlich fährt, wirft ihn gleich die erste Anhöhe aus der Bahn. Hilft ja alles nichts: also, alle HSV-Profis raus, das Gefährt anschieben.

Doch nach wenigen Metern ist klar, hier geht nichts mehr. Ein Traktor tuckert zu Hilfe und zieht den Bus durch die Straßen. Ernst Happel gewohnt argumentativ trocken: "Hätten wir während der Saison auch immer solche Schwierigkeiten gehabt, wieder übern Berg zu kommen, wären wir jetzt nie Meister!"

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Und als dann auch noch die Ampeln plötzlich zu tief hängen und ein besorgter Polizist die Profis warnt, meint Horst Hrubesch nur: "Keine Angst, die köpf ich alle weg!"

Da stört es am Ende fast schon nicht mehr, dass einige Jacketts nach einem Bewurf von Punkern mit faulen Eiern geopfert werden müssen. Eins der Eier bekommt Hrubesch auch noch direkt vor die Stirn. Seine Mannschaftskollegen grinsen: "Mensch, Horst, jetzt ist aber auch mal gut. Du musst doch nicht alles mit dem Kopf nehmen."

Hrubesch entscheidet Kampf um die Meisterschaft

Mit Trainer Ernst Happel hat der HSV einen Volltreffer gelandet. Felix Magath ist schon nach der ersten Trainingseinheit vollkommen begeistert vom neuen Coach: "Es war plötzlich wie damals auf der Straße. Da liefen wir auch hinter dem Ball her, um uns auszutollen"

Die Entscheidung fällt am 29. Spieltag. Nach einem 3:1-Rückstand gewinnt der HSV beim zweitplatzierten Titelverteidiger Bayern München durch ein Tor von Horst Hrubesch in der 90. Minute noch mit 4:3.

Der grandiose Schlussspurt ist das vorgezogene Meisterstück der Hamburger. Jimmy Hartwig erinnert sich, wie die Mannschaft das großartige Gefühl des Triumphs erlebt: "In der Woche nach dem Spiel sind wir mit so breiter Brust durch die Straßen gelaufen, dass Fußgänger vor Angst die Straßenseite gewechselt haben."

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Rehhagel erhält nach Foul Morddrohung

Legendär ist diese Spielzeit auch wegen eines schrecklichen Bildes, das am 14. August um die Welt geht. Ewald Lienen liegt am Boden und schaut völlig fassungslos auf seinen aufgeschlitzten Oberschenkel. "Du bist daran schuld, du kriegst von mir eine Anzeige!", schreit Lienen noch von der Trage Rehhagel zu.

Der Werder-Trainer, so der Bielefelder, soll seinen Spieler Norbert Siegmann dazu aufgefordert haben, "härter drauf zu gehen".

Beim Rückspiel auf der Alm wird Rehhagel mit einer kugelsicheren Weste ausgestattet und von Bodyguards aufs Feld begleitet: "So wahr ich lebe, wenn ich den Siegmann im Stadion erwische, schlage ich ihn tot", hatte zuvor ein Mann auf der Bielefelder Geschäftsstelle gesagt und ein anderer bei der Zeitung Neue Westfälische in der Lokalredaktion angerufen und in den Hörer geschrien: "Um 16 Uhr wird Rehhagel erschossen!"

Günther sieht nur gelb für Horror-Foul

Wenige Wochen später wird die Lienen-Geschichte vom Fall Hasse Borg sogar noch übertroffen. Karlsruhes Emanuel Günther springt mit beiden vorgestreckten Beinen in einem hohen Bogen in seinen Braunschweiger Gegenspieler hinein und bricht dem Schweden dabei das Schienbein.

Das Schiedsrichtergespann aus der Schweiz (!) ist mit der Situation völlig überfordert und pfeift nur Freistoß für Braunschweig. Eine Tatsachenentscheidung, die für blankes Entsetzen und für noch viel mehr Unverständnis sorgt. Eintracht-Coach Uli Maslo: "Selbst wenn der Schiedsrichter nichts gesehen hat, muss er doch das Krachen gehört haben und Günther rausstellen!"

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Und dann auch noch das: Am 11. Spieltag fällt in Bochum eines der seltsamsten Tore der Bundesliga-Geschichte. Bochums Keeper Ralf Zumdick trifft bei seinem Abstoß genau den Kopf von Stuttgarts Didier Six – und von dort springt der Ball zum 3:3-Endstand ins Netz des VfL. Zumdick mit dem Nerven am Ende: "Ich wollte nur noch nach Hause!" Verständlich.

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktuelles Werk "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".