Was hat Jansen mit dem HSV vor?

Daniel Jovanov
·Lesedauer: 3 Min.

Man stelle sich einmal folgendes Szenario vor: Der Hamburger SV ist gerade dabei, im dritten Anlauf endlich wieder in die Bundesliga aufzusteigen, vergeigt es am Ende aber doch wieder, weil sich die komplette Führungsetage in den Haaren liegt.

Einige dürften sich an dieser Stelle fragen: Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Kriegt Simon Terodde vor dem Tor kalte Füße und trifft nicht mehr, wenn sich das Präsidium der Amateurabteilungen wie Basketball, Bowling oder Skat nicht einig werden kann, welche Kandidaten für den Aufsichtsrat der Profifußballer geeignet sind?

Andere werden sagen, dass es sehr wohl einen Zusammenhang geben kann. Zwar keinen unmittelbaren. Aber "Unruhe" im Klub macht auch vor der Kabine keinen Halt.

Streit des Präsidiums kann für Profis kein Alibi sein

Und wenn selbst Legende Horst Hrubesch zum Streit zwischen Präsident Marcell Jansen und seinen Vizes Thomas Schulz und Moritz Schaefer meint, er könne "nur hoffen, dass wir die aktuelle Ruhe im Verein beibehalten und dass wir uns weiter kontinuierlich entwickeln können", wer mag da widersprechen?

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Zum Glück für die Fußballer kann der monatelange Streit des Präsidiums im Aufstiegsrennen kein Thema und im Nachhinein auch kein Alibi mehr sein. Jansen, Schulz und Schaefer sind geschlossen und mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurückgetreten, weil sie sich nicht über die zukünftige Ausrichtung einig werden konnten.

Diese Entscheidung war ein Kompromiss im Sinne des Vereins. Denn die vielen Gremien im Klub, darunter der Ehrenrat, Beirat und Seniorenrat, haben eine außerordentliche Mitgliederversammlung gefordert, damit Schulz, den man als Störenfried ausgemacht hatte, weil er mehrere Aufsichtsräte austauschen wollte, abgewählt werden kann.

Eine irre Forderung: Denn klar war schon vorher, dass diese Veranstaltung im absoluten Chaos geendet und zahlreiche Klagen nach sich gezogen hätte.

Präsidentschaftskampf geht in die nächste Runde

Wie wollte man eine rechtssichere, störungsfreie und nicht manipulierbare digitale Abstimmung auf die Beine stellen, bei der sich dreißig-, vierzig oder fünfzigtausend Mitglieder gleichzeitig einwählen können? Haben diejenigen, die das forderten, jemals Tickets im Onlineshop bestellt?

Der Rücktritt des Trios hat vorerst nur für eines gesorgt: ein paar Monate Ruhe. Denn der Kampf um das noch immer mächtigste Amt in der gesamten HSV-Struktur geht spätestens nach der Saison in die nächste Runde. Klar scheint schon jetzt, dass sich Jansen erneut zur Wahl stellen wird.

Was nicht klar ist: Wofür steht Jansen eigentlich? Was hat er mit dem HSV vor? Und wieso benennt er für den Aufsichtsrat ausgerechnet Kandidaten, denen eine zu große Nähe zum umstrittenen Investor Klaus-Michael Kühne nachgesagt wird?

Die zahlreichen Ultras des Klubs sehen den Einfluss des Milliardärs extrem kritisch. Er ist der Grund, warum sich in den letzten Jahren eine immer größer werdende Opposition gebildet hat. Dieser Opposition wird sich Jansen im Sommer auf der nächsten Mitgliederversammlung stellen müssen.

Und spätestens bei der Frage nach noch größerem Einfluss durch Investoren als ohnehin schon wird es mit den Ultras keine Kompromisse geben.