Ralf Schumacher: Claire und Frank Williams sollten zurücktreten

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Ralf Schumacher ist zwischen 1999 und 2004 für Williams Formel 1 gefahren und hat alle sechs Siege seiner Grand-Prix-Karriere für das britische Traditionsteam geholt. Gut 15 Jahre später spart er nicht mit Kritik an der Williams-Familie, die seiner Meinung nach für den sportlichen und wirtschaftlichen Abstieg des einstigen Erfolgsrennstalls mehrheitlich selbst verantwortlich ist.

"Weder Frank war in der Lage, das Team in einem modernen Sinne weiterzuführen, noch seine Tochter. Da liegt beim Führungsstil vieles im Argen", analysiert der 44-Jährige in einem Interview mit 'Sky'. Seiner Meinung nach hätten beide schon vor Jahren den Weg freimachen und junges Personal ins Management befördern müssen: "Aus meiner Sicht hat Williams den Absprung vor langem verpasst."

"Ich habe das selber miterlebt", berichtet Schumacher. "Die Zeiten haben sich verändert, die Leute sind anders geworden." Ein Management "von oben herab und mit viel Druck, das war ja Franks System zu arbeiten", sei nicht mehr zeitgemäß. "Das sind viele junge, studierte Leute mittlerweile, die nur kurz in der Formel 1 sind. Die lassen einfach nicht so mit sich umgehen."

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Schumacher: "Große Chance", wenn neues Personal kommt

Die geplante strategische Neuausrichtung des Teams bewertet er als "große Chance, wenn Frank und Claire sich zu 100 Prozent zurückziehen und ein guter Investor kommt. Denn das Team ist toll. Wenn ich das Geld und die Partner hätte, ich würd's sofort machen! Die Voraussetzungen, die Williams hat, sind perfekt. Es muss nur mal ausgestaubt werden."

"Frisches Kapital", meint Schumacher, sei einerseits "ganz wichtig", aber bei weitem nicht alles. Er plädiert für einen Neuanfang mit neuem Führungspersonal. Dass sich Williams Hilfe auf dem Finanzmarkt sucht, passiere schließlich nicht zum ersten Mal. Toto Wolff hat bereits in Williams investiert, später der US-Unternehmer Brad Hollinger, zuletzt Michael Latifi.

Latifi, dessen Sohn Nicholas für Williams Formel 1 fährt, ist eigentlich Shareholder bei McLaren. Im April wurde jedoch bekannt, dass er Williams Geld geliehen hat. Insgesamt flossen bei der Transaktion 45 Millionen US-Dollar ins Team. Wie viel davon Latifi Williams geliehen hat und wie viel die HSBC-Bank, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.

Latifi, Stroll, Masepin & Co.: Fluch oder Segen?

Als Sicherheit für das Darlehen wurden dem Geschäftsmann die historischen Williams-Boliden angeboten. Sollte das Team nicht dazu in der Lage sein, das Geld zurückzuzahlen, würden die über 100 Fahrzeuge den Besitzer wechseln. Es wäre der Ausverkauf einer der spektakulärsten Rennwagen-Sammlungen aller Zeiten an eine Privatperson.

Neben Latifi ortet Schumacher noch einen, der Williams vielleicht helfen könnte: Dmitri Masepin stehe "in den Startlöchern", glaubt er, und sei "nochmal deutlich vermögender ist als alle beiden zusammen. Der ist auch gerade auf der Suche nach einem Team und hat auch bis jetzt alle Teams gekauft für seinen Sohn, von der Formel 3 an aufwärts."

Das Auftreten der "Milliardärs-Papas" wie Lawrence Stroll kritisieren viele Formel-1-Puristen. Schumacher nicht: "Ich kann's nicht kritisieren. Ich bin froh, dass es solche Menschen gibt, die unseren Sport schätzen und lieben und bereit sind, so viel Geld zu investieren, und sei's für ihre Kinder", sagt er im Interview mit 'Sky'.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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