Rassismus-Eklat bei Bayern: Campus-Leiter erklärt Hintergründe

SPORT1
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Nach dem Rassismus-Skandal in seiner Nachwuchsabteilung hat der FC Bayern tiefgreifende Veränderungen vorgenommen.

Nun sprach mit Jochen Sauer der Leiter des Bayern-Campus über die Vorfälle und ihre Konsequenzen. Er berichtete von ernsten Gesprächen, neuen Strukturen und erklärt, warum das Problem so lange unentdeckt blieb.

"Es war für alle ein Schock! Wir hatten keine Ahnung, dass es - in einem Teilbereich unseres Campus - zu rassistischen Äußerungen gekommen war", sagte der 48-Jährige im Interview mit tz und Münchner Merkur. "Für uns war gleich klar, dass wir diese Vorwürfe sofort untersuchen und aufklären müssen."

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Auf die Frage, ob der FCB ein Rassismus-Problem habe, sagte Sauer: "Wenn Sie die Frage so stellen: nein. Der FC Bayern hat bei drei Mitarbeitern der U9- bis U15-Mannschaften arbeitsrechtliche Pflichtverletzungen ermittelt."

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Bayern-Campus-Chef: "Rassistische Äußerungen gab es"

Im August hatte der WDR Chatverläufe von Campus-Mitarbeitern veröffentlicht, denen zu entnehmen war, dass ein altgedienter Jugendtrainer mit rassistischen Beleidigungen auffällig geworden war.

"Die rassistischen Äußerungen in der Chatgruppe gab es, keine Frage. Und sie haben uns weh getan, denn es wurde auch gegen die Werte und die Haltung des FC Bayern verstoßen", sagte Sauer, der seit 2017 beim FC Bayern tätig ist.

Vorwürfe, nach denen der mittlerweile entlassene Trainer auch sadistische Trainingsmethoden angewandt und seine Spieler gemobbt habe, dementierte Sauer allerdings. "Man muss ganz klar festhalten, dass sich diese Vorwürfe nach den Untersuchungen nicht bestätigt haben, mehr noch: Sie haben sich als falsch erwiesen", sagte der ehemalige Geschäftsführer von RB Salzburg.

Warum wurde der Rassismus-Eklat nicht früher bemerkt?

Die internen Ermittlungen hatte im Nachwuchsleistungszentrum der Justitiar des Vereins übernommen.

Sauer erklärte, warum die Bayern nicht früher auf den Trainer und seine rassistischen Ausfälle aufmerksam wurden: "Weil die Chatgruppe wie ein verschlossener Raum funktioniert hat. Alles ist zwischen den Mitgliedern hinter digital verschlossenen Türen ausgetauscht worden. Es ist bis August 2020 nie etwas nach außen gedrungen."

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Letztlich habe man Chatverläufe über einen Zeitraum von über 30 Monaten untersucht: "Außerdem mussten im Laufe der Untersuchungen sehr viele Gespräche geführt werden." Unter anderem mit Mitgliedern des Chats.

"Warum ist keiner aus der Gruppe zu einem direkten Vorgesetzten oder zur Campus-Leitung gegangen? Wir haben mit allen, die passiv geblieben sind, ernste Gespräche geführt, sehr ernste Gespräche. Von meiner Seite gibt es die klare Erwartungshaltung, dass das in Zukunft in Einklang mit unseren Werten anders gehandhabt wird. Eine Unterlassung in so einem Kontext sollte nicht wieder vorkommen."

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FC Bayern hat Konsequenzen

Man wolle in Zukunft "Entscheidungskraft auf mehrere Schultern" verteilen und auch die ausbildenden Trainer besser schulen.

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Sportlich gelte es den entlassenen Trainer zu ersetzen: "Ganz so einfach, wie es klingt, liegen die Dinge im Leben ja fast nie. Wir hatten hier auf der einen Seite die arbeitsrechtliche Pflichtverletzung zu bewerten und Konsequenzen zu ziehen." Aber: "Auf der anderen Seite ging es etwa um einen Jugendtrainer, der länger als 15 Jahre im Verein tätig war, der erfolgreich war und der auch bei vielen Eltern und Spielern beliebt war. Das ist nämlich auch ein Ergebnis von Befragungen. Und dieser Trainer war außerordentlich qualifiziert."

Sauer betonte aber vor allem: "Der Verein hat konsequent und richtig gehandelt."

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