Rassismus: F1 distanziert sich nach kontroverser Aussage von Ecclestone

Ruben Zimmermann
motorsport.com

Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist für seine teils kontroversen Aussagen bekannt. So äußerte sich der mittlerweile 89-Jährige in der Vergangenheit beispielsweise wohlwollend über die Führungsqualitäten von Adolf Hitler. Auch im Zuge der aktuellen Rassismus-Debatte hat Ecclestone 'CNN' nun wieder ein Interview gegeben, das - positiv formuliert - für Aufsehen sorgt.

Zunächst äußert sich der ehemalige Formel-1-Boss darin positiv über Lewis Hamilton und dessen Kampf für mehr Diversität im Sport. "Zunächst einmal ist er ein sehr, sehr, sehr talentierter Fahrer, und es sieht so aus, dass er jetzt auch extrem talentiert darin ist, sich zu erheben und Reden zu halten", so Ecclestone, der Hamiltons Einsatz sogar als "wunderbar" bezeichnet.

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Hamilton mache einen "großartigen Job", und die Leuten hörten ihm zu. Doch Ecclestone wäre nicht Ecclestone, wenn er es nicht schaffen würde, dem Interview mit einigen Sätzen doch wieder einen kontroversen Dreh zu geben. "Ich denke nicht, dass es der Formel 1 etwas schadet oder nützt", sagt der 89-Jährige, der zudem ergänzt: "In vielen Fällen sind Schwarze rassistischer als Weiße."

Aussagen haben "keinen Platz in der Gesellschaft

Später sagt Ecclestone noch, dass es nicht leicht sei, rassistisches Denken aus den Köpfen der Menschen zu bekommen. "Ich denke, das muss man ihnen schon in der Schule beibringen." Er findet es daher unnötig, dass zuletzt an vielen Orten Statuen historischer Persönlichkeiten gestürzt wurden. Dieses Vorgehen, das Hamilton unterstützt, sei "komplett dumm".

"Sie hätten [die Statuen] dort lassen sollen. Zeigt sie den Kindern in der Schule und erklärt, warum sie dort sind, was die Leute gemacht haben und wie falsch es war", so Ecclestone, der in den sozialen Medien für das Interview anschließend teilweise scharf kritisiert wurde. Die Formel 1 sah sich deswegen sogar gezwungen, sich in einem offiziellen Statement von ihrem langjährigen Boss zu distanzieren.

Dort heißt es wörtlich: "In einer Zeit, in der Einigkeit nötig ist, um gegen Rassismus und Ungleichheit zu kämpfen, stimmen wir den Aussagen von Bernie Ecclestone, die keinen Platz in der Formel 1 oder der Gesellschaft haben, überhaupt nicht zu." In diesem Zusammenhang verrät man auch, dass Ecclestones Status als Ehrenvorsitzender der Formel 1 bereits im Januar 2020 abgelaufen sei.

Bekommt Ecclestone jetzt Hausverbot?

Das hatte die Königsklasse bislang so nicht öffentlich kommuniziert. Man betont: "Herr Ecclestone hat in der Formel 1 keine Rolle mehr gespielt, seit er unsere Organisation 2017 verlassen hat." Die Beziehung zwischen Ecclestone und Liberty Media war bereits zuvor angespannt. Ecclestones jüngste Aussagen scheinen das Fass für die US-Amerikaner nun zum Überlaufen gebracht zu haben.

Die 'Daily Mail' berichtet in diesem Zusammenhang sogar darüber, dass Ecclestone in Zukunft der Zutritt zu Formel-1-Rennen verwehrt werden könnte. In dem Bericht heißt es, dass Liberty Ecclestone den Status als Ehrenvorsitzender entzogen hätte, wenn dieser nicht sowieso bereits ausgelaufen gewesen wäre. Aus PR-Sicht ist der Schritt der Formel 1 übrigens nachvollziehbar.

Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass Formel-1-Boss Chase Carey eine Million US-Dollar aus eigener Tasche gespendet hat, um eine Stiftung in Gang zu bringen, die Leuten aus unterrepräsentierten Gruppen dabei helfen soll, eine Karriere im Sport zu verfolgen. Auch deshalb wird das Thema Rassismus in der Formel 1 aktuell mit allergrößter Vorsicht behandelt.

Mit Bildmaterial von LAT.

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