Rast verpasst Attacke gegen Müller wegen Anzeige: "War so schockiert!"

Markus Lüttgens
·Lesedauer: 4 Min.

"Das war kein gutes Rennen. Da sind einige Dinge schiefgelaufen", lautet das Fazit von Rene Rast nach dem Samstagsrennen der DTM beim Saisonfinale 2020 auf dem Hockenheimring. Eine auf den ersten Blick überraschende Einschätzung, hat Rast nach Rang zwei hinter seinem Titelrivalen Nico Müller doch am Sonntag weiter beste Chancen auf seinen dritten DTM-Titel.

Was war also aus Sicht von Rast schiefgelaufen? Der Rosberg-Pilot meint damit nicht in erster Linie den nicht ganz optimalen Boxenstopp seiner Mannschaft, durch den er kurzzeitig von Platz eins auf vier zurückgefallen war. Vielmehr spricht Rast das Rennende an und ist überzeugt: "Ich hätte gewinnen können, wenn ich gewusst hätte, dass die letzte Runde bereits lief."

Ergebnisse Hockenheim

Doch das wusste Rast nicht. Was zum einen an der Tatsache lag, dass die Renndistanz nach der Safety-Car-Phase zu Beginn auf eine Distanz von 55 Minuten plus drei Runden verlängert wurde. Das warf die Berechnungen der Teams vor dem Rennen über den Haufen. "Der entscheidende Faktor in diesem Rennen war, dass wir nicht wussten, wie lange es noch geht nach dem Safety-Car", sagt Rennsieger Müller.

"Ein Witz!" - Rast von Zielflagge völlig überrascht

Müller hatte Rast in der vorletzten Rennrunde überholt, doch dieser hätte im letzten Umlauf mit DRS und Push-to-pass auf der Parabolica noch einmal kontern können. Doch dieser Konter blieb aus, weil Rast dachte, es wäre erst die vorletzte Rennrunde.

Rene Rast verpasste in der letzten Runde einen Angriff auf Nico Müller

Rene Rast verpasste in der letzten Runde einen Angriff auf Nico Müller<span class="copyright">Audi</span>
Rene Rast verpasste in der letzten Runde einen Angriff auf Nico MüllerAudi

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"Ich habe nur auf den Bildschirm über der Start-Ziel-Geraden geachtet. Der zählte runter von 4, 3, 2. Ich sah also, dass noch zwei Runden zu fahren waren und dachte: Okay, ich werde Nico in dieser Runde noch nicht attackieren, ich mach es in der nächsten Runde. Ich habe also Nico absichtlich nicht überholt, weil ich in der letzten Runde DRS und Push-to-pass haben wollte", sagt Rast.

Doch zu diesem Angriff kam es nicht mehr, denn bei der nächsten Überfahrt der Ziellinie wurde das Rennen sehr zur Überraschung von Rast abgewunken. "Ich war so schockiert, als ich über Start-Ziel fuhr und das Rennen vorbei war", so Rast, der seiner Überraschung darüber auch während der Auslaufrunde am Boxenfunk Luft machte: "Das ist doch ein Witz! In der Runde davor wurden noch zwei Runden angezeigt."

Keine Fehlfunktion der Anzeige

Lag also eine Fehlfunktion der Anzeige vor? Das wollte Rast nach dem Rennen von der Rennleitung wissen und bekam dort laut eigener Aussage folgende Erklärung geliefert. "Sie haben gesagt, es sei ein Automatismus: Wenn Nico über die Ziellinie fährt, geht es von 2 auf 1. Aber da bin ich auch schon über die Ziellinie."

Aufgrund des geringen Abstand bekam Rast das Umschalten der Anzeige nicht mit, verließ sich jedoch alleine darauf und hinkte der wahren Renndistanz daher um eine Runde hinterher. "Ich habe nicht auf das 'Letze Runde'-Schild gewartet, weil für mich der Bildschirm ein Anhaltspunkt war. Damit haben wir heute sicherlich den Sieg verloren."

Damit ging, ohne dass er selbst etwas hätte dazu beisteuern können, ein Kalkül von Rennsieger Müller auf. "Ich habe geahnt, dass er es mit der Anzahl der Runden vielleicht nicht nicht richtig hinbekommen würde", sagt der Schweizer. "Das war ja nicht eindeutig. Deshalb habe ich auf Verwirrung gehofft."

Nico Müller: Hatte auf Verwirrung gehofft

Im Gegensatz zu Rast verließ sich Müller nicht nur auf die Rundenanzeige an Start und Ziel, deren genaue Funktionsweise ihm wie Rast bis heute nicht bekannt war. "Ich nicht einmal gewusst, dass die Runde bei der Anzeige erst abgezogen wird, nachdem der Führende bei Start-Ziel vorbeigefahren ist", sagt Müller. "Ich habe nur auf die Tafel geschaut, auf der letzte Runde steht. Die habe ich gesehen."

Trotz des Fehlers hat Rast weiterhin beste Chancen auf DTM-Titel Nummer drei. Bei 13 Punkten Vorsprung auf Müller würde ihm ein zweiter Platz im Sonntagsrennen in jeden Fall zur erfolgreichen Titelverteidigung reichen. Und so fällt sein Fazit trotz allem Ärgers unter dem Strich versöhnlich aus.

"Das Rennen lief aus verschiedenen Gründen in unsere Richtung. Aber wir sind noch vorne, was die Punkte angeht"., so Rast. "Wenn mir jemand vor Zolder gesagt hätte, 'du wirst vor dem letzten Rennen der Saison 13 Punkte vorn liegen', hätte ich das unterschrieben. Wir können also noch zufrieden sein, auch wenn wir heute den Sieg nicht geschafft haben."

Mit Bildmaterial von ITR.