RB16 zu nervös: Hat sich Red Bull vertan?

Norman Fischer
·Lesedauer: 3 Min.

Bei den Wintertestfahrten in Barcelona herrschte bei Red Bull noch echter Optimismus. Man wollte Max Verstappen zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten machen, doch nach drei Rennen muss man einsehen, dass dieses Unterfangen schwierig werden dürfte. 30 Punkte Rückstand hat der Niederländer bereits auf Spitzenreiter Lewis Hamilton.

Der Ausfall auf Platz zwei liegend beim Auftakt in Spielberg hat wehgetan, doch ebenfalls schmerzhaft war die Erkenntnis, dass man selbst in Ungarn meilenweit weg von Mercedes liegt. Auch wenn Verstappen am Ende einen starken zweiten Platz holen konnte, lagen Performance und Anspruch weit entfernt.

Vor allem Alexander Albon scheint mit dem schwierig zu fahrenden RB16 seine Probleme zu haben. Das Auto scheint ein Ritt auf der Rasierklinge zu sein, wie einige Dreher zeigen. Bei den Testfahrten hat man das noch damit abgetan, dass die Fahrer die Grenzen des Fahrzeugs ausloten, doch die Nervosität hat sich auch an den drei Rennwochenenden gezeigt.

Zudem war das Auto in Budapest langsamer als sein Vorgänger. Hat sich Red Bull beim Konzept des RB16 vertan? In der Fotostrecke schauen wir uns die Veränderungen an.

Vergleich Aufhängung RB16 & RB15

Vergleich Aufhängung RB16 & RB15<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
Vergleich Aufhängung RB16 & RB15Giorgio Piola

Giorgio Piola

Die Aufhängung des RB16 hat sich enorm verändert: Die Lenkstangen sind deutlich weiter im Bulkhead verschwunden. Das sollte das Verhalten beim Lenken verbessern, doch das Auto ist eher bockiger geworden - vor allem bei weniger Benzin.

Unterboden RB16

Unterboden RB16<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
Unterboden RB16Giorgio Piola

Giorgio Piola

Ein neuer Unterboden mit einer Reihe Finnen kam beim Test in Silverstone zum Vorschein. Das hat die Performance des Autos sicherlich verbessert. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch die versteckten Probleme verstärkt haben könnte.

Frontflügel RB16 in Österreich

Frontflügel RB16 in Österreich<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
Frontflügel RB16 in ÖsterreichGiorgio Piola

Giorgio Piola

Max Verstappen durfte in Spielberg mit einer neuen Nase fahren. Diese sollte wie der Unterboden die Performance dessen und des Diffusors verbessern und für mehr Abtrieb sorgen. Damit könnte man auch mit einer flacheren Flügeleinstellung fahren. In Spielberg 2 wechselte man jedoch bei beiden Fahrern auf die alte Variante.

Vergleich Heckflügel RB16

Vergleich Heckflügel RB16<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
Vergleich Heckflügel RB16Giorgio Piola

Giorgio Piola

Den neuen Unterboden bekam Verstappen im zweiten Spielberg-Rennen, doch beide Fahrer durften einen neuen Heckflügel nutzen, der viele andere Konzepte zusammenbringt. Zahlreiche Schlitze, Gitter und ausgelassene Ecken schmücken die Endplatte, zudem ist die Vorderkante aufgeteilt - ähnlich wie Toro Rosso 2019.

Silverstone könnte die Probleme mit der Aerodynamik und dem Chassis dank der schnellen Kurven etwas kaschieren, allerdings gilt Mercedes dank der Geschwindigkeit auf den Geraden als haushoher Favorit.

Martin Brundle glaubt, dass Max Verstappen aufgrund der aktuellen Situation "sehr frustriert" sein könnte. Der Niederländer hat sein Vertrauen langfristig in Red Bull gesetzt, doch es sieht wieder nicht danach aus, als könnte man zu einem ernsthaften WM-Herausforderer werden.

Brundle ist sich sicher, dass Verstappen die gute Arbeit im Bereich der Boxenstopps und bei den Problemen vor dem Ungarn-Rennen zu schätzen weiß, "aber er muss sich umschauen und sich fragen: 'Wie gewinne ich eine Weltmeisterschaft?'" Das wird 2020 nur bei Mercedes sein, glaubt er.

Denn Red Bull habe zwar alle Zutaten für den Erfolg, normalerweise kommt aber erst gegen Saisonmitte etwas Gutes heraus. "Diese Möglichkeit haben sie nicht", weiß der Brite, dass es dank der Umstände 2020 schwierig werden dürfte, Mercedes zu besiegen. Und weil der Freeze kommt auch für 2021.

"Ich denke, ihr Chassis ist stark genug und Honda sieht auch stark genug aus", so der Ex-Pilot. "Sie werden das Auto in den Griff bekommen. Die Frage ist nur wann."

Martin Brundle ist ehemaliger Formel-1-Fahrer. In 158 Grands Prix für Teams wie (unter anderem) Williams, Benetton und McLaren stand er neunmal auf dem Podium. Heute ist er TV-Experte für den britischen Pay-TV-Sender Sky. Der überträgt alle Rennen der Formel 1 2020 live und UK-exklusiv auf Sky Sports F1 und NOW TV.

Weitere Co-Autoren: Oleg Karpow. Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.