Reck: "Kleinfeldfußball ist attraktiver"

Florian Hölzl
Sport1

Am Samstag beginnt für die deutsche Kleinfeldfußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn die Mission Titelverteidigung. (ab 17.55 Uhr LIVE im Stream auf SPORT1 und dem SPORT1-Youtube-Channel) 

Auf der griechischen Insel Kreta will das Team um Bundestrainer Malte Froehlich den 2018 in Lissabon errungenen WM-Pokal verteidigen und damit Geschichte schreiben. Bei der Socca-WM  treffen die Deutschen in ihrer Fünfergruppe neben Ungarn auf Rumänien, Slowenien und Pakistan. Für die deutschen Gegner ist es ein besonderer Anreiz, den Titelverteidiger zu schlagen.


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Uni-Liga als Initialzünder

Seit 2011 gibt es Europa- und Weltmeisterschaften im Socca. Der DKFV (Deutscher Kleinfeld-Fußball-Verband) wurde 2012 gegründet - ein Jahr später feierte Torhüter Daniel Reck sein Debüt. Er ist der einzige Deutsche, der damals bei der EM auf Kreta dabei war. Der 30 Jahre alte Sohn der Werder-Legende Oliver Reck kam über die Uni-Liga in das deutsche Socca-Team.

Dort hat der deutsche Kleinfeld-Fußball auch seine Wurzeln. Die meisten Spieler aus dem aktuellen WM-Kader haben studiert oder sind Studenten, die sich über die Uni-Liga für die Nationalmannschaft empfohlen haben. 

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Reck war beim Titel 2018 nicht mit dabei, weil er damals durch seinen Vertrag an Eintracht Braunschweig gebunden war. Jetzt würde er den Titel gerne nachholen. SPORT1 hat sich kurz vor Turnierstart mit Daniel Reck unterhalten. 

SPORT1: Herr Reck, Sie waren als einziger Spieler bei der EM 2013 an gleicher Stelle dabei. Welche Erinnerungen haben Sie an den Ort?

Daniel Reck: Es fühlt sich schon wie eine Reunion an. Das Stadion ist exakt an derselben Stelle, direkt an der Strandpromenade, direkt am Meer. Es wurde extra ausgebaut und dadurch, dass Kreta schon ein Touristenort ist, erwarte ich auch viele deutsche Zuschauer. Bei der EM damals hatten wir schon an die 100 Fans. Ich freue mich sehr darauf!


SPORT1: Wo sind die größten Unterschiede zwischen Klein- und Großfeld?

Reck: Durch die kleineren Ausmaße ist das Spiel schneller und intensiver. Fehler werden noch weniger verziehen. Es ist immer möglich, aus jeder Situation Tore zu erzielen. Handlungsschnelligkeit ist enorm wichtig, die athletischen Anforderungen sind im Prinzip dieselben. Kleinfeldfußball ist meiner Meinung nach attraktiver anzusehen und auch selbst zu spielen.

"Bis zur A-Jugend Feldspieler"

SPORT1: Wie sieht es da speziell mit der Torhüter-Position aus?

Reck: Mein Vater hat mir ja früher immer verboten ins Tor zu gehen (lacht), dadurch habe ich bis zur A-Jugend auf dem Feld gespielt. Das hilft mir natürlich ungemein und ist ein großer Vorteil. Als Torwart beim Socca spielt man im Optimalfall ähnlich gut mit, wie ein Futsal-Torhüter.


SPORT1: Mit welchen Ambitionen geht Ihre Mannschaft als Titelverteidiger in das Turnier?

Reck: Das primäre Ziel ist sicherlich erst einmal, die Gruppe zu überstehen. Wir sind jetzt aber auch nicht schüchtern und schauen was passiert, sondern wir gucken von Spiel zu Spiel und versuchen so weit wie möglich zu kommen. Bei großen Turnieren, auch bei der "echten" Fußballnationalmannschaft kommt vieles situativ im Turnierverlauf.

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SPORT1: Wie tickt der Trainer Malte Froehlich und wie wichtig ist er für das Team?

Reck: Malte ist ein sehr akribischer Mensch und Trainer. Wir bringen alle einen Grundgedanken mit, wie wir uns Fußball vorstellen, aber er vereint uns alle und setzt immer wieder neue Reize. Außerdem ist er sehr kommunikativ, was bei einem so langen Turnier auch sehr wichtig ist. Bei der letzten WM hat er seine Qualität ja auch schon unter Beweis gestellt.

"Organisatorisch auf Profi-Niveau"

SPORT1: Wo würden Sie das Niveau der WM im deutschen Ligabetrieb einordnen?

Reck: Auf organisatorischer Ebene ist die Kleinfeld-WM wirklich top. Das sind fast schon Profi-Bedingungen. Auf sportlicher Ebene bewegt sich das zwischen dritter und vierter Liga in Deutschland. Manche Teams sind klare Amateurfußballer, aber andere, vor allem die osteuropäischen Länder, haben Ex-Profis in ihren Reihen, die sich technisch und physisch auf sehr hohem Niveau befinden. Bei der WM wird wenig abgepfiffen, da wird richtiger Männerfußball gespielt. Daran müssen wir uns schnell gewöhnen.


SPORT1: Kleinfeldfußball ist vor allem Teamsport. Trotzdem: Welche Spieler können Ihrer Meinung nach in der Mannschaft den Unterschied ausmachen?

Reck: Wir haben mit Dominic Reinhold einen Stürmer vorne drin, der in den USA Studium und ambitionierten College-Fußball verbinden konnte und danach auch noch Profi in Portugal war. Bei dem sieht man natürlich die sehr gute technische Veranlagung. Dann haben wir den WM-Siegtorschützen und MVP der letzten WM, Niklas Kühle. Der spielt "nur" Oberliga, ist aber ein unfassbar guter Kleinfeldspieler, weil er sehr schnell und dribbelstark ist. Der kann so ein Unterschiedsspieler sein. Hinten drin unser Kapitän Marvin Fricke, den ich schon lange kenne. Der hat eine enorme Ruhe am Ball und löst schwierige Situationen fast immer ohne Ballverlust.

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"Wir nehmen uns ganz klassisch Urlaub"

SPORT1: Wie vereinbaren Sie die WM mit dem Beruf?

Reck: Die Berufstätigen haben sich ganz normal Urlaub genommen. Wir haben auch ein paar Studenten mit dabei, die haben noch Semesterferien. Die Großfeldtrainer des Vereins sehen das natürlich nicht so gerne, dass man für zwei Wochen im Punktspielbetrieb fehlt, aber für eine WM wird auch mal ein Auge zugedrückt.


"Fan des ehrlichen Fußballs"

SPORT1: Das Torhüter-Gen hat sich ja trotz Verbot letztendlich durchgesetzt. Wird Ihr Vater denn auch bei einem Spiel vor Ort zusehen?

Reck: Nein, eher nicht. Das schafft er zeitlich nicht. Aber der wird sich das mit Sicherheit im Internet ansehen. Er ist eigentlich schon immer an jeglichen Sportarten, die ich betreibe, interessiert. Mein Vater ist Fan des ehrlichen Fußballs noch ohne das ganze Drumherum. Und der Kleinfeldfußball beinhaltet alle Spielelemente, die den Fußball eigentlich so attraktiv machen.

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