Red Bull hält zu Albon: Kein Fahrerwechsel vor Saisonende 2020

Christian Nimmervoll
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Alexander Albon bekommt offenbar bis zum Ende der Saison 2020 Zeit, um seinen Verbleib in der Formel 1 und bei Red Bull zu sichern. Man habe keinen konkreten Zeitplan festgelegt, erklärt Teamchef Christian Horner, denn "Alex' Vertrag ermöglicht es uns, diese Entscheidung erst nach Saisonende zu treffen".

Dass Red Bull mit Albon so viel Geduld zeigt, obwohl der 2020 erst einmal auf dem Podium stand und WM-Neunter ist (Vergleich mit Max Verstappen: vier Ausfälle, ansonsten immer auf dem Podium, also neunmal, und WM-Dritter), ist für viele Branchenkenner überraschend - wird aber oft auf Albons thailändische Herkunft zurückgeführt.

Denn die Yoovidhya-Familie, der 51 Prozent von Red Bull gehören (Dietrich Mateschitz kontrolliert "nur" 49 Prozent), stammt ebenfalls aus Thailand. Und so wird Red Bull von vielen Insidern unterstellt, dass man Albon so viele Chancen gibt wie nötig, um sich im Nachhinein nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, man habe es nicht ernsthaft versucht.

Albon, von 'motorsport.com' ganz direkt auf seine Verbindung zur Yoovidhya-Familie angesprochen, sagt dazu: "Sie haben mich schon in den Nachwuchsserien immer unterstützt. Sie haben mir von Anfang an geholfen. Ich bin extrem dankbar dafür, sie an Bord zu wissen und ihre Unterstützung zu genießen."

Entscheidung erst nach Abu Dhabi

Wenn Horner Wort hält, hat Albon also noch vier Chancen, zu beweisen, dass die 13 Rennen davor nicht repräsentativ für sein Können waren. Der Teamchef sagt: "Der Istanbul-Freitag war sein bester Freitag seit geraumer Zeit." Der Abgleich mit der Ergebnisliste zeigt: Albon wurde Sechster, während Verstappen Bestzeit fuhr. Zeitabstand: 1,033 Sekunden.

"Wir wünschen uns", so Horner, "dass sich Alex dieses Cockpit selbst erkämpft. Die anderen Cockpits in der Formel 1 sind ohnehin ziemlich vergeben. Da können wir uns Zeit lassen, die bestmögliche Entscheidung zu treffen, und das bedeutet auch, dass Alex noch so viel Zeit wie möglich bekommt. Wir werden sehen, was die nächsten drei, vier Rennen bringen."

"Wir wissen ja, welche Alternativen wir haben", spricht Horner die Varianten Nico Hülkenberg und Sergio Perez an. "Alle anderen Cockpits in der Formel 1 sind vergeben. Abgesehen von einem bei Mercedes. Aber ich zweifle daran, dass Lewis nächste Saison zu uns kommen wird." Augenzwinkernder Nachsatz: "Wobei, man weiß ja nie!"

Punkte seit Mugello: Albon 1, Verstappen 52

Albon hat seit seinem Podium in Mugello in vier Rennen nur noch einen einzigen WM-Punkt geholt. Verstappen sammelte im gleichen Zeitraum 52 Zähler, und ohne den Reifenschaden in Imola wären es wahrscheinlich eher 67 oder sogar 70 gewesen. Das einzige andere Team, bei dem der Abstand zwischen den Teamkollegen ähnlich eklatant ist, ist Ferrari.

"Mugello", findet Albon, "war das letzte Rennen mit einem guten Ergebnis. Aber sonst ist es seither nicht so furchtbar gelaufen. Die Qualifyings haben sich nicht groß verändert, die sind genau wie immer - wenn sie nicht sogar ein bisschen besser geworden sind. Aber ich verliere manchmal in der Startphase ein bisschen, und dann steckst du halt im Verkehr fest."

"Mugello war besser, weil du dort überholen kannst. Aber wenn das vordere Auto in einer Gruppe das Tempo für alle anderen diktiert, wird's halt schwierig. Das ist der Grund", argumentiert Albon. "In Istanbul kann man gut überholen. Mein Ziel ist, mich weiter vorne zu qualifizieren und dann ein gutes Rennen zu fahren. Sehr viel mehr gibt's nicht zu sagen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.