Red Bull: Honda-Motoren Ende 2021 ins Regal zu stellen wäre "kriminell"

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 3 Min.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner hofft weiterhin, dass sich die Entscheidungsträger in der Formel 1 ab 2022 auf einen sogenannten "Engine-Freeze" einigen können, um Red Bull zu ermöglichen, mit in Eigenregie eingesetzten Honda-Motoren anzutreten und somit den Zeitraum zu überbrücken, bis mit Einführung eines komplett neuen Antriebsreglements (Stand heute erst 2026) womöglich ein neuer Hersteller einsteigt.

Die Variante, Kundenteam eines bestehenden Herstellers zu werden, ist für Red Bull bestenfalls Plan B. Mercedes hat bereits abgesagt, Ferrari ist aktuell keine attraktive Variante und auch Renault könnte zwar theoretisch dazu gezwungen werden, Red Bull zu beliefern, möchte aber neben dem eigenen Alpine-Werksteam dem Vernehmen nach lieber ein kleines als ein großes Team als zusätzlichen Partner.

Daher konzentriere man sich "voll und ganz auf Plan A", erklärt Horner in einem Interview mit 'Sky': "Toto hat klar gesagt, wie Mercedes die Lage sieht. Ferrari hat eigene Probleme. Renault will uns nicht wirklich beliefern. Ihre Ziele als Team haben sich verändert. Da passt es nicht ins Konzept, ein Team wie Red Bull zu beliefern. Wir sind kein normales, kleines Kundenteam."

Für Red Bull wiederum ist es sowohl technologisch als auch finanziell nur zu stemmen, "eigene" Motoren einzusetzen, wenn man das bestehende Honda-Konzept Stand Ende 2021 1:1 übernehmen kann. Die Motoren für den Rennbetrieb zusammenzubauen und zu warten, ist im Honda-Workshop in Milton Keynes, den Red Bull übernehmen könnte, möglich.

Red Bull: Und was nun?

Kommt aber kein Entwicklungsstopp, dann kann Red Bull Forschung und Entwicklung im Antriebsbereich nicht leisten. Sollte sich nicht wie durch ein Wunder eine andere Lösung finden, würde das den Ausstieg der beiden Red-Bull-Teams bedeuten - eine Feststellung von Tatsachen und keine Drohung, wie Helmut Marko unlängst ausrichten ließ.

"Wir haben noch ein bisschen Zeit. Knapp 18 Monate, um uns zu sortieren", sagt Horner. Er sieht jetzt den Ball bei der FIA und der Formel 1: "Die FIA und Liberty als Rechteinhaber müssen einen Schritt machen und ihren Teil leisten." Denn: "Es wäre kriminell, diese Motoren einfach in irgendeiner japanischen Lagerhalle ins Regal zu stellen!"

"Je länger wir überlegen, desto mehr kommen wir zu dem Schluss, dass es nur eine Möglichkeit gibt, die funktioniert. Und das wäre eine Vereinbarung mit Honda, im Zuge derer wir das geistige Eigentum am Honda-Motor übernehmen", stellt Horner klar.

"Aber das macht für einen unabhängigen Motorenlieferanten, wie es Red Bull dann de facto wäre, nur Sinn, wenn die Entwicklung eingefroren wird. Weil es unmöglich wäre, die Entwicklungskosten zu finanzieren, die aktuell mit diesen Motoren anfallen. Es ist absolut fundamental, dass die Entwicklung der Motoren eingefroren wird, bis ein neuer Motor kommt."

Horner sieht Ball bei FIA und der Formel 1

"Letztendlich liegt es an der FIA", sagt er. "Es ist ein Weckruf für den Sport, wenn sich ein großer Hersteller wie Honda per Ende 2021 abwendet. Damit bleiben nur noch drei Motorenhersteller übrig, und das wäre eine sehr prekäre Situation für den Sport. Da muss der Verband das Heft in die Hand nehmen."

Doch ein "Freeze" gilt aktuell als unwahrscheinlich. Sowohl Renault als auch Ferrari haben bereits dezidiert erklärt, dass sie einem solchen nicht zustimmen würden. Und Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat zwar ursprünglich Bereitschaft signalisiert, glaubt aber angesichts des Widerstands von anderer Seite nicht, dass Red Bulls Forderung umgesetzt werden kann.

"Kommt nicht oft vor, dass Toto einer Meinung mit Red Bull ist", grinst Horner. "Aus seiner Sicht ist das nicht unlogisch, denn sie haben derzeit den besten Motor der Formel 1. Warum würde er nicht wollen, diesen Entwicklungsstand einzufrieren?"

"Aber es gibt da auch das Gesamtbild, das Interesse der Formel 1. Sie müssen die notwendigen Schritte setzen, den Sport im Hinblick auf die Power-Units zu schützen", sagt Horner und ergänzt: "Ich schätze, Toto würde alles tun, damit er uns nicht beliefern muss! Ich bin sehr dankbar für seine Unterstützung in dieser Frage."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.