Red Bull, Mercedes, Ferrari: Hamiltons Karriereplan unter der Lupe

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Toto Wolff hat zwar verraten, dass der Wunsch, eines Tages für Ferrari zu fahren, sehr wohl auch Lewis Hamilton beschäftigt. Aber der bald sechsmalige Formel-1-Weltmeister (der 2013 eigentlich zu Red Bull wechseln wollte, wie wir weiter unten in diesem Artikel aufklären) hat nicht das Gefühl, dass seine Karriere ohne Ferrari-Engagement unvollständig wäre: "Auf der Straße kann ich ja trotzdem Ferraris fahren", lacht er.

"Wenn du Teil von Mercedes bist, dann bist du für den Rest deines Lebens Mitglied dieser Familie. Also: Hundertprozentig, ich könnte meine Karriere hier bei Mercedes beenden und damit glücklich sein", unterstreicht er.

Gleichzeitig gibt Hamilton zu, dass die Marke Ferrari eine gewisse Faszination auf ihn ausübt: "Ich sehe das Auto und liebe die rote Farbe. Ich sehe die Leidenschaft des Publikums [in Monza], wenn sie unter dem Podium stehen - das ist etwas völlig anderes als überall sonst auf der Welt. Aber manche Dinge sollen halt nicht sein, und ich weiß nicht, ob das zu meinen Zukunftsplänen gehört. Die Zeit wird es zeigen."

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Insider vermuten, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit Hamilton bei der Vertragsverlängerung bis Ende 2020 einen Deal schmackhaft gemacht haben könnte, der da lautet: "Du bleibst bis Ende 2020 bei uns, dann bist du vielleicht siebenmaliger Weltmeister, genau wie Schumacher. Und danach kannst du, wenn du meinst, das ist richtig, immer noch zu Ferrari wechseln."

Hamilton und Mercedes: Lockt der Rentenvertrag?

Bei der nächsten Vertragsverhandlung könnte Wolff theoretisch - und das ist derzeit reine Spekulation - das Argument in die Waagschale werfen, dass Hamilton bei Mercedes lebenslang als Markenbotschafter unter Vertrag bleiben und so ein Zusatzeinkommen verdienen könnte.

Etwas, was dem 34-Jährigen durchaus bewusst ist: "Wenn man sich Stirling Moss oder Fangio anschaut, dann werden die innerhalb der Familie immer noch hochgehalten. Du bist Teil der Mercedes-Geschichte, und sie kümmern sich ein Leben lang um dich. Das ist mir wichtig. Loyalität ist ein Schlüsselelement."

Aber: "Wenn ich in meinem Leben einen Punkt erreichen sollte, an dem ich die Entscheidung treffe, dass ich wechseln möchte, dann könnte das potenziell schon eine Option sein", sagt Hamilton über Ferrari.

Gegen einen Wechsel spricht, dass er sich woanders vieles von dem, was er bei Mercedes bereits hat, neu aufbauen müsste. Auch bei Mercedes habe es "Jahre" gedauert, "die Ziegelsteine so zu setzen, dass sie so stehen, wie sie heute sind. Ich weiß, dass ich woanders wieder helfen müsste, das erst aufzubauen, weil ich dort nicht das gleiche Set-up wie hier hätte. Das ist aber wichtig für meine Leistungen."

Hamilton: Wie wichtig ihm kleine Details sind

Manchmal seien das "kleine Dinge", sagt Hamilton und strapaziert einen Vergleich mit seinem ersten Formel-1-Team McLaren: "Ich hatte in der Box keinen Platz für meinen Helm, also stand ich immer den Mechanikern im Weg. Ich wollte mich vorbereiten, musste aber die ganze Zeit aus dem Weg gehen. Das mag winzig erscheinen, aber es macht in der Vorbereitung einen Unterschied."

Und: "Ingenieure sind manchmal ziemlich stur und festgefahren. 'Die Daten sagen dies und das, das haben wir seit 20 Jahren immer so gemacht.' Aber manchmal musst du sie wachrütteln und sagen: 'Nein, das probieren wir jetzt anders.' Solche festgefahrenen Strukturen zu durchbrechen, kann eine Weile dauern."

"Wenn ich in ein anderes Team wechseln würde, würden sie erstmal sagen: 'Wer ist dieser verdammte Kerl, der mir erklärt, wie ich meinen Job machen soll?' Da musst du erst eine Beziehung aufbauen, damit sie dir vertrauen und mit dir zusammenarbeiten, damit die DNA zusammenwächst, um neue Wege zu schaffen. Und das dauert."

Das war bei Mercedes nicht anders. Als Hamilton 2012 bei den Silberpfeilen unterschrieben hat, sehnte er sich nach einer Veränderung. Niki Lauda war eine der wichtigsten Personen, die dabei mitgeholfen hat, ihn davon zu überzeugen, dass Mercedes ab 2014 das erfolgreichste Team der Formel 1 werden wird.

Red Bull hat Niki Lauda beim Engagement von Hamilton unterstützt

Red Bull hat Niki Lauda beim Engagement von Hamilton unterstützt <span class="copyright">Sutton</span>
Red Bull hat Niki Lauda beim Engagement von Hamilton unterstützt Sutton

Sutton

2012: Hamilton verhandelte zuerst mit Red Bull

Dabei hat Hamilton 2012 auch mit Red Bull verhandelt. Die österreichische 'SportWoche' bekam davon Wind und druckte Hamilton im Red-Bull-Overall auf dem Cover ab. Eine Phase, in der Red Bull einen "taktischen Fehler" begangen hat, wie Helmut Marko zugibt: "Lewis war bei McLaren richtig unglücklich. Besonders nach zwei Rennen: zuerst Montreal, dann Singapur."

"Bei uns war aber kein Platz frei. Also dachte ich, es ist besser, wenn er zu Mercedes geht", schmunzelt der Österreicher in einem Interview mit 'Motorsport-Total.com', das bereits im Dezember 2018 geführt, aber bis heute nicht veröffentlicht wurde. Marko verrät eine Überraschung: "Wir haben Lauda in der Anwerbung von Lewis massiv unterstützt!"

Denn: "McLaren war damals unser stärkster Gegner. Die hatten auch 2012 über die Saison gesehen das stärkere Auto, aber sie hatten viele Getriebeschäden und Ausfälle. Dass die dann aus so einem tollen Auto ein komplett neues Auto bauen, das nicht funktioniert, damit hätten wir nicht gerechnet."

Es war eines der politischen Spielchen im Hintergrund der Formel 1, von denen die Öffentlichkeit oft nie oder erst Jahre später etwas mitbekommt. Marko erzählt: "Wir dachten uns, wenn er schon wechselt, dann soll er zu Mercedes, die zu dem Zeitpunkt hinter McLaren gelegen sind. Dann haben wir Niki geholfen."

Marko: Alle Infos über Hamilton an Lauda gegeben

Und zwar konkret so: "All die Informationen, die uns Hamilton gegeben hat, warum er wechseln will und so weiter, habe ich an Niki weitergeleitet. Dann gab's ein Rennen in Singapur, wo er in Führung liegend einen Getriebeschaden hatte, und da hat Niki dann zugeschlagen. Eine Fehleinschätzung, den damals stärksten Fahrer, anstatt ihn bei McLaren zu lassen, Niki in die Hände zu spielen."

Letztendlich kam alles anders als geplant. Hamilton und Mercedes wurde zur dominanten Kombination der jüngeren Vergangenheit. "Im Nachhinein", schmunzelt Marko, "wäre es viel besser gewesen, er wäre bei McLaren geblieben. Da sieht man, wie man taktisch manchmal danebenliegt."

Dass es zum Zeitpunkt des berühmten 'SportWoche'-Covers Verhandlungen zwischen Red Bull und Hamilton gegeben hat, bestätigt Marko explizit: "In der Phase schon. Darum wussten wir ja, dass er wechseln will. Aber bei uns war kein Platz. Wir hatten Vettel und Webber. Beide hatten mehrjährige Verträge. Für 2013 wäre bei uns nichts frei gewesen."

Dass Hamilton nach Auslaufen seines aktuellen Vertrags Ende 2020 doch noch zu Red Bull wechseln könnte, gilt als unwahrscheinlich. Sollte er noch einmal wechseln, dann wohl nur zu Ferrari. Das ist, glauben Insider, das einzige Team, das einen dann vielleicht siebenmaligen Weltmeister noch reizen könnte ...

Mit Bildmaterial von LAT.

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