Reform der Champions League: "UEFA macht großen Schlag"

SPORT1
·Lesedauer: 9 Min.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, hat sich im CHECK24 Doppelpass über die Leistung von Leroy Sané geäußert und von ihm Besserung gefordert.

Großes Lob zollte er Robert Lewandowski und Manuel Neuer nach deren Auszeichnungen – sowie der gesamten Mannschaft für ihre Mentalität. Ein Beispiel dafür sei auch die Teilnahme der Münchner an der Klub-WM in Katar trotz des vollen Terminkalenders, die insbesondere Team und Trainer forciert hätten. Auch zur Kaderplanung sowie den Personalien David Alaba und Jérôme Boateng nahm er Stellung.

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Die Bundesliga sieht er aktuell als "Benchmark in Europa" und schließt eine Verbandstätigkeit nach seinem Abschied bei Bayern München aus.

Auch zur Situation bei Borussia Dortmund und Schalke 04 nahm Rummenigge Stellung. (Tabelle der Bundesliga)

Alle Aussagen aus dem CHECK 24 Doppelpass zum Nachlesen:

Karl-Heinz Rummenigge auf SPORT1 über:

… die Höchststrafe für Leroy Sané in Leverkusen: Ich finde, unser Trainer hat das gut erklärt. Er hat die Aufgabe, alles zu tun, damit die Mannschaft gewinnt. Er wollte den jungen Musiala bringen, um doch noch das Tor zu erzielen – und das ist gelungen. Damit hat der Trainer alles richtig gemacht. Dass ihm (Sané, Anm. d. Red.) das nicht gefällt, ist klar. Der liebe Gott hat ihm unglaubliche Talente mitgegeben. Der kann dribbeln und hat einen unglaublichen linken Fuß. Ich glaube, er ist noch nicht so richtig in diesem FC-Bayern-Gen angekommen. Thomas Müller ist gestern marschiert. Aber der ist nicht so mit Talent gesegnet wie Leroy Sané. Daher muss er jetzt an diesen Talenten arbeiten. Das ist seine Aufgabe. Wir habe alles in die Waagschale geworfen, damit er zu Bayern kommt. Das muss er jetzt zeigen!

… die Zukunftsperspektiven von Sané in München: Ich glaube, dass er eine gute Zukunft beim FC Bayern haben kann. Wir fördern jeden Spieler, aber wir fordern auch. Das muss er verinnerlichen. Er muss jetzt den nächsten Schritt machen. Er muss seinen Charakter an den FC Bayern anpassen. Es wird alles verziehen, aber man muss alles in die Waagschale werfen, um als Sieger vom Platz zu gehen. Das muss er lernen. Die Mannschaft wird sich nicht seinem Charakter anpassen.

Rummenigge: "Ich kenne keinen Spieler, der so einen Siegeswillen hat"

… Robert Lewandowski und Manuel Neuer: Das sind die zwei besten Spieler 2020 gewesen. Der eine hinten im Tor ist zurecht Welttorhüter geworden und Lewandowski ist Weltfußballer geworden. Das war immer sein Traum und er hat gedacht, den könnte er nur bei Real Madrid erfüllen. Vorne macht er einfach das, was man braucht – Tore. Ich dachte immer, der Rekord von Gerd Müller wird nie mehr in Gefahr gestellt. Robert hat jetzt aber schon wieder 17 Tore nach 13 Spielen. Auch an diesem Rekord arbeitet er.

… Lewandowskis Entwicklung:Er ist 2014 gekommen und hatte eine Zeitlang einen Wechsel zu Real im Hinterkopf. Er wollte unbedingt die Champions League und den Titel des Weltfußballers gewinnen. Er ist enorm ehrgeizig. Ich kenne keinen Spieler, der so einen Siegeswillen hat. Ich glaube, klick hat es bei ihm vor zwei Jahren gemacht, als wir seinen Vertrag verlängert haben. Da hat er gesehen, wir geben ihn nicht ab. Egal welches Angebot da kommt, wir geben ihn nicht ab. Wir haben den Wert eines Robert Lewandowskis erkannt. Er ist wie eine Art Münchner Rückversicherung.

… Lewandowskis Rolle abseits des Platzes: Robert ist ein wahnsinnig guter Gesprächspartner. Ich habe oft mit ihm geredet in diesem Jahr. Er geht in die Tiefe. Wir neigen im Fußball oft dazu, etwas den Mantel des Schweigens über etwas zu decken. Er spricht Fehler an, wenn wir Fehler in der Mannschaft oder im Verein haben. So ist er ein ganz wichtiger Faktor geworden. Nach dem Titelgewinn in Lissabon habe ich mit ihm auf dem Platz gesprochen und er hat gesagt: "Weißt du, warum wir gewonnen haben? Weil wir die beste Bank hatten. Wir können nun eine Ära starten." Der stand da mit dem Pokal in der Hand und dachte schon wieder an die Zukunft. Das macht ihn so wichtig.

die Nicht-Wahl von Hansi Flick zum Welttrainer: Er hätte es verdient gehabt – wenn man fünf Titel gewinnt. Er war auch etwas enttäuscht. Er wäre es gerne geworden. Ich habe ihm gesagt, er soll auf die fünf Pokale schauen. Aber man hat ihm angesehen, dass ihn das enttäuscht hat.

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Bundesliga als "Benchmark in Europa"

… das Standing der Bundesliga im internationalen Vergleich: Wir neigen immer etwas dazu, uns klein zumachen. Ich möchte noch mal daran erinnern, dass alle vier CL-Teams und beide EL-Teilnehmer sich locker für die K.o.-Runde qualifiziert haben. Die Benchmark momentan in Europa ist die Bundesliga! Die Spiele in Deutschland sind aktuell die besten in der ganzen Fußballwelt. Die anderen sind auch gut, aber die Bundesliga ist besser geworden.

… die Teilnahme der Münchner an der Klub-WM: Die Mannschaft und der Trainer kamen zu mir und haben gesagt, ich soll mit der FIFA und Infantino (FIFA-Präsident, Anm. d. Red.) reden, damit sie stattfindet. Die Spieler wollen da hinfahren, um den sechsten Titel zu gewinnen. Das ist erst einer Mannschaft bisher gelungen – 2009 dem FC Barcelona. Die Jungs sind heiß auf Titel und die wollen alles gewinnen. Wir fahren da nicht hin, um Geld zu verdienen. Das ist überschaubar. Das ist eine reine Geste, um der Mannschaft die Möglichkeit zu geben, diesen Titel zu gewinnen.

Rummenigge zu Alaba: Es hat nicht gereicht

… den Stand bei David Alaba: Wir haben viele Gespräche geführt. Ziel war immer die Vertragsverlängerung. Dann gab es im Oktober ein finales Gespräch mit Deadline. Unser Angebot ist nicht angenommen worden und dann hat unser Präsident das Angebot zurückgezogen. Das ist der Stand der Dinge. Es hat seitdem auch keine neuen Gespräche gegeben. Ob es da noch weitere Gespräche geben wird, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wir haben viele Schritte auf den Berater und den Vater zugemacht. Wir haben alles in die Waagschale gelegt, was möglich war. Aber dann muss man einfach akzeptieren: Es hat nicht gereicht.

… die Zukunft von Jérôme Boateng: Wir setzen uns in der Rückrunde im Klub zusammen und besprechen dann, wie es mit ihm weitergeht. Mit Spielern über 30 muss man auch etwas Geduld haben.

... eine mögliche Verbandsarbeit nach seiner Ära beim FC Bayern: Ich weiß, was ich kann und was ich nicht will. Aber wenn ich die ganzen Verbandstrukturen sehe, da sträubt sich alles bei mir. Da hat man nichts mehr mit dem Fußball zu tun, sondern das ist Politik. Der DFB hat momentan viel zu tun, aber das sollen sie bitte alleine machen.

… sein Verhältnis zu Uli Hoeneß: Er ist noch im Aufsichtsrat und nach wie vor ein wichtiges Mitglied im Aufsichtsrat. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm. Wir hatten Phasen, wo wir top zusammengearbeitet haben, aber auch mal Irritationen, weil wir unterschiedliche Meinungen hatten. Da sind auch mal Türen zugeflogen – aber keine, die nicht auch wieder aufgegangen wären. Wir haben ein Verhältnis, das funktioniert.

… die mögliche Einführung einer europäischen Super League und die Reform der UEFA Champions League: Wir haben nicht das Interesse, dass eine Super League installiert wird. Diskussionen darüber kamen immer aus dem Süden Europas. Ich glaube, die Reform der Champions League 2024 wird ein wichtiger Schritt. Die momentane Gruppenphase ist mir ein Stück zu langweilig. Die Pläne der UEFA werden da eine nachhaltigere Reform sein. Die UEFA macht da einen großen Schlag – und alles, was ich bisher gesehen habe, gefällt mir.

Rummenigge: Guardiola, Heynckes und Co. können Schalke nicht retten

… die Situation beim FC Schalke 04: Die letzten beiden Spiele habe ich den Eindruck, dass die Mannschaft versucht, den Karren wieder flott zu machen. Man darf nicht vergessen, dass der ganze Verein in Unruhe ist. Die haben eine Situation wie keiner der anderen 17 Vereine. Man kriegt aber nur Ruhe rein, wenn man auch mal zwei, drei Spiele gewinnt. Sie müssen jetzt mal gewinnen. Die haben 28 Spiele nicht gewonnen – das ist ja Wahnsinn. Da fehlt jedes Selbstvertrauen. Da kannst du Guardiola, Mourinho oder Heynckes bitten, auf die Bank zu gehen, das wird nicht funktionieren.

… die Aufgabe von Sportvorstand Jochen Schneider in Gelsenkirchen: Er hat ein schweres Erbe antreten müssen. Finanziell waren die schon in der Problematik. Der arme Kerl kann da nichts dafür. Man braucht jetzt einfach einen Befreiungsschlag. Das Problem besteht nicht erst seit sechs Monaten. 2020 ist ein problematisches Jahr. Nüchtern betrachtet, war der Verein aber schon vorher in der Schieflage.

… Ralf Rangnick als möglichen Trainer Kandidaten, auch auf Schalke: Er hat in Hoffenheim und Leipzig bewiesen, dass er ein guter Trainer ist. Es wundert mich, dass er auf dem Markt ist. Er ist ein Kaliber aus dem obersten Regal. Er ist natürlich ein anspruchsvoller Trainer. Man müsste ihm die Verantwortung auf den Tisch legen. Aber er ist ein großer Fachmann und ich halte viel von ihm.

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Rummenigge: Der Grund für die BVB-Krise

… die Lage bei Borussia Dortmund nach der Niederlage bei Union Berlin und den Stellenwert von Erling Haaland: Die Verletzung von Haaland geht ihnen wohl sehr nahe. Das ganze Spiel war auf ihn abgestimmt. Moukoko hat das gut gemacht, aber Haaland ist einfach schon ein großes Kaliber.

... einen möglichen Haaland-Transfer: Ich glaube, ohne eine Ausstiegsklausel hätte Dortmund Haaland nicht bekommen. Das Geschäftsmodell vor Corona wäre vielleicht sogar aufgegangen.

Bayern-Boss: "Mehr Rationalität in das Geschäft bringen"

... die Finanzsituation in der Corona-Zeit: Wir spielen nun ohne Zuschauer und es fehlen Einnahmen. Daher müssen wir alle unsere Geschäftsmodelle überprüfen. Wir müssen etwas mehr Rationalität in das Geschäft bringen. Es fällt auf, dass im letzten Sommer etwa 15 Prozent niedrigere Ablösesummen aufgerufen wurden. Bei den Gehältern im Spitzenbereich fängt das aber erst jetzt langsam an, sich abzusenken. Die Payrolls der Topklubs sind eigentlich viel zu hoch angesetzt für die Probleme, die wir haben.

… die Verteilung der TV-Gelder und die von Andreas Rettig geäußerte Kritik: Der Herr Rettig ist mir keinen Kommentar wert. Außerdem ist bekannt, dass sich der FC Bayern bei der letzten Entscheidung des DFL-Präsidiums der Stimme enthalten hat. Das würde ich nicht so bewerten, dass wir mit der Verteilung zufrieden sind. Man hat den großen Vereinen Geld weggenommen, um es den Kleinen zu geben. Ich bin immer der Meinung, dass sich Leistung auszahlen muss. Man kann den großen Vereinen immer noch mehr wegnehmen. Aber die gesamte Bundesliga muss ein Interesse daran haben, dass wir international konkurrenzfähig sind. Wollen wir da wettbewerbsfähig bleiben, braucht es starke Vereine in der Bundesliga. Die großen Vereine sind die Lokomotive. Wir haben eine sehr solidarische Geldverteilung, die im Übrigen in diesem Jahr schon von oben nach unten abgewandert ist. Daher ziehe ich mir den Schuh von Rettig nicht an.