Regierung schiebt Riegel vor: Imola-Comeback der F1 ohne Zuschauer

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 3 Min.

Nach Sotschi und jüngst Portimao hatte eigentlich auch Imola den Plan, zu seinem Formel-1-Grand-Prix Anfang November eine festgelegte Anzahl von Zuschauern an die Strecke zu lassen. Doch angesichts steigender Infektionszahlen wird daraus nichts.

Zwar hatte der Streckenbetreiber im vergangenen Monat die Genehmigung erhalten, 13.000 Tickets zu verkaufen sowie eine VIP-Hospitality für lokale Sponsoren und Gäste der regionalen Behörden einzurichten. Diese Woche ordnete ein Erlass aus dem Büro von Premierminister Giuseppe Conte jedoch eine Reihe neuer Corona-Maßnahmen an.

Diese sehen ein strengeres Vorgehen gegen Menschenmassen bei Veranstaltungen vor. Zudem wurde die Schließung von Restaurants und Cafés nach 18 Uhr für das ganze Land angewiesen.

Keine Ausnahmeregelung für die Formel 1

Bemühungen des Gouverneurs der Region Emilia-Romagna, Stefano Bonaccini, um eine Ausnahmeregelung für das Rennen scheiterten. "Die Regierung hat uns Fans verboten, und wir sind sehr enttäuscht darüber", sagt Imola-Chef Uberto Selvatico Estense im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Wir bedauern auch sehr die Unannehmlichkeiten, die uns diese Entscheidung bereitet. Der Gouverneur der Emilia-Romagna sprach heute mit dem Gesundheitsminister, aber sie lehnten jeden Verzicht auf das Dekret ab."

Imola hatte detaillierte Pläne vorgelegt, um eine wirksame soziale Distanzierung durch die Verteilung von Fans auf den Tribünen zu gewährleisten. Nachdem man grünes Licht erhalten hatte, war bereits Geld in die notwendigen Vorbereitungen geflossen.

Streckenchef: Noch letzte Woche war alles okay

Zwar waren im Vorhinein nicht alle der 13.000 angebotenen Eintrittskarten verkauft worden. Doch in Imola ging man von einem verspäteten Ansturm aus, weil sich die Leute im Falle einer Absage oder einer Art von Zuschauerbeschränkung noch zurückhielten. Doch genau diese Beschränkung ist jetzt eingetreten.

"Es ist nicht leicht, den Fans zu erklären, dass die Regierung ihre Meinung in sehr kurzer Zeit geändert hat, denn erst vor einer Woche haben sie bestätigt, dass wir Fans haben dürfen", sagt Selvatico Estense. "Also haben wir mit der ganzen Organisation, mit all den Dingen, die wir vorbereitet haben, weiter gemacht."

Die Kehrtwende nur vier Tage vor der Veranstaltung habe nicht nur viel Geld gekostet, sondern bringe die Streckenbetreiber auch in Erklärungsnot, fürchtet der Imola-Chef.

Sorge um Unverständnis bei den Fans mit Ticket

"Es ist eine sehr kurze Zeit, um den Leuten zu sagen, dass der Besuch der Veranstaltung nicht möglich ist. (...) Wir werden mit Sicherheit einige Schwierigkeiten mit Leuten haben, die versuchen werden, dennoch hineinzukommen. Sie haben eine Eintrittskarte gekauft und verstehen nicht, warum sie jetzt ausgeschlossen werden."

Ein Formel-1-Sprecher betont indes gegenüber 'Motorsport-Total.com': "Wir hatten gehofft, an diesem Wochenende Fans zum Rennen begrüßen zu können, aber wir verstehen und respektieren die Entscheidung der Behörden voll und ganz. Wir hoffen, dass unsere Fans das Rennen weiterhin von zu Hause aus genießen."

Neben Imola musste erst kürzlich auch die Türkei ihre Pläne, bis zu 100.000 Zuschauer an die Strecke zu lassen, begraben. Das Rennen am 15. November wird hinter verschlossenen Türen stattfinden. Beim Eifel-GP am Nürburgring wurden Zuschauer aus bestimmten Gebieten nur mit negativem Testergebnis zugelassen.

Weitere Co-Autoren: Adam Cooper. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.