Reif: "Müller hat gedacht wie meine Großmutter"

Marcel Reif
Sport1

Hallo Fußball-Freunde,

die Aussagen von Thomas Müller und seine anschließende Einordnung haben in den letzten Tagen für viel Wirbel gesorgt. Müller ist ein Sprachrohr der Bayern-Kabine. Er sagt alles so, wie er es empfindet. Er macht sich Gedanken über das System und die Summen im Profifußball. Dass er nach dem engen Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt solche Emotionen zeigt, kann ich völlig verstehen.

Müller empfindet es als paradox, dass die Spieler während der Coronapause Gehaltsabstriche machen und gleichzeitig über Transfers in Höhe von 50 oder 100 Millionen Euro diskutiert wird. Da hat er Recht. Die Bayern-Spieler lassen Geld übrig, damit die Mitarbeiter nicht entlassen werden. Wenn Bayern dann mit einem Zehn-Millionen-Transfer kommt, sagen alle: "Das ist doch nicht euer Ernst, ihr wollt die Champions League gewinnen."

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Seine Aussagen nach dem Spiel gegen Frankfurt haben einen kurzen Blick in die "normale" Welt gebracht. Ein dreistelliger Millionenbetrag hat mit normalen Kategorien nichts zu tun. Müller hat für einen kleinen Moment gedacht wie meine Großmutter: Wenn man das Geld hat, darf man es ausgeben. Wenn nicht, dann nicht.

Goretzka wie ein neuer Spieler

Zum Sportlichen: Den knappen Sieg gegen Gladbach haben die Bayern mal wieder Leon Goretzka zu verdanken.

Das ist der Goretzka, von dem sich die Bayern bei der Verpflichtung erhofft haben, dass er es wird. Er hat sich ein Kreuz antrainiert und Corona genutzt. Die Ärzte haben ihm offenbar gesagt, dass er was tun muss, damit er nicht nur ein Versprechen bleibt. Die Präsenz, die er auf dem Platz hat - da haben die Bayern wieder einen neuen Spieler auf dieser Position gekriegt. Ob Thiago einen neuen Vertrag unterschreibt oder nicht, sehen die Bayern gerade etwas entspannter.


Ganz und gar nicht entspannt bewertet Lucien Favre die ständigen Fragen nach seiner Zukunft, langsam nervt ihn die Situation.

Favre ist ein sehr sensibler Mann. Es gibt seit Monaten eine Trainerdiskussion in Dortmund. Das wusste er, als er zum BVB ging. Mich wundert, dass man trotzdem zusammenfindet. Alle möchten Klopp 2.0 in Dortmund. Favre ist ein toller Ausbilder, aber er wird bestimmte Dinge nie können. Sie sind Zweiter und spielen die beste Saison aller Zeiten. Trotzdem muss er sich bei jedem Fehlpass fragen lassen, ob er im Sommer noch Trainer in Dortmund ist.

Gladbachs Geschichte als Belastung

Der BVB kann bereits mit den Champions-League-Millionen in der nächsten Saison planen, die Borussia aus Mönchengladbach ist im Rennen um Platz vier derweil ins Hintertreffen geraten.

Es ist ein Unterschied, ob man das Geld aus der Königsklasse kriegt oder nicht. Man muss anerkennen, wie Gladbach Fußball spielt, auch wenn sie mit dem alten und dem neuen Trainer am Ende auf Platz fünf landen sollten.


Gladbach muss immer Ambitionen haben und wenn andere etwas liegen lassen, musst du es aufheben. Das haben sie in den letzten Wochen nicht getan, das tut jetzt weh. Es geht um richtig Geld in der Champions League.

Ich bin immer gerne nach Gladbach gefahren, da hingen schon am Bökelberg Schwarz-Weiß-Fotos von Netzer, Vogts und Co. herum. Das ist auch eine Belastung für die Spieler, 20 andere Traditionsvereine sind daran zerbrochen.

Bis demnächst
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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