Reifen-Management: Schlüsselfaktor für Bottas im WM-Kampf

Maria Reyer
Auf dem Hockenheimring präsentiert sich das Mercedes-Team im Retro-Look: Die Boliden sind vor allem an der Front in weißer Farbe gehalten
Auf dem Hockenheimring präsentiert sich das Mercedes-Team im Retro-Look: Die Boliden sind vor allem an der Front in weißer Farbe gehalten

39 Punkte Rückstand hat Valtteri Bottas bereits auf Lewis Hamilton. Vor dem Grand Prix von Deutschland zeigt er sich trotz des "enttäuschenden" Silverstone-Rennens motiviert. Der Finne glaubt, dass er über das Reifenmanagement im Rennen noch am meisten auf den Briten aufholen kann.

"Wir können diese Details definitiv von den Daten rauslesen. Wenn Lewis besser mit den Reifen umgegangen ist und er eine bessere Pace in einem längeren Stint gefahren ist, dann sieht man das", erklärt Bottas im Vorfeld des Hockenheim-Wochenendes. Bereits zuvor hat er angegeben, dass das Reifenmanagement ein Bereich ist, in dem er sich verbessern möchte.

Während Hamilton die Pirelli-Pneus trotz schneller Fahrweise schonen kann, überhitzen die Reifen an Bottas' Mercedes schneller im Renntrimm. "Davon kann ich lernen. Ich arbeite sehr hart an meiner Rennpace und dem Reifenmanagement. In Silverstone war es viel besser als in den Rennen davor", ist er zufrieden.

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Bottas: Hoffentlich regnet es!

Er beobachte seinen Teamkollegen und dessen Fahrweise und lerne dazu. "Es gibt auch an diesem Wochenende klare Ziele für die ersten Longruns, die wir fahren werden." Allerdings könnte das Wetter am kommenden Wochenende eine entscheidende Rolle spielen: Ist es am Freitag noch brütend heiß, könnte es am Rennsonntag sogar regnen.

"Wir sind noch nicht wirklich bei nassen Bedingungen gefahren, da ist beim Set-up dann immer ein wenig ein Ratespiel. Aber es gibt viele Simulationen, die wir nutzen können. Es ist keine extrem große Umstellung. Der Reifendruck wird der Schlüssel zum Erfolg sein", glaubt Bottas. "Ich hoffe, dass es regnet."

Die Longrun-Erkenntnisse aus dem zweiten Freien Training vom Freitag wären dann allerdings unbrauchbar. Schon in Großbritannien hatte Bottas aufgrund eines Problems mit der Zündkerze weniger Trainingszeit zur Verfügung. "Ich denke nicht, dass das für mich ein großer Nachteil war", relativiert er.

"In den ersten drei Runden habe ich wirklich stark an die Erkenntnisse aus [Lewis'] Longruns gedacht. Ich habe versucht, meinen Fahrstil für den ersten Stint zu optimieren. Da wir allerdings gegeneinander gekämpft haben, konnten wir die Reifen nicht so gut schonen als erwartet."

Am Ende des ersten Stints seien seine Reifen allerdings in einem besseren Zustand gewesen als jene seines Teamkollegen, berichtet er stolz. "Das gibt mir auch das Selbstbewusstsein zu glauben, dass ich von meiner Gesamtperformance und meinem Reifenmanagement her das Rennen hätte gewinnen können."

Allerdings wurde Bottas Opfer der Strategie. Hamilton profitierte von einem Boxenstopp unter dem Safety-Car. "Manchmal hat man Pech und manchmal Glück. Aber ich denke, das gleicht sich aus. Wir werden sehen. Ich komme mit einem guten Gefühl in dieses Rennwochenende. Ich werde wieder alles geben und nicht zu viel über die Vergangenheit nachdenken."

Mercedes reagiert auf Kühlproblem mit Aero-Update

Enttäuscht sei er "natürlich" gewesen nach dem verlorenen Sieg in Großbritannien. Das sei allerdings nicht in seiner Macht gelegen. "Das musst du dann runterschlucken und das braucht seine Zeit, aber ich würde nicht sagen länger als zuvor."

Ist sein Teamkollege auch der Mann, den es auf dem Hockenheimring zu schlagen gilt? "Das ist eine ganz andere Strecke, es soll sehr heiß werden", weiß Bottas. Zuletzt in Spielberg kämpften die Silberpfeile besonders unter der Hitze und der Höhenlage.

"Wir wissen, dass unser Auto bei warmen Bedingungen nicht gerade am effizientesten arbeitet. Wir haben aber ein paar neue Teile für die Kühlung, außerdem insgesamt ein neues Aero-Paket, das uns generell mehr Performance im Auto bringen sollte", blickt er zuversichtlich auf den Rennsonntag, der deutlich kühler ausfallen sollte als der Freitag.

Außerdem liegt Hockenheim 500 Meter Seehöhe niedriger als Spielberg, daher könnte Mercedes die Kühlprobleme einfacher in den Griff bekommen. Bottas' Ziel für das Heimrennen des Herstellers ist klar: "Das Rennen gewinnen."

Er hofft auf seinen dritten Sieg in dieser Saison. Damit könnte er seinen Rückstand auf zumindest 32 Punkte vor dem Ungarn-Grand-Prix reduzieren. "Wir kommen jetzt zur Halbzeit der Saison, das bedeutet, dass es noch fast 300 Punkte zu holen gibt. Das ist ganz schön viel. Es gibt also keinen Grund, den Traum schon aufzugeben."

Mit Bildmaterial von LAT.

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