Dieser Rekordtransfer kann die Bundesliga verblüffen

Martin Hoffmann
Sport1

Er war der Vorgänger von Erling Haaland, dem großen Transfer-Coup von Borussia Dortmund. Nun hat er dasselbe vor wie sein Nachfolger: in der Bundesliga durchzustarten.

Munas Dabbur, mehrere Jahre lang Leistungsträger bei Red Bull Salzburg, wechselt vom FC Sevilla zur TSG Hoffenheim, die Sinsheimer sollen dafür die klubinterne Rekordablöse von 12 Millionen Euro bezahlt haben. Ein Deal, über den sich auch Bundesliga-Legende Andreas Herzog freut, Dabburs Trainer in der israelischen Nationalmannschaft.

"Er wird in Hoffenheim sehr gut reinpassen", sagt der frühere Mittelfeldregisseur von Werder Bremen und dem FC Bayern München im Gespräch mit SPORT1.

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Der 27 Jahre alte Dabbur will bei seinem neuen Klub an seine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte anknüpfen - die zuletzt allerdings ins Stocken gekommen ist.

Tor-Garant für Marco Rose in Salzburg

Der in Nazareth, der biblischen Vaterstadt Jesu, geborene Dabbur spielt seit 2014 im europäischen Ausland. Damals war er von Maccabi Tel Aviv zu den Grasshoppers nach Zürich gewechselt, wo er in 95 Spielen in der Schweizer Super League 48 mal traf und 2016 Torschützenkönig wurde. Zwei Jahre danach zog es ihn nach Salzburg, wo er nach Anlaufschwierigkeiten (und einer kurzen Leihe zurück nach Zürich) ebenfalls zum Leistungsträger avancierte.

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Dabbur wurde dreimal österreichischer Meister, zweimal Torschützenkönig, knipste in 128 Pflichtspielen für die Salzburger 72 Mal. In der Saison 2017/18 leistete er auch entscheidenden Beitrag zum überraschenden Einzug der damals von Marco Rose trainierten Salzburger ins Halbfinale der Europa League. Unter anderem schoss Dabbur für Salzburg das erste Tor beim 4:1-Sieg gegen Lazio Rom im Viertelfinale, mit dem sein Team die 2:4-Hinspielpleite wettmachte.

"Er ist nicht nur Torjäger, sondern auch extrem spielstark", schwärmt Herzog. Dabbur sei "sehr kombinationssicher, sehr kreativ, sehr schwer auszurechnen, weil er immer wieder Ideen hat, die nicht vorhersehbar sind. Man muss dann nur auch den einen oder anderen Ballverlust akzeptieren. Aber dafür kreiert er dann auch wieder Situationen, mit denen kein Verteidiger rechnet."

Gerade auch die Arbeit mit dem inzwischen bei Borussia Mönchengladbach gelandeten Rose habe ihm zusätzlich gut getan: "Er ist durch die Red-Bull-Schule gewohnt, Angriffspressing zu spielen, ist läuferisch sehr, sehr stark, immer viel unterwegs und anspielbar."


Großes Pech beim FC Sevilla

Im Sommer zog es Dabbur zum FC Sevilla nach Spanien, der Deal erwies sich jedoch als Missverständnis: Regelmäßige Spielzeit bekam Dabbur beim spanischen Tabellenvierten nur in Pokal und Europa League, wo sein Klub mit Qarabag Agdam, APOEL Nikosia und F91 Düdelingen (Aserbaidschan, Zypern, Luxemburg) eine leichte Gruppe erwischt hatte.

Dabburs Pech: Die sportliche Führung Sevillas, die ihn verpflichtet hatte, war nicht mehr da, als er dort ankam. Trainer Pablo Machin wurde im Frühjahr 2019 wegen Erfolglosigkeit entlassen, auch der an Leukämie erkrankte Sportdirektor und Interimscoach Joaquin Caparros wurde von seinen Aufgaben entbunden.


Der frühere Real-Madrid-Coach Julen Lopetegui, der im Sommer übernahm, ließ Dabbur links liegen und setzte auf seine eigenen Einkäufe. Als Mittelstürmer spielte meist der frühere Gladbach-Flop Luuk de Jong, den Sevilla noch vom PSV Eindhoven losgeeist hatte.

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"Das war für ihn schwierig, er war direkt auf dem Abstellgleis", sagt Herzog: "Aber obwohl er wenig Spielpraxis hatte, hat er in der Nationalmannschaft immer sehr gut gespielt." Dabburs Marktwert ist durch das missratene Halbjahr in Spanien gesunken, im Sommer hatte ihn sich Sevilla noch 17 Millionen Euro kosten lassen.

Munas Dabbur verlor früh seinen Vater

Herzog ist sicher, dass Dabbur gefestigt genug ist, dass ihn der Rückschlag nicht aus der Bahn werfen wird. Man muss auch wissen, dass Dabbur in seinem Leben auch schon viel schlimmere Dinge widerfahren sind als ein verlorener Kampf um einen Stammplatz.

Als Jugendlicher verlor Dabbur seinen Vater, der 2009 bei einem Autounfall ums Leben kam. Einen prägenden Einfluss auf sein Leben hatte auch sein ethnischer Hintergrund: Als arabischstämmiger und muslimischer Israeli hat Dabbur in seinem Heimatland - dessen konfliktreiche Beziehung mit der arabischen Welt auch im Alltag tiefe Spuren hinterlassen hat - nach eigenen Angaben viel Diskriminierung erlebt. Näher ausführen wollte er das heikle Thema in der Öffentlichkeit aber nie.

Weil Dabbur es geschafft hat, sich nach oben zu kämpfen, gilt er inzwischen als Vorbild und Identifikationsfigur. "Er hat in Israel jetzt einen sehr guten Stelllenwert und hat sich das auch verdient", sagt Herzog: "Er ist der israelische Spieler, der international am meisten auf sich aufmerksam gemacht hat."

Nun rechnet der Coach fest damit, dass er auch in der Bundesliga den Durchbruch schaffen wird: "Ich denke nicht, dass er Anpassungsschwierigkeiten hat, er hat sich auf internationalem Niveau bewiesen. In Hoffenheim wissen sie, was sie an ihm haben werden."

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