Rennen in Saudi-Arabien bestätigt: Nachtrennen im November 2021

Maria Reyer
·Lesedauer: 4 Min.

Die Formel 1 wird 2021 zum ersten Mal ein Rennen in Saudi-Arabien austragen, das wurde am Donnerstag von Liberty Media bestätigt. In der kommenden Saison wird die Königsklasse ein Nachtrennen auf einem Stadtkurs in Jeddah fahren.

Das Formel-1-Management bezeichnet den Deal mit dem saudi-arabischen Automobilclub als "langfristige Partnerschaft". Das Rennen soll zunächst in den kommenden zwei Jahren auf einem Straßenkurs - das konkrete Layout ist noch nicht bekannt - stattfinden.

Ab 2023 ist geplant, dass das Rennen auf den neu erbauten Kurs in Qiddiya übersiedelt. Die Pläne sind bereits seit längerer Zeit bekannt, die Teams wurden im Vormonat informiert. Das Event wurde außerdem bereits in einen ersten Entwurf des Kalenders für 2021 inkludiert.

"Sportswashing": Kritik von Menschenrechtsorganisation

Bereits in dem ersten provisorischen Kalender wurde ein Slot Ende November für das neue Rennen vorgesehen, in der Bestätigung am Donnerstag wird ein Datum im November bestätigt. Es wird davon ausgegangen, dass das Rennen in Jeddah eine Woche vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi stattfinden wird. Der gesamte Kalender wird "in den kommenden Wochen" veröffentlicht werden.

"Wir freuen uns, Saudi-Arabien 2021 willkommen zu heißen", kommentiert Chase Carey die Bestätigung. Der Wüstenstaat sei ein Land, das in den vergangenen Jahren sehr schnell zu einer "Drehscheibe für Sport und Unterhaltung" geworden sei, so der Formel-1-Boss.

Die Region im Nahen Osten sei "sehr wichtig" für die Formel 1, weiß Carey, denn "70 Prozent der Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt". Das zeige das große Potenzial, neue Fans zu gewinnen und dem bestehenden Publikum in aller Welt spannende Rennen von einer "unglaublichen und historischen Ortschaft" zu liefern, so der Manager.

Das Event wird laut der Bestätigung das zweite Nachtrennen der Königsklasse, nach Singapur. Die Annäherung der Königsklasse an das streng muslimische Land hat bereits vor Jahren begonnen, seit dieser Saison ist der staatliche Ölkonzern Aramco großer Partner der Formel 1 und Hauptsponsor mehrere Rennen.

Die Entwicklung wird allerdings kritisch gesehen, etwa von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Denn die Monarchie ist bis heute eines der Länder mit den meisten Hinrichtungen und Folterungen weltweit. Rechte von Frauen und Minderheiten werden untergraben und Kritiker verfolgt und eingeschüchtert.

Deshalb hat Amnesty erst in der Vorwoche ein Statement zum Formel-1-Rennen veröffentlicht, in dem vor "Sportswashing" gewarnt wurde. Liberty Media hat darauf in einem Statement reagiert und betont: "Jahrzehntelang hat die Formel 1 hart gearbeitet, um überall, wo gefahren wird, eine positive Kraft zu sein, einschließlich wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Vorteile."

Grand Prix "wird das größte Sportevent des Landes"

Sport habe die Fähigkeit, Grenzen und Kulturen zu überwinden und Länder und Gemeinschaften zu vereinen, so Liberty. "Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst und haben unsere Position zu Menschenrechten und anderen Fragen allen unseren Partnern und Gastgebern deutlich gemacht."

Diese verpflichten sich, die Menschenrechte zu respektieren und dies auch in die Ausrichtung und Durchführung der Veranstaltungen einfließen zu lassen, heißt es vom Formel-1-Management. Die Königsklasse ist nicht die erste Motorsportserie, die in Saudi-Arabien gastieren wird.

Bereits in den vergangenen zwei Jahren trug die Formel E Rennen in dem Wüstenstaat aus, auch die Rallye Dakar wurde im Vorjahr auf der arabischen Halbinsel veranstaltet. Außerdem hat sich das Königshaus andere prestigeträchtige Sportarten ins Land geholt, darunter auch Fußballspiele, Boxkämpfe oder Tennisturniere.

"Der heutige Tag ist in jeder Hinsicht bahnbrechend", sagt Prinz Khalid Bin Sultan Al Faisal, der Präsident des saudischen Automobil- und Motorradverbandes. "Ich bin fest davon überzeugt, dass der Große Preis von Saudi-Arabien das größte Sportereignis in der Geschichte unseres Landes sein wird."

Das Rennen habe das "Potenzial, Leben und Wahrnehmungen zu verändern und ein neues Publikum und neue Gemeinschaften wie nie zuvor zu erreichen. Die Ikonen des Sports und historische Mannschaften in Saudi-Arabien vor jungen Fans und Familien fahren zu lassen, ist wirklich ein Gamechanger."

Das Land verfüge zwar über keine allzu reiche Motorsporthistorie, jedoch habe man sich in kurzer Zeit den Ruf erarbeitet, "internationale Weltklasse-Veranstaltungen, wie die Formel E oder Rallye Dakar, abzuhalten". Die Bevölkerung freue sich bereits darauf, "ihre Helden" im November 2021 zu sehen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.