Rennfahren mit Mandelentzündung: Latifis persönlicher Horror-Grand-Prix

Norman Fischer
·Lesedauer: 3 Min.

Hinter Nicholas Latifi liegt eine turbulente Debütsaison in der Formel 1. Dreimal konnte der Williams-Pilot auf Platz elf fahren und verpasste seine ersten Punkte damit nur knapp. Allerdings gibt es auch zwei Rennen, die 2020 negativ für ihn herausgestochen sind - aus unterschiedlichen Gründen. Am schlimmsten war für ihn wohl das Rennen in Spanien, wie er verrät.

Der Kanadier hatte sich in Barcelona eine unangenehme Mandelentzündung eingefangen, die ihm starke Probleme bereitete. "Zuerst hatte ich die Sorge, dass ich COVID habe, weil ich leichtes Fieber hatte", verrät er in einem Rückblick auf seiner persönlichen Website. "Aber nach vielen, vielen negativen Tests konnte das ausgeschlossen werden."

Trotzdem fühlte sich Latifi das gesamte Wochenende über schrecklich. "Mein ganzer Körper hat wehgetan, und ich wäre fast nicht zum Rennen angetreten." Doch Latifi wollte unbedingt starten und vereinbarte mit seinem Williams-Team, dass er in die Box kommen sollte, sollten seine Symptome schlimmer werden.

Schmerzen bei 9 von 10

"Glücklicherweise fühlte ich mich im Rennverlauf etwas besser, auch wenn mein Rachen große Schmerzen verursacht hat. Es war eine Neun von zehn jedes Mal, wenn ich schlucken musste", so der Kanadier. "Aber ich war froh, dass ich trotzdem ins Auto gestiegen und das Wochenende absolviert habe." Am Ende schloss Latifi den Grand Prix als 18. ab.

Sein zweites Horrorwochenende erlebte er in Portugal, wo Williams ein paar Modifikationen an seinem Auto vorgenommen hatte. "Es war nicht unbedingt ein Upgrade, sondern nur ein paar Veränderungen am Chassis, von denen wir gehofft haben, dass sie etwas besser sein würden. Aber in Wahrheit war es überhaupt kein Schritt", meint er.

"Die Änderungen waren nur an meinem Auto und ich musste sie den ganzen Freitag fahren. Weil ich keine Referenzen bekam, war der Tag im Grunde für die Tonne. Zumindest haben wir besser verstanden, was nicht funktioniert hat."

Wenn Größe nicht von Vorteil ist

Für den Samstag ging das Team wieder zum Standard-Paket zurück und das Auto wurde um das Ersatzchassis wieder aufgebaut. Sportlich hatte Latifi damit einen schwierigen Stand, denn er hatte nicht genügend Zeit, um zu lernen, wie sich das Auto auf dieser neuen Strecke verhält. Das sollte jedoch nicht das größte Problem werden.

"Das Ersatzchassis war eines von George", verrät Latifi. Das heißt, dass etwa auch die Positionen der Anschnallgurte auf Teamkollege Russell eingestellt waren. "Aber weil ich größer bin als er, hatte ich ab Runde 20 ein extrem schmerzhaftes Rennen. Alles zusammengenommen war das das vielleicht schlimmste Wochenende - und hat definitiv keinen Spaß gemacht."

Latifi hat die Formel-1-Saison 2020 als 21. abgeschlossen und als einziger Stammpilot keinen Punkt holen können. Allerdings wäre er wahrscheinlich vor Teamkollege George Russell in der Fahrer-WM gelandet, wenn dieser in Sachir nicht für Mercedes hätte fahren dürfen, was ihm seine ersten Punkte in der Formel 1 eingebracht hatte.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.