Restaurant in Minneapolis niedergebrannt - doch der Besitzer steht hinter den Protesten

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Zerstörte Gebäude in der East Lake Street im Zentrum der Proteste in Minneapolis (Bild: AP Photo/John Minchillo)
Zerstörte Gebäude in der East Lake Street im Zentrum der Proteste in Minneapolis (Bild: AP Photo/John Minchillo)

Für das Gandhi Mahal Restaurant in Minneapolis war es schon der zweite Schicksalsschlag innerhalb weniger Monate: Erst musste das Familienunternehmen aufgrund Corona-Epidemie schließen und konnte nur noch einen Mitnahmeservice anbieten. Dann fand es sich im Epizentrum der Proteste wieder, nachdem ganz in der Nähe George Floyd in Polizeigewahrsam getötet wurde.

Nach tagelangen Auseinandersetzungen zwischen antirassistischen Demonstranten und der massiv vorgehenden Polizei trat Ende letzter Woche der Moment ein, vor dem sich jeder Geschäftsbesitzer fürchtet: Das Gandhi Mahal ging in Flammen auf. Eigentümer Ruhel Islam trug den Verlust jedoch mit Fassung: “Lasst mein Gebäude brennen. Der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden, steckt diese Beamten ins Gefängnis”, zitierte ihn seine Tochter Hafsa, als sie auf Facebook die Kundschaft des Restaurants über den Vorfall informierte.

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“Macht euch keine Sorgen um uns, wir werden es wieder aufbauen und uns erholen”, schrieb die 18-Jährige und bedankte sich bei den Nachbarn, die versucht hätten, das Restaurant zu schützen. “Das Leben ist wertvoller als alles andere”, erklärte ihr Vater kurz nach dem Brand “Buzzfeed”. “Wir können ein Gebäude wieder errichten. Aber wir können diesen Mann nicht seiner Familie zurückgeben.”

“Mein Herz ist gebrochen”, kommentierte Ruhel Islam die Zerstörung seines Lokals. Doch für den Restaurantbesitzer, der in seiner Jugend in Bangladesch selbst einen Polizeistaat erlebt hatte, ist klar, wer Schuld an der Eskalation trägt: Die Behörden. “Sie hätten das stoppen können. Sie müssen die Polizisten einsperren. Das hätte vor zwei, drei Tagen gelöst werden können.” Bisher wurde von vier an Floyds Tod beteiligten Beamten lediglich Officer Derek Chauvin, der auf Handyaufnahmen als Haupttäter zu sehen ist, verhaftet und wegen Mordes dritten Grades angeklagt.

Familie Islam steht mit ihrer Haltung nicht alleine da. Auch viele andere örtliche Ladenbesitzer solidarisieren sich trotz drohenden oder bereits eingetretenen Schäden mit den Demonstranten und der Schwarzen Community.

Die Eigentümer des Buchladens Moon Palace appellierten an ihre Unterstützer, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, um das Geschäft zu schützen. “Die Dinge, die in unserem Gebäude zerstört oder beschädigt werden könnten, sind nur Dinge, aber euer Leben ist unbezahlbar, genauso wie George Floyds Leben unbezahlbar war.” Unterdessen untersagten sie der Polizei, den Parkplatz des Geschäftes als Sammelpunkt zu nutzen.

Auch Therapeutin Sulekha Ibrahim bekräftigte ihre Unterstützung der Demonstranten, nachdem ihre Praxis ausgebrannt war: “Als Geschäftsbesitzerin, die einer Minderheit angehört, unterstütze ich die Mitglieder unserer Gemeinschaft, die Gerechtigkeit für George Floyd und andere Opfer von Polizeigewalt fordern”, schrieb sie in einem Spendenaufruf für den Wiederaufbau auf Instagram.

Im Gegenzug erleben auch die Geschäftsbetreiber eine breite Welle der Solidarität. Nachdem sich herausstellte, dass ihre Versicherung nicht alle Schäden abdecken würde, startete auch Familie Islam eine Spendenaktion für den Erhalt des Restaurants, bei der innerhalb weniger Tage bereits über 100.000 US-Dollar zusammenkamen. Was davon nicht für die Renovierung benötigt wird, soll wiederum in andere Hilfsprojekte in der Gemeinde fließen.

Video: Bruder von George Floyd ruft zu friedlichen Protesten auf

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