Revival einer spektakulären Trainer-Feindschaft

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Revival einer spektakulären Trainer-Feindschaft
Revival einer spektakulären Trainer-Feindschaft

Ein weltberühmter Landsmann und Trainerkollege nannte sich selbst “The Special One”. Er bekam einst den Spitznamen “The Special Two” verpasst.

Am heutigen Mittwochabend will einer der schillerndsten, erfolgreichsten und am meisten berüchtigten Trainer Südeuropas den Grundstein für seine Rückkehr in die Champions League legen – und muss dazu an einem alten Rivalen vorbei.

Benfica aus Lissabon mit den deutschen Ex-Nationalspielern Julian Weigl und Luca Waldschmidt zu Gast bei Spartak Moskau: Das Drittrunden-Duell in der Königsklassen-Qualifikation ist das Aufeinandertreffen zweier Teams, deren Heimatstädte rund 4500 Kilometer von einander entfernt liegen, die aber eine besondere Geschichte verbindet.

Jesus im Duell mit Vitoria

Jorge Jesus, der extrovertierte Benfica-Coach, trifft auf Rui Vitoria, einen anderen früheren Meistertrainer der Traditionsklubs, der einst sein Nachfolger war – ehe Jesus den vielleicht spektakulärsten Jobwechsel in der Geschichte des portugiesischen Fußballgeschichte hinlegte. Und sich infolgedessen einen Erzrivalen schuf.

Es war das Jahr 2015, Jesus war nach seinem dritten Meistertitel mit Benfica auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Coach, als er einen damals völlig überraschenden Entschluss fasste.

Jesus nahm einen neuen Job beim Klub seiner Jugend an, mit dem er sich verbunden fühlte: Sporting, den Lissabonner Lokalrivalen.

Einen Trainertausch zwischen den beiden Klubs hatte es bis dahin noch nie gegeben, er erschien ähnlich undenkbar wie der fliegende Wechsel eines Dortmunder Coachs nach Gelsenkirchen. Aber Jorge Jesus scherte sich nicht um die Etikette. Das tut er generell selten.

Jesus mit dem Beinamen “Special Two”

Der 67 Jahre alte Altmeister mit den langen Haaren ist ein emotionaler Hitzkopf, bekannt für seine feurigen Einlagen an der Seitenlinie und sein überbordendes Selbstvertrauen – oder wahlweise seine Egomanie, wie Kritiker es nennen.

Den Beinamen “Special Two” in Anlehnung an José Mourinho gab Jesus Miguel Machado, ein anderer Trainerrivale. Er war nicht als Kompliment gemeint.

Rui Vitoria brachte Jesus unter anderem damit gegen sich auf, als er ihm nach seinem Benfica-Abgang 2015 vorwarf, von nichts anderem als von seiner Vorarbeit zu zehren.

“Die Ideen, die da sind, sind alle meine”, befand er: “Ich bin zu Sporting gekommen und habe alles geändert. Bei Benfica ist das Gehirn nicht mehr da.”

Vitoria strafte diese Einschätzung Lügen, als er 2016 und 2017 mit Benfica Meister wurde. Und für Jesus’ Abschätzigkeiten rächte sich der an sich auf ein ruhigeres Naturell setzende Übungsleiter auf seine Weise.

Vitoria rächt sich: “Popcornverkäufer” wichtiger als Jesus

Als er nach dem Titel 2016 auf Jesus angesprochen wurde, antwortete er mit einer langen Liste all der Menschen, die ihn mehr kümmern würden: Auf 1 und 2 seine Spieler und seine Familie, dann nach diversen anderen Nennungen “auf Platz 77 der Popcornverkäufer bei einer Party, auf der ich neulich war” und schließlich auf Platz 90 der namentlich nicht erwähnte “Trainer von Benfica”.

Den portugiesischen Fans bot die Rivalität drei Jahre bestes Popcorn-Kino, auch wegen der gegensätzlichen Herangehensweisen auf dem Platz.

Vitoria ist eher ein Defensivtaktiker, Jesus anders als Geistesbruder “Special One” ein Mann der Offensive, der zu Beginn seiner Karriere den Voetbal Total von Johan Cruyff studierte und ihm nacheiferte. (Bericht: Wie Johan Cruyff den Fußball neu erfand)

Die Rivalität endete im Jahr 2018, als Jesus Sporting unter turbulenten Umständen verließ: Nach der verpassten CL-Qualifikation seines Teams stürmten maskierte Hooligans die Umkleide und fügten unter anderem dem früheren Wolfsburger Bas Dost Kopfverletzungen zu.

Jesus wieder zurück bei Benfica

Jesus erwirkte aus Protest seine Vertragsauflösung, sein Weg führte ihn zwei Jahre später zurück zu Benfica – wo Vitoria 2019 nach einer Misserfolgsserie entlassen worden war.

Das unverhoffte Wiedersehen ist von beiden Seiten bislang diplomatisch kommentiert worden. “Ich kenne Benfica, sie kennen mich”, sagte Vitoria nach der Auslosung, Vertreter Benficas äußerten sich praktisch wortgleich.

Es bleibt abzuwarten, ob das Revival der alten Feindschaft so unterkühlt bleibt – oder nochmal so heiß wird wie zu ihren besten Zeiten.

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