Revolution 2022! So reagiert die Formel 1 auf die Coronakrise

Christian Paschwitz
Sport1

Die Ausfall-Liste wird länger, die Strippenzieher hinter den Kulissen zusehends nervöser – und der Kampf mit den Überresten des Kalenders immer verzweifelter: 

Im Würgegriff der Coronakrise suchen die Formel 1 und ihre Verantwortlichen fieberhaft nach Lösungen, um eine Saison zu retten, die schon vor ihrem Start SOS funkt.


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Die von der Pandemie ausgelöste Absagenflut erfasst vermutlich viel mehr als die ersten drei Saisonrennen in Australien, Bahrain und Vietnam. Auch Zandvoort (3. Mai), Barcelona (10. Mai) und Monaco (24. Mai) stehen auf der Kippe, liegen zudem sowohl zeitlich als auch geografisch ungünstig. China war sowieso längst gestrichen.

Immerhin hat der Automobil-Weltverband FIA nun in einem ersten Schritt die Sommerpause nach vorne verlegt und dadurch die Möglichkeit geschaffen, den Kalender nach den Rennabsagen neu zu sortieren.

Doch viele Details bleiben offen - SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet die vorverlegte Sommerpause?

Zunächst einmal allein einen Zeitgewinn. Die ursprünglich für Juli und August geplante Sommerpause wird auf März und April vorgezogen und zudem von 14 auf 21 Tage erweitert. Angesichts der Ungewissheit über das Ende der globalen Corona-Bedrohung lässt sich aber keineswegs seriös prognostizieren, wann tatsächlich wieder gefahren wird.

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Auch wenn Ross Brawn kürzlich sagte: "Wir wollen diese Saison wieder aufbauen, wir wollen von den verlorenen Rennen so viele wie möglich zurückholen." Der F1- Sportdirektor gesteht jedoch ebenso ein: "Wir müssen aber auch realistisch sehen, was möglich ist und was nicht."

Mögliche Idee daher: Den Rennkalender durch den späteren Saisonstart bis Januar 2021 weiterlaufen zu lassen. Der Saisonstart 2021 könnte dann ebenfalls etwas nach hinter verschoben werden.

Wie überbrücken die Rennställe die Zwangspause?

Die Formel 1 wird  den Teams Urlaub verordnen, den sie sonst im Sommer genießen. Ferrari hat seine Fabrik in Maranello bereits geschlossen, weil Italien landesweit den Shutdown vollzieht.

Weitere Unternehmungen dürften folgen, selbst wenn die meisten davon in England vorerst noch weiterarbeiten. Die Hoffnungen von FIA-Präsident Jean Todt ("Ich hoffe, dass wir dadurch in den kommenden Wochen wieder ein normales Leben führen können") erscheinen – Stand heute – jedenfalls unrealistisch.   

Wird die Regel-Revolution auf 2022 verschoben?

Darauf läuft es offenbar hinaus. Wie motorsport-total berichtet, werden die F1-Bosse bereits Ende dieser Woche darüber beraten, ob die ursprünglich für das kommende Jahr angekündigten Maßnahmen um ein Jahr nach hinten verschoben werden.


Laut den Vorstellungen mancher Teamchefs soll die Aero-Entwicklung aber weiterlaufen dürfen. Unklar indes ist, inwieweit die Entwicklung für das neue Reglement ab dem kommenden Jahr bereits unter die Budgetobergrenze von 175 Millionen Dollar fallen wird.

In der jetzigen Saison wiederum könnten die Team Geld sparen, weil sie nicht parallel zwei Autos entwickeln müssten. Was auch bedeutet: In der nächsten Saison würde noch mal mit den Boliden von 2020 gefahren werden.

Können die Teams ihre Autos trotzdem weiterentwickeln?

Bislang haben sich die Teams darauf geeinigt, in den nächsten eineinhalb Wochen die Arbeit ruhen zu lassen. Darüberhinaus gibt es aber keine weiteren Vorschriften.

"Die Teams, die nach den Testfahrten noch aufholen mussten, haben jetzt genügend Zeit, um neue Teile zu produzieren", meint F1-Experte Marc Surer bei SPORT1.

Mögliche Folge wäre ein anderes Kräfteverhältnis: "Man hat zwar keine Testfahrten, aber alle Daten und hat die anderen Autos gesehen", meint Surer: "Jetzt werden im Windkanal die Teile kopiert und geschaut, was wirklich etwas bringt."

Was bedeuten die Absagen finanziell für die Teams?

Die Löhne werden vorerst weiterhin bezahlt, leiden muss also niemand. Allerdings: Weil Preisgelder immer erst im Folgejahr ausgezahlt werden, stellt sich auch erst 2021 heraus, ob es zu Pleiten kommt.

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"Wenn die kleinen Teams weniger Preisgeld erhalten aufgrund von Ausfällen, kann ihnen das schon wehtun", schätzt Surer ein. Zumal sie teilweise bis zur Hälfte von diesen Einnahmen leben.

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