Roger Federer: Verneigt Euch vor The Gr8est!

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Roger Federer hat zum achten Mal Wimbledon gewonnen und seiner fantastischen Karriere die Krone aufgesetzt. Dabei schien es, als hätte ihn seine Sportart zwischenzeitlich überholt. 

Roger Federer steht nach seinem Wimbledonsieg bei mittlerweile 19 Grand-Slam-Titeln

 

Es war kein großes Finale. Keine epische Schlacht, kein Fünfsatz-Krimi, der die Zuschauer von den Sitzen riss. Dafür war Marin Cilic nicht stark genug und obendrein nicht fit genug. Aber es benötigt im Sport nicht immer ein Drama, damit ein Ereignis in Erinnerung bleibt, damit Geschichte neu geschrieben wird.

Roger Federer hat am Sonntag zum achten Mal Wimbledon gewonnen, öfter als jeder andere Spieler bei 131 Auflagen der legendären Rasenveranstaltung im Londoner Süden. Bislang hatte sich Federer Rang eins mit Pete Sampras teilen müssen. Auf seinem Weg zum achten Titel gab Federer nicht einen Satz ab; das gab es in der Grand-Slam-Geschichte erst zweimal, seit Tennis mit dem Beginn der “Open Era” im Jahr 1968 professionelle Strukturen bekam.

Mit 35 Jahren ist Federer zudem der älteste Sieger bei einem der vier großen Turniere und das bereits zum zweiten Mal. Im Januar hatte er bei den Australian Open die Zeit zurückgedreht und seinen ersten Grand-Slam-Titel seit 2012 geholt.

McEnroe: Entwicklung an Federer vorbeigegangen

Es hätte die Grand-Slam-Titel 18 und 19 in diesem Jahr nicht gebraucht, um Federer in die Kategorie der größten Sportler aller Zeiten zu hieven; in diesem illustren Kreis hat er schon lange seinen Platz. Was Federer von den allermeisten der ganz Großen des Sports unterscheidet, ist dieses außergewöhnliche Comeback.

Aus Federer war kein Mitläufer geworden, der es alle paar Monate mal in ein Finale schafft. Er blieb auch ohne die ganz großen Titel eine Nummer im Welttennis. Aber die Zahl derer, die an seiner Wettbewerbsfähigkeit zweifelten, wurde in den letzten Jahren immer größer. John McEnroe sagte nach Federers Halbfinal-Aus in Wimbledon 2016: “Die Entwicklung im Tennis ist an Federer ein wenig vorbeigegangen. Er ist nicht mehr stark genug für die großen Titel.”

Federer selbst war immer von seinen sportlichen Fähigkeiten überzeugt, dem mentalem Druck aber zwischenzeitlich nicht mehr gewachsen. “Ich hatte das Gefühl, die Leute nur noch enttäuschen zu können. Das nahm Ausmaße an, die ich als nicht mehr normal empfand”, sagte er dem Magazin Stern vor Beginn des diesjährigen Wimbledon-Turniers.

Windeln wechseln war mal

Eine Knieverletzung zwang ihn Mitte 2016 zu einer längeren Pause. Federer sagte alle Turnierteilnahmen im zweiten Halbjahr ab. Er nutzte die Zeit, um seinen Beruf aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Tennis sollte im Spätherbst seiner Karriere in erster Linie Spaß machen. Der einst so erfolgsbesessene Federer reduzierte die Anzahl seiner Turniere (Federer ließ in diesem Jahr u.a. die French Open aus), achtete stattdessen auf Erholungspausen für seinen Körper.

Auch im Privatleben ging Federer die Dinge gelassener an. “Bei den Mädchen habe ich extrem viel gemacht. Windeln wechseln, gebadet, Nächte geholfen, aber bei den Buben habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr mitkomme. Ich habe zu viel Energie verpufft”, so Federer.

The Gr8test

Lockerheit als Erfolgsrezept – bei Federer ging die Formel auf. Sein Spiel war immer gut genug für große Siege; niemand aus der Riege Djokovic/Murray/Wawrinka/Nadal kam je an seine Genialität und seine Leichtfüßigkeit auf dem Platz heran. Sein Spielstil hat ihn vor schweren Verletzungen bewahrt; wo andere auf die Bälle prügeln, verblüfft Federer nach wie vor mit muskelschonender Geschmeidigkeit.

“Fed’s the Gr8test”, schrieb das Boulevardblatt Sun, die Times nannte ihn “das achte Weltwunder”. Dabei geht es nicht um den Sensationswert seines achten Triumphes an der Church Road. Es ist die berechtigte Verbeugung vor der Leistung eines der größten Sportler aller Zeiten.

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