Romain Grosjean: Für mich okay, wenn alle Videos veröffentlicht werden

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 2 Min.

Nach dem schrecklichen Feuerunfall von Romain Grosjean beim Grand Prix von Bahrain 2020 war die Erleichterung groß, dass sich der Franzose aus dem brennenden Wrack befreien konnte und mit vergleichsweise leichten Verletzungen davonkam. Doch unter die Erleichterung mischte sich schnell auch Ärger und Kritik.

Diese richtete sich vor allem gegen die vielen Replays von Grosjeans Unfall im TV, die einige Fahrer - darunter Daniel Ricciardo - öffentlich anprangerten. Der Geschädigte selbst kann den Einspielern hingegen durchaus Positives abgewinnen.

"Ich denke, es muss alles untersucht werden, aber in der Zukunft bin ich nicht dagegen, dass dieses Filmmaterial ausgestrahlt wird", sagt Grosjean. "So können wir jeden Rennfahrer darüber aufklären, wie er sich in einem solchen Moment verhalten soll." Damit bezieht er sich auch auf die gemachten Onboard-Aufnahmen.

Grosjean sieht sich als "Königs des Aussteigens"

"Natürlich gibt es Regeln, wann und wie wir diese teilen. Aber ich hoffe, dass wir eines Tages damit arbeiten und jeden aufklären können. Ich habe schon mit Ayao Komatsu, unserem Chefingenieur gewitzelt: Wenn ich in die Formel 1 zurückkehren sollte, brauche ich keinen Aussteigetest machen. Ich bin schließlich der König darin."

Für jene Fahrer, die an den TV-Replays noch vor dem Restart des Rennens in Bahrain Anstoß nahmen, zeigt Grosjean Verständnis: "Man kann beide Seiten verstehen. Ich denke, für die Fahrer war es in dem Moment zu viel, die Aufnahmen zu sehen."

In dem Zusammenhang erzählt der ehemalige Haas-Pilot auch, dass sein Teamkollege Kevin Magnussen ihn noch am Sonntagabend im Krankenhaus besucht habe. "Obwohl er mich aus dem Auto steigen sah, war sein Gedanke: Es kann nicht möglich sein, dass er nach diesem Aufprall am Leben bleibt", erinnert er sich.

Filmmaterial wichtig, um zu verstehen und verarbeiten

"Soweit ich mich erinnere, war das der größte Unfall, den ich je gesehen habe. Für die Jungs, die zurück ins Auto steigen und das immer wieder sehen müssen, ist das sehr, sehr hart", versetzt sich Grosjean in die Lage seiner Fahrerkollegen.

"Auf der anderen Seite kann man die Formel 1 auch verstehen. Es ist außergewöhnliches Filmmaterial und ich verstehe das. Es dauert lange, die Barrieren wieder aufzubauen, und für die Zuschauer ist es wichtig, das zu verstehen und zu verarbeiten und immer wieder zu sehen, dass ich aus dem Auto springe", erklärt Grosjean.

"Es ist kein Traum, es ist nicht gefälscht, es ist keine Einbildung. Ich verstehe also beide Seiten. Und offensichtlich hat man am Montagmorgen überall auf der Welt in jeder Zeitung auf der Titelseite die Bilder von Romain Grosjean gesehen, wie er in Flammen steht und einfach aussteigt. Insofern denke ich, es war bedeutend."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.