Ronaldos selbsternannter Nachfolger: Das ist André Silva

Patrick Hauser
Sport1

"Wenn ich zurücktrete, ist Portugal in guten Händen. Denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden: André Silva."

Diesen Satz sagte im Juni 2017 kein Geringerer als der größte portugiesische Fußballer aller Zeiten: Cristiano Ronaldo.

Sieben Tore in acht Länderspielen hatte das aus der berühmten Porto-Jugend stammende Talent zu diesem Zeitpunkt erzielt. Für den FC Porto gelangen dem damals 21-Jährigen 35 Scorerpunkte in 58 Spielen, darunter sechs in acht Champions-League-Spielen.

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Traumstart in Mailand und Sevilla

Für den AC Mailand war Silva somit der ideale Mann für den geplanten Großangriff auf die europäischen Schwergewichte, im Sommer 2017 lotsten ihn die Lombarden als Königstransfer für 38 Millionen Euro nach Italien.

Der Mittelstürmer startete überragend, am 1. Spieltag der Europa League traf er gegen Austria Wien gleich drei Mal. Insgesamt gelangen Silva sechs Tore in der Gruppenphase, in der Serie A klappte es mit dem Toreschießen jedoch nicht.

Sein erstes Ligator schoss der Portugiese erst im März des folgenden Jahres, am Ende standen zwei Tore in 24 Ligaspielen - zu wenig für einen Stammplatz und die Ansprüche des einstigen Topklubs.

Milan suchte im Sommer 2018 einen Abnehmer für den 1,84-Meter-Stürmer und fand ihn im FC Sevilla, der sich Silva für vier Millionen Euro Leihgebühr schnappte. Bei den Iberern gelang ihm erneut ein Traumstart, diesmal jedoch in der Liga. Am 1. Spieltag erledigte er Rayo Vallecano mit einem Dreierpack im Alleingang, nach sieben Spielen standen sieben Tore auf seinem Konto - darunter ein Doppelpack beim sensationellen 3:0 gegen Champions-League-Sieger Real Madrid.

Büffelherde ist Geschichte

Dass Sevilla die Kaufoption in Höhe von 38 Millionen Euro zahlt, erschien damals sicher. "Wir sind uns im Klaren, dass wir am Saisonende oder früher von diesem Recht Gebrauch machen werden. Der Spieler wird einen Vertrag für mehrere Spielzeiten erhalten", erklärte Sportdirektor Joaquín Caparrós im vergangenen Herbst.

Wenige Monate später - eine weitere Parallele zu seiner Milan-Zeit - war der Glanz Silvas jedoch auch in Sevilla verblasst. In den folgenden 20 Ligaspielen folgten lediglich zwei weitere Ligatore, das letzte im Januar 2019. Als der Angreifer die letzten zehn Spiele mit Patellasehnenproblemen verpasste, war für Sevilla klar, dass eine feste Verpflichtung nicht in Frage kommt.

Silva kehrte also nach Mailand zurück, hat allerdings auch dort keine Zukunft. Ein Wechsel nach Monaco platzte, auch bei Schalke 04 war er kurzzeitig im Gespräch. Am Deadline Day findet sich dann doch noch ein Abnehmer für den Stürmer - Eintracht Frankfurt. Der Portugiese kommt im Tausch für Superstar Ante Rebic, die "Frankfurter Büffelherde" ist damit nach den Abgängen von Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham) endgültig Geschichte.

Bobic freut sich auf André Silva

"Die Vereine sind sich einig. Wenn alles funktioniert, ist André Silva morgen einen Adlerträger und Rebic in Mailand", sagte Sportvorstand Fredi Bobic am Sonntag bei Sky. Inzwischen ist der Deal auch offiziell - beide Spieler werden auf zwei Jahre ausgeliehen. Silva sei "ein toller Spieler, er wird eine ganz andere Note reinbringen. Wir wollten ja immer mit zwei Stürmern spielen."

Tatsächlich bringt Silva eine andere Komponente ins Frankfurter Spiel ein als der Knipser Bas Dost, der Dribbler Dejan Joveljc oder der wuchtige Goncalo Paciência - besonders im Zusammenspiel mit Dost könnte die Eintracht ein äußerst gefährliches und treffsicheres Sturmduo bilden.

Effektiv und technisch stark

Der 23-Jährige ist agil, hat eine gute Technik und agiert vor dem Tor äußerst effizient. Da er in der Porto-Jugend häufig im zentralen Mittelfeld und auf dem Flügel eingesetzt wurde, ist er zudem nicht auf die Position als "Neuner" festgelegt. Allerdings gilt Silva nicht als besonders schnell, auch die fehlende körperliche Robustheit könnte in der Bundesliga eher zu Problemen führen als in der technisch geprägten spanischen Liga.

In Frankfurt will der Portugiese nun erneut einen Blitzstart hinlegen. Damit Silva zur von Bobic erhofften Verstärkung wird, muss er aber endlich langfristig Konstanz in seine Torquote bringen.

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