Rowe-Teamchef: Ohne klares BMW-Bekenntnis zur DTM kein M6-Einsatz

Sven Haidinger
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Ex-BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt sorgte in Hockenheim mit seinen Aussagen, der geplante DTM-Saisonauftakt 2021 könnte ohne die Münchner über die Bühne gehen, für Aufsehen. Das ist auch Hans-Peter Naundorf, der mit seinem Rowe-Team den Einsatz eines M6 GT3 in Erwägung zieht, nicht entgangen. Der Teamchef zeigt sich "überrascht" - und richtet nun einen Appell an die Münchner.

"Ich persönlich könnte es nicht verstehen, wenn ein deutscher Hersteller - ganz egal welcher - sagt: 'Da mache ich nicht mit'", sagt der Rowe-Teamchef im Gespräch mit 'Motorsport.com'. Und verweist auf die deutlich niedrigeren Kosten als zu Class-1-Zeiten: "Wenn jemand diese Chance nicht sieht, so etwas für so wenig Geld zu tun, dann tut es mir Leid. Das würde bedeuten, dass man Motorsport an sich für nicht mehr marketingfähig hält."

Rowe hat derzeit keinen Vertrag mit BMW für die kommende Saison - und auch die genaue Planung ist noch unklar. Man sei aber generell "dafür offen", mit einem M6 GT3 2021 in der neuen GT3-DTM an den Start zu gehen. "Wir würden das gerne machen. Und wir versuchen derzeit, mit unseren Partnern abzuwägen, was Sinn macht und wer welche Interessen hat", erklärt Naundorf.

"Paydriver-Einsatz nicht unser Anspruch"

"Es hat keinen Sinn, DTM zu machen, wenn nur ein Partner das möchte und man keinen Partner aus der Autoindustrie findet, der das auch befürwortet und fördert." Denn vor allem für Hauptsponsor und Namensgeber Rowe - ein deutscher Mineralölhersteller - sei es grundlegend, dass man ganz vorne mitfährt.

Und das sei in einer DTM nur mit Unterstützung durch ein Werk zu schaffen. "Nur die Werke haben Zugang zu wirklich guten Fahrern" erklärt Naundorf. "Man kann natürlich auch auf einen Paydriver setzen, aber das ist eigentlich nicht der Anspruch der Serie. Und auch nicht unser Anspruch. Dann bist du im Prinzip hintendran."

Abgesehen von Werksfahrern hoffe er auch auf "weitere Unterstützung, weil man davon ausgehen muss, dass auch andere Hersteller das unterstützen werden". Darauf deutete auch die DTM-Videopräsentation im Rahmen des Saisonfinales in Hockenheim hin, bei der die Kundensport-Vertreter von Audi und Mercedes - Chris Reinke und Thomas Jäger - auf der Bühne saßen.

Naundorf fordert Bekenntnis von BMW ein

Zudem fanden Demonstrationsrunden mit den GT3-Boliden der beiden Marken sowie von Ferrari und Lamborghini statt. Von BMW fehlte hingegen jede Spur.

Naundorf glaubt, dass der Einsatz eines BMW M6 GT3 nur mit einem Bekenntnis der Münchner zur neuen DTM Sinn ergeben würde. "Wird das auf Social Media transportiert, wird das gefördert? Gibt es da auch die nötige Kommunikation zwischen der ITR (DTM-Dachorganisation; Anm. d. Red.) und dem Hersteller, um Vertrauen zu schaffen? Dieses Commitment brauchst du, sonst sehe ich es nicht als richtig an, mit einem Auto von so einem Partner teilzunehmen."

Er schließt daher nicht aus, dass das Projekt scheitern könnte. "Sollte sich BMW nicht zur DTM und zu einer Unterstützung bekennen, wie auch immer diese ausschauen könnte, dann würde es für uns als Team keinen Sinn machen, mit BMW-Fahrzeugen in alleiniger Verantwortung und in alleinigem Zutun anzutreten. Das wäre natürlich auch nicht das, was Gerhard Berger möchte. Und was die Serie braucht."

Rowe-Team hat Alternativen zu BMW

Damit wäre das Rowe-Projekt aber nicht gestorben. Denn das Team setzte diese Saison auch den Porsche 911 GT3 R in der SRO-Serie GT-World-Challenge Europe ein - und krönte das Engagement mit dem Sieg beim 24-Stunden-Klassiker in Spa-Francorchamps. Man ist also nicht an die Münchner gebunden und will sich derzeit bei der Planung nicht auf ein Fahrzeug festlegen. "Es geht einfach darum, wie und mit wem wir das, was wir vorhaben, hinkriegen können", sagt Naundorf.

Wann er damit rechnet, dass das Paket geschnürt ist? "Ich glaube nicht, dass das noch dieses Jahr klappt, da durch Corona viele Industriepatner erst jetzt ihre Budgetverhandlungen haben", antwortet er.

Abschließend stellt Naundorf aber noch einmal klar, dass BMW aus seiner Sicht einen Fehler machen würde, wenn man nicht von Anfang an in der neuen DTM dabei ist. Und zwar trotz der Bedenken Marquardts, was den M6 GT3 angeht, der nach der Saison 2021 vom neuen M4 GT3 abgelöst wird.

Naundorf: Warum BMW von Anfang an dabei sein sollte

"Ich halte es für falsch, es nicht zu machen, auch wenn man erst für das nächste Jahr ein vermeintlich besseres Auto dafür hat", sagt er. "Jetzt ist der Zug da, auf den man aufspringen sollte. Da sollte man von Anfang an dabei sein. Denn wenn man später aufspringt, bekommt man selten den roten Teppich ausgerollt. Und es ist immer eine größere Mühe, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen."

Außerdem kann sich Naundorf nicht vorstellen, dass BMW nur wegen der Class-1-Boliden in der DTM am Start war. "Sie haben die DTM lange mitgetragen und davon profitiert. Nur weil das jetzt andere Fahrzeuge sind, sollte man sich nicht komplett abwenden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Marketing die Entscheidung pro DTM nur wegen der Class-1-Auto getroffen hat, sondern weil es eine gute Plattform ist."

Ihm sei auch bewusst, dass das aktuelle GT3-Auto durch die Einstellung der 6er-Serie derzeit kein Serien-Pendant habe, "aber auch das sollte nicht der Grund sein, so etwas nicht zu tun. Man könnte ja trotzdem zeigen, dass die Performance da ist. Außerdem gibt es ja bald ein neues Fahrzeug und eine neue Perspektive. Es würde mich also wundern, wenn sich BMW dagegen entscheidet. Das würde ich als Markertingchef als falsch ansehen, wenn ich weiter in diesem Metier unterwegs sein möchte."

Mit Bildmaterial von Gruppe C.