RTL, Sky und Co.: Die Geschichte der Formel 1 im TV

Ruben Zimmermann
motorsport.com

In Deutschland endet nach der Saison 2020 eine Ära. Mit RTL verabschiedet sich nach 30 Jahren einer der langjährigsten TV-Partner der Königsklasse, und die Formel 1 wird ab 2021 (mit einigen Ausnahmen) in Deutschland nur noch im Pay-TV zu sehen sein. Wir nehmen das als Anlass, um auf die Geschichte der Formel 1 im Fernsehen zurückzublicken.

Wer in Deutschland einen Grand Prix live sehen möchte, der hat dazu aktuell noch drei Optionen. Im Free-TV laufen die Rennen noch bis Jahresende bei RTL, im Pay-TV ist Sky der Anbieter und mit F1 TV gibt es zudem eine Möglichkeit, die Events legal zu streamen. Sky und F1 TV bieten dabei sogar alternative Kanäle und zusätzliche Kameraperspektiven an.

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Ein Luxus, vom dem man in den Anfangsjahren der Königsklasse nur träumen konnte. Von den aufwendigen HD-Produktionen der Neuzeit war man damals noch weit entfernt. Gerade in den ersten Jahren konnte man froh sein, überhaupt Videoaufnahmen der Formel 1 zu sehen. Wir blicken zurück auf die Entwicklung der Königsklasse im TV in den vergangenen 70 Jahren.

Jedes Rennen live: Ein langer Weg ...

Wer sich auf Video-Plattformen wie YouTube umschaut, der wird feststellen, dass dort bereits Aufnahmen vom allerersten Formel-1-Rennen in Silverstone im Jahr 1950 zu finden sind. Allerdings handelt es sich bei den Videoschnipseln, die teilweise sogar bereits in Farbe sind, lediglich um Highlights des Grand Prix und nicht um Bilder einer Live-Übertragung.

In Großbritannien laufen die Rennen seit 2019 live nur noch im Pay-TV

In Großbritannien laufen die Rennen seit 2019 live nur noch im Pay-TV <span class="copyright">Motorsport Images</span>
In Großbritannien laufen die Rennen seit 2019 live nur noch im Pay-TV Motorsport Images

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Tatsächlich wurde in den ersten drei Jahren der Formel 1 kein einziges Rennen live im Fernsehen gezeigt. Die erste Live-Übertragung gab es erst am 18. Juli 1953, als die BBC den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone ausstrahlte. Live-Übertragungen der Rennen im Fernsehen blieben allerdings noch bis in die 1980er-Jahre hinein eine Ausnahme.

Das lag unter anderem daran, dass es in der Zeit vor Bernie Ecclestone keine einheitliche Vermarktung der Formel 1 gab. Während TV-Sender heute komplette Rechtepakete für die gesamte Saison kaufen können, war die Königsklasse noch bis in die späten 1970er-Jahre hinein ein Flickenteppich, was sich erst mit dem ersten Concorde-Agreement im Jahr 1981 änderte.

RTL etabliert die Formel 1 im deutschen Fernsehen

Während der Große Preis von Großbritannien zum Beispiel bereits ab den 1950er-Jahren regelmäßig im TV zu sehen war, brauchten andere Länder teilweise Jahrzehnte, um nachzuziehen. Auch in Deutschland wurden über viele Jahre nicht alle Rennen einer Saison live übertragen, was auch mit der damaligen TV-Landschaft zu tun hatte.

Sky zeigte die Formel 1 erstmals 1996 und wird 2021 exklusiver TV-Partner

Sky zeigte die Formel 1 erstmals 1996 und wird 2021 exklusiver TV-Partner <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Sky zeigte die Formel 1 erstmals 1996 und wird 2021 exklusiver TV-Partner Motorsport Images

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Auch in Deutschland hat die Formel 1 im Pay-TV eine langjährige Geschichte. Bereits ab 1996 stieg DF1 (später Premiere/Sky) in die Live-Übertragung der Königsklasse ein. Eine Exklusivität der Rennen gab es allerdings (bis 2021) nie, weshalb sich Sky nach der Saison 2017 vorübergehend aus der Berichterstattung zurückzog und erst 2019 wieder einstieg.

Eine völlig neue Ära begann im Jahr 2018 mit der Plattform F1 TV. Diese bietet dem Nutzer unter anderem die Möglichkeit, sämtliche Piloten aus der Onboard-Perspektive zu verfolgen. Zudem gibt es weitere Spezialkanäle, besondere Formate, die Pressekonferenzen an einem Wochenende, und außerdem sind alle Rennen auch auf Abruf verfügbar.

F1 Digital+ als Vorreiter der heutigen Standards

Geändert hat sich im Laufe der Jahre auch die Produktion der einzelnen Rennen. So traten die lokalen TV-Sender in den ersten Jahren noch selbst als Produzent auf, was mittlerweile aber eine absolute Ausnahme geworden ist. So wurde in der Saison 2019 beispielsweise lediglich noch der Große Preis von Monaco vom lokalen Anbieter TMC produziert.

Die anderen 20 Grands Prix wurden direkt von der FOM produziert, die das sogenannte Weltbild allen nationalen Anbietern zur Verfügung stellt. Noch bis Anfang des neuen Jahrtausends wurden die Rennen überwiegend von den nationalen TV-Sendern selbst produziert, doch bereits Ende der 1990er-Jahre setzte hier ein Umschwung ein.

1996 starte mit F1 Digital+ ein Service, der bei sämtlichen Rennen ein Weltbild für interessierte Abnehmer produzierte. In Deutschland setzte unter anderem DF1 darauf. Zudem bot man bereits damals unterschiedliche Kanäle (wie zum Beispiel Onboard-Kameras oder einen Boxenkanal) an, was einen Mehrwert gegenüber den herkömmlichen Übertragungen bedeutete.

Ein Bild für alle Sender weltweit

Der Service wurde nach der Saison 2002 eingestellt, kann allerdings als Vorläufer der heute von der FOM produzierten Übertragungen gesehen werden. Im Laufe der folgenden Jahre übernahm die FOM die Produktion bei immer mehr Rennen. Der Vorteil dieser Variante besteht vor allem darin, ein Team zu haben, das über das ganze Jahr für (fast) alle Rennen verantwortlich ist.

Die FOM produziert mittlerweile bei (fast) allen Rennen das Weltbild

Die FOM produziert mittlerweile bei (fast) allen Rennen das Weltbild <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Die FOM produziert mittlerweile bei (fast) allen Rennen das Weltbild Motorsport Images

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So kann ein gewisser Standard bei den Übertragungen gesichert werden, der in früheren Jahren womöglich nicht immer gegeben war, weil es bei jedem Rennen einen anderen lokalen Produzenten gab. Kommerziell war F1 Digital+ kein Erfolg, doch der Service setzte neue Maßstäbe bei der Übertragung der Formel 1, die heute an der Tagesordnung sind.

Allerdings hat ein solches Monopol auch Nachteile, denn weil die FOM volle Kontrolle über das Weltbild hat, sieht der Zuschauer damit nur noch das, was er auch sehen soll. Allerdings handelt es sich im Sport heute um eine durchaus gängige Praxis, dass der Rechteinhaber selbst das Weltbild für alle Anbieter produziert. Die Formel 1 bildet hier also keine Ausnahme.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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