Rugby-Profis: "Besorgniserregende“ Hirnveränderungen, die Demenz verursachen können

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Professionelles Rugby kann "besorgniserregende" Veränderungen in der Gehirnstruktur eines Spielers verursachen, so Studien.

Rugby kann bei Profispielern bleibende Hirnschäden verursachen. (Stockfoto, Getty Images)
Rugby kann bei Profispielern bleibende Hirnschäden verursachen. (Symbolbild: Getty Images)

Das Köpfen von Fußbällen wird seit Langem mit kognitiven Schäden in Verbindung gebracht. Einige der Fußballstars, die England zum WM-Sieg im Jahre 1966 führten, entwickelten beispielsweise später Demenz.

Die chronisch traumatische Enzephalopathie ist eine fortschreitende und lebensbedrohliche Hirnstörung, die mit wiederholten traumatischen Hirnverletzungen einhergeht und normalerweise erst post mortem diagnostiziert wird.

Da Rugby für sein hartes Spiel bekannt ist, analysierten Wissenschaftler des Imperial College London die MRT-Gehirnscans von 44 Profi-Spielern.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Brain Communications veröffentlicht wurden, zeigen, dass ein signifikanter Anteil der Spieler Anomalien in der weißen Substanz aufwies, die als "Verdrahtung“ innerhalb des lebenswichtigen Organs fungiert und die Kommunikation der Zellen ermöglicht.

Außerdem gab es Anzeichen von "Mikroblutungen“, ein Anzeichen für grundlegende Schäden.

Experten betonten jedoch, dass es unklar sei, ob diese Anomalien auf eine Krankheit hindeuten, wobei Bewegung an sich das Risiko einer Demenzerkrankung senkt.

Rugby ist eine Kontaktsportart mit einem hohen Verletzungsrisiko, die für Gedränge auf dem Spielfeld bekannt ist. (Stock, Getty Images)
Rugby ist eine Kontaktsportart mit einem hohen Verletzungsrisiko, die für Handgreiflichkeiten auf dem Spielfeld bekannt ist. (Symbolbild: Getty Images)

"Derzeit sind die langfristigen Folgen dieser Hirnstrukturanomalien unbekannt und erfordern weitere Forschung“, sagte Lauren Pulling, CEO der TheDrake Foundation, einer gemeinnützigen Organisation zur Erforschung von Kopfverletzungen.

"Betrachtet man sie jedoch im Zusammenhang mit vorhandenen Erkenntnissen aus verschiedenen Sportarten sowie den jüngsten Fällen von Rugbyspielern, bei denen in ihren 40ern Hirnerkrankungen diagnostiziert wurden, zeichnet sich ein besorgniserregendes Bild, wenn es um die langfristige Hirngesundheit der Spieler geht.“

Die Imperial-Wissenschaftler untersuchten zwischen Juli 2017 und September 2019 41 Rugby-Spieler und drei Rugby-Spielerinnen.

Zu Beginn der Studie wurde bei allen Spielern ein erweitertes MRT gemacht. Etwa die Hälfte unterzog sich ein Jahr später der gleichen Untersuchung.

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Das MRT ermöglichte es den Wissenschaftlern, die Struktur der weißen Substanz und der Blutgefäße der Spieler zu beurteilen. Diese wurden dann mit den MRTs von Sportlern, die keinen Kontaktsport treiben, und Freiwilligen, die keinen Sport machen, verglichen.

Von den Rugbyspielern wurden 21 kurz nach einer leichten Kopfverletzung untersucht, die häufig eine Gehirnerschütterung verursacht. Diese machen etwa eine von fünf Verletzungen aus, die bei Englands Profi-Rugby-Spielern auftreten.

Die Ergebnisse zeigen, dass knapp ein Viertel (23 Prozent) der Rugby-Spieler Anzeichen von Anomalien an ihren Axonen – den "Drähten“ der Zellen – oder kleine Risse in ihren Blutgefäßen hatte, die "Mikroblutungen“ verursachen können.

Diese Anomalien traten unabhängig davon auf, ob die Spieler vor Kurzem eine Kopfverletzung erlitten hatten, waren aber nicht mit einer schlechteren Leistung bei Gedächtnistests verbunden.

"Die Ergebnisse legen nahe, dass es Veränderungen in der Struktur gibt“, sagte Dr. Virginia Newcombe von der Universität Cambridge.

"Was weniger klar ist, ist, was diese Veränderungen bedeuten könnten.“

"Das vermehrte Auftreten von kleinen Mikroblutungen und die Art der strukturellen Veränderungen, die auf dem MRT zu sehen sind, machen es jedoch wahrscheinlich, dass zumindest einige der Befunde auf Schäden und möglicherweise auf Neurodegeneration hinweisen können.“

Experten haben betont, dass die Studie sehr klein war, was das Risiko erhöht, dass die Ergebnisse auf "reinen Zufall“ zurückzuführen sind.

"Gehirn-Scans können durch andere Faktoren als irreversible Hirnschäden verändert werden“, fügte Professor Derek Hill vom University College London hinzu.

"Zum Beispiel können Dehydrierung und einige Medikamente zu Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt des Gehirns führen, die von einem modernen MRT erfasst werden können.“

Die Ergebnisse gelten zudem möglicherweise nicht für Athleten, die keinen Profi-Sport betreiben.

"Es ist wichtig, zu beachten, dass unsere Ergebnisse bei erwachsenen professionellen Rugby-Union- und -Ligaspielern nicht direkt mit denen vergleichbar sind, die auf lokaler oder Jugend-Ebene spielen“, sagte Studienautor Karl Zimmerman.

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"Der allgemeine gesundheitliche Nutzen von Sport und körperlicher Bewegung ist gut belegt, einschließlich der Reduzierung der Sterblichkeit und chronischer Krankheiten wie Demenz.“

Dennoch fügte Professor Huw Williams von der Universität Exeter hinzu: "Gehirnerschütterungen sind im Amateur- und Schul-Rugby häufiger.“

"Daher ist es notwendig, auch in diesen Gruppen entsprechende Forschungsarbeit zu leisten und natürlich zu prüfen, ob weitere Veränderungen im Spiel notwendig sind, um das Risiko zu reduzieren, wie z. B. ein stärkerer Fokus auf Touch-Rugby für Kinder und Jugendliche.“

Dr. Simon Kemp von der Rugby Football Union (RFU) stimmte zu, dass "es unklar ist, was die individuellen Langzeitfolgen in Bezug auf die Gehirnveränderungen sind“, fügte aber hinzu: "Es ist eindeutig eine Priorität, dies weiter zu untersuchen.“

"Die RFU ist fest entschlossen, unser Verständnis für die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen von Kopfstößen und Gehirnerschütterungen zu verbessern, damit wir sicherstellen können, dass wir das Wohlergehen der Spieler kontinuierlich verbessern können“, sagte er.

Alexandra Thompson

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