Ruhnerts Drahtseilakt: Das macht Union Berlin so erfolgreich

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Ruhnerts Drahtseilakt: Das macht Union Berlin so erfolgreich
Ruhnerts Drahtseilakt: Das macht Union Berlin so erfolgreich

Es war eine der Szenen des Bundesliga-Spieltags: Die Spieler von Union Berlin wurden minutenlang vom ganzen Stadion gefeiert, durften sogar eine Ehrenrunde drehen - und das, obwohl sie zuvor gegen Meister FC Bayern deutlich 2:5 verloren hatten. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Trotzdem zeigten sich die Fans von ihrer Mannschaft und dem ersten Duell gegen den Rekordmeister, dass sie im heimischen Stadion an der Alten Försterei miterleben durften, begeistert. Die beiden vorherigen Heimspiele hatten wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer stattgefunden.

Für den Verein sind die Spiele gegen die Bayern noch längst nicht alltäglich und so können selbst deutliche Niederlagen zu Festtagen werden. „Natürlich bist du am Tag danach enttäuscht, aber wenn wir in der ersten Liga spielen und gegen Bayern München verlieren, ist das toll“, beschrieb Unions Geschäftsführer-Sport Oliver Ruhnert die aktuelle Gefühlslage im STAHLWERK Doppelpass auf Sport1.

Die Eisernen wissen wo sie herkommen und dass die Teilnahme an der Bundesliga alles andere als selbstverständlich ist. Lange Zeit konnten die Fans von Duellen mit der absoluten Spitze Deutschlands nur träumen.

Nach der Wiedervereinigung versuchte der Verein aus dem Osten Berlins zunächst jahrelang in die 2. Liga aufzusteigen. Zur Saison 2001/2002 war es dann so weit. Doch in der dritten Saison ging es 2003/2004 wieder zurück in die 3. Liga. Erst zur Saison 2009/10 gelang die erneute Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse. Dort etablierte Union sich in der Folge im Mittelfeld, für mehr reichte es aber über Jahre nicht.

Doch dann kam Urs Fischer als Trainer und mit ihm der Erfolg. Schon in seiner ersten Saison schaffte Union 2018/2019 den Sprung auf Rang drei und nach einer erfolgreichen Relegation gegen den VfB Stuttgart sensationell den Aufstieg.

Ruhnert runderneuert Mannschaft

In der Bundesliga angekommen wurde Union von vielen belächelt und galt als einer der Abstiegskandidaten. Doch weit gefehlt: Schon in der ersten Saison wurden die Berliner Elfter.

Auch wegen eines runderneuerten Kaders. „Es war schon damals klar, dass wir mit der Mannschaft, die aufgestiegen ist, die Klasse nicht würden halten können“, erklärte Oliver Ruhnert im STAHLWERK Doppelpass auf Sport1. „Uns war klar, dass wir auch Spieler brauchen, die die erste Liga kennen und anderen Spielern auch auf ein anderes Niveau helfen.“

Ruhnert verpflichtete 15 Neuzugänge, darunter erfahrene Bundesliga-Haudegen wie Neven Subotic und Christian Gentner „Sie waren beide für uns im ersten Jahr ein entscheidender Faktor.“

Die beiden hätten durch ihre internationale Erfahrung und ihre Erfolge einen gewissen Glanz mitgebracht. „Beide haben einfach viele Sachen eingebracht und haben einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, dass wir in der Liga geblieben sind“, erklärte Ruhnert.

Schnelle Integration als Faustpfand

Trotz der überragenden Debüt-Saison folgte vor der zweiten Saison der nächste Umbruch. Dieses Mal kamen 14 neue Spieler nach Köpenick.

Der Erfolg aus dem Vorjahr konnte sogar noch einmal getoppt werden. Die Eisernen erreichten sensationell den siebten Tabellenplatz und qualifizierten sich für die Europa Conference League.

Ein Geheimrezept für den Erfolg: Die vielen neuen Spieler können immer wieder schnell in das Team integriert werden.

Für Ruhnert ist gerade das eine Verdienst von Erfolgstrainer Fischer: „Das macht der Trainer mit seinem Team überragend.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Union setzt auch auf Bundesliga-Neulinge

Trotz Platz sieben und der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte vollzog Union in diesem Sommer erneut einen großen Umbruch. Diesmal verpflichtete Ruhnert 17 Neuzugänge.

Bei den Spielern achtete er wie in den vergangenen Jahren wieder auf eine Mischung aus erfahrenen Bundesligaprofis und hungrigen Spielern, die sich bisher nur in unteren Ligen bewiesen hatten.

„Wir versuchen immer diesen Mix hinzubekommen, Spieler reinzuholen, die noch mal diesen Hunger auf Bundesliga haben und sich richtig reinhängen“, sagte Ruhnert.

Das sieht man auch im Kader: Union holte in dieser Saison mit Kevin Behrens, Genki Haraguchi, Julius Kade und Rick van Drongelen gleich vier Spieler aus der zweiten Liga.

Viele der Neuzugänge passen direkt perfekt in das Spielsystem der Eisernen. Gerade dies merkte auch Manuel Baum im STAHLWERK Doppelpass auf Sport1 an: „Wenn ich mir die Personalplanung anschaue, dann weiß man, dass es eine Spielidee gibt und dann hole ich zum Beispiel für eine Dreierkette mit Baumgartl, Jäckel und van Drongelen drei Spieler, die das können.“

Ruhnert: „Die Kabine muss stimmen“

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist die gute Stimmung im Team. „Es gibt eine familiäre Umgebung. Ich glaube hier fühlen sich die Spieler schnell wohl. Aber natürlich auch die Mannschaft, das heißt die Spieler, die schon länger da sind, integrieren die Jungs sehr gut und machen es ihnen einfach“, sagte Fischer nach der Niederlage gegen den FC Bayern.

Auf die richtige Mischung der Charaktere in der Mannschaft legt auch Ruhnert bei seiner Kaderplanung großen Wert. „Die Kabine muss stimmen, dass sich die Jungs gegenseitig pushen, aber auch reglementieren. Wenn das Zusammenspiel in der Kabine passt, dann spielt man auch guten Fußball.“

Und Union spielt aktuell guten Fußball. Nach zehn Spielen liegen die Eisernen auf einem starken sechsten Platz, nur einen Punkt hinter einem Champions-League-Platz. Es könnte in der nächsten Saison also ein neues Highlight auf die Union-Fans warten. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Ob Max Kruse bei den weiteren Abenteuern nach der Saison noch dabei ist, bleibt offen. „Max Kruse hat noch einen laufenden Vertrag (bis 2022, Anm. d. Red.), es ist auf jeden Fall so, dass wir Max Kruse bis zum Ende dieser Saison verbindlich haben“, erläuterte Ruhnert.

Es könnte also wieder einen Umbruch bei den Eisernen geben. Unabhängig von Kruse wird Union seinem eigenen Weg treu bleiben - und dabei auch ein bisschen demütig. „Man muss sich manchmal kneifen, und bescheiden bleiben“, sagte Ruhnert: „Wir leben unseren Traum gerade, wenn wir weiter 1. Bundesliga bleiben, dann leben wir unseren Traum weiter.“

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