Rumpelsieg! DHB-Team schleppt sich zum guten Gefühl

Robin Wigger, Sportinformationsdienst
Sport1

Nein, ein Feuerwerk war es keinesfalls, das das deutsche Team beim abschließenden Hauptrunden-Spiel der Handball-EM gegen Tschechien zeigte.

Und doch verabschiedete sich die DHB-Auswahl durch das 26:22 (13:10) mit einem guten Gefühl aus Österreich. "Wien war sehr schön für uns", erklärte Bundestrainer Christian Prokop, obwohl das angestrebte Ziel Halbfinale verpasst wurde.

Im Spiel um Platz fünf gegen Portugal am Samstag geht es nun um einen vernünftigen Abschied von der EM und ein Einspielen für das Olympia-Qualifikationsturnier im April in Berlin.

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Kühn: "Konzentration nicht mehr auf dem Level"

"Natürlich wollten wir das Spiel heute deutlicher gestalten, aber inzwischen macht auch der Körper schon ein bisschen schlapp und die Konzentration ist nicht mehr auf dem Level, auf dem sie sein sollte", erklärte Julius Kühn, nachdem er sich mit seinen Teamkollegen sich zum Sieg geschleppt hatte.

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Prokop bemängelte im ZDF "zu viele unterschiedliche Phasen", "zu viele technische Fehler" und ein wenig überzeugendes Überzahlspiel.

"Wir wissen alle, dass das Spiel heute nicht auf allerhöchstem Niveau war", gab auch Torhüter Johannes Bitter zu, der zum "Man of the Match" gekürt wurde. Eine Auszeichnung, die auch der erneut starke Philipp Weber (fünf Tore) verdient gehabt hätte.

Deutscher Angriff stockt

Einmal mehr war das große Sorgenkind der Angriff, wo das Prokop-Team über weite Strecken viel zu verkrampft agierte und nur Weber erfrischend agierte.


Kein Wunder, dass Prokop, der wie angekündigt viel wechselte und die Spielanteile verteilte, in einer Auszeit forderte: "Spielt das nicht so alibimäßig, nach dem Motto 'soll ich, soll ich nicht' - spielt das richtig mit Dampf."

Immerhin ging der erste Durchgang mit 13:10 an das deutsche Team. Nach der Pause blieb Deutschland allerdings sechs Minuten ohne eigenen Treffer, wodurch der Gegner sogar mit 14:13 in Führung gehen konnte.

In der Folge konnte sich das DHB-Team lange Zeit nicht absetzen - auch, weil es zu statisch agierte und damit das nötige Tempo fehlte. Prokop forderte, die Angriffe "in die Breite ausspielen und abzuräumen".

(Handball-EM 2020: Spielplan, Ergebnisse und Tabellen)

In der Schlussphase konnte sich Deutschland, auch dank doppelter Überzahl endlich absetzen, und den Sieg ins Ziel bringen.

Bitter als Rückhalt

Ein sicherer Rückhalt im deutschen Tor war immerhin erneut Johannes Bitter, der 36 Prozent der Bälle hielt. "Ich wollte unbedingt nochmal ein gutes Spiel machen heute, ich war sehr motiviert und habe versucht, dass in die Mannschaft zu tragen", sagte der Keeper nach dem Spiel. 


Der Weltmeister von 2007 stand sicher gegen Tschechiens Shooter Ondrej Zdrahala und Regisseur Tomas Babak vom Bundesligisten Bergischer HC. Bitter bügelte auch Unkonzentriertheiten im deutschen Angriff aus, parierte kurz vor der Halbzeitpause einen Gegenstoß des frei vor ihm auftauchenden Babak.

Ein Aktivposten war Weber, der im EM-Verlauf immer mehr in die Spielmacher-Rolle hineinwuchs und die gebotenen Möglichkeiten nutzte. "Er macht heute wieder ein richtig gutes Spiel", sagte Teammanager Oliver Roggisch am ZDF-Mikrofon.

Neben Weber zeigte einzig Tobias Reichmann (4 Tore) Normalform. Auch wenn Bitter hinten gut hielt: Bei einer Trefferquote von nur 59 Prozent wird es im Spiel um Platz 5 gegen Portugal schwer.

“Für das gesamte Turnier würde ich uns eine 3+ bis 2- geben. Wir haben uns nach der Vorrunde gesteigert, haben unglücklich verloren gegen Kroatien, können uns jetzt aber mit Platz 5 noch belohnen", meinte Reichmann: "Portugal spielt eine starke EM, da müssen wir 60 Minuten Vollgas geben, damit wir da gewinnen.“

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