Wird Süle bei Bayern zum Upamecano-Opfer?

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 3 Min.

Es ist einiges in Bewegung in der Abwehr des FC Bayern München.

David Alaba, ein langjähriger Pfeiler, steht vor dem Absprung. Jérôme Boateng, nach einigen wechselhaften Jahren wieder unumstrittener Pfeiler der Gegenwart, bewirbt sich nachdrücklich für eine ehrenvolle Verlängerung seines auslaufenden Vertrags. Dayot Upamecano soll von RB Leipzig kommen und ein Pfeiler der Zukunft werden.

Was aber wird aus einem auch noch recht jungen Mann, der eigentlich auch mal als zentraler Baustein des Münchener Defensivmosaiks vorgesehen war?

Niklas Süle, der in der Nationalmannschaft ein Erbe Boatengs wurde und es bei Bayern eigentlich auch werden sollte, könnte zu einem Opfer der architektonischen Verschiebung werden, die der Rekordmeister gerade vornimmt.

Niklas Süle nicht da, wo er vor dem Kreuzbandriss war

Der 25 Jahre alte Süle ist bis jetzt noch nicht wieder dort angekommen, wo er stand, als ihn ein Kreuzbandriss im Oktober 2019 zu rund zehn Monaten Wettkampfpause zwang.

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In Abwesenheit des 1,95 Meter großen Rechtsfußes entwickelten sich Alaba und Boateng zum neuen Herzstück der FCB-Abwehr, während Alphonso Davies' Umschulung zum Linksverteidiger - Alabas vorherige Position - eine der Erfolgsgeschichten der Triple-Saison war.

Auch in der aktuellen Saison sind Alaba und Boateng bei Hansi Flick im Abwehrzentrum gesetzt, Süle kommt zwar auch zu Spielzeit, aber oft sitzt er auch auf der Bank oder hilft als Rechtsverteidiger aus. Als Innenverteidiger startete der 1,95 Meter große Rechtsfuß in 19 Ligaspielen bislang nur fünfmal. Am Samstag gegen Ex-Klub Hoffenheim blieb Süle nur ein Drei-Minuten-Einsatz als Joker - für Boateng.

In der kommenden Saison verliert Süle zwar aller Voraussicht nach Alaba als Konkurrenten, dafür kommt wohl ein neuer hochkarätiger Rivale in Form von Upamecano - vermittelt ausgerechnet von Spielerberater Volker Struth, der auch Süles Agent ist (Darum spaltet sich Süles und Upamecanos Berater-Agentur auf).

Dayot Upamecano tendiert klar zum FC Bayern

Struth war am Sonntagmittag im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 zugeschaltet und festigte dort den Eindruck, dass der 22 Jahre alte Franzose Upamecano in Richtung Isar tendiert (wenngleich er sich auch die Option eines England-Wechsels offen hielt).

Der 54-Jährige nutzte die Gelegenheit auch, um Süle starkzureden. Er betonte, dass dieser nach seinem Wechsel "super performt" hätte und "absoluter Leistungsträger" war - und relativierte die Schaffenskrise, die danach kam: Struth erinnerte an die Corona-Infektion, die Süle nochmal zurückwarf, den hohen Konkurrenzdruck bei Bayern.

Die Bemühungen um Upamecano seien auch beileibe kein Beweis, dass Süle keine Rolle mehr in Bayerns Planungen spiele. Ein Klub wie Bayern habe "nicht nur zwei gute Innenverteidiger, sondern vier oder fünf. Davon verlieren sie jetzt einige. Dass sie sich dann mit einem Innenverteidiger auf dem Markt beschäftigen, ist normal."

Konkurrenzkampf weiterhin scharf

Es wäre in der Tat ein Fehler, einen Spieler mit Süles Qualitäten abzuschreiben. Eine Garantie, dass er als Sieger aus dem Konkurrenzkampf hervorgeht, hat er nur eben auch nicht.

Auch wenn Alaba geht und davon auszugehen ist, dass der 32 Jahre alte Boateng die Planstelle nicht ewig besetzt: Neben Upamecano wäre da ja auch noch 80-Millionen-Mann Lucas Hernandez, der noch einige Chancen erhalten dürfte, seinen Einkaufspreis zu rechtfertigen. Womöglich auch Benjamin Pavard - je nachdem, wie Bayern auf der Rechtsverteidiger-Position einkauft. Und nicht zu vergessen auch der als absolutes Ausnahmetalent gehandelte Tanguy Nianzou.

Der FC Bayern hat viele Möglichkeiten, eine Abwehr ohne Süle zusammenzustellen.

Um das zu verhindern, muss Süle - dessen Vertrag 2022 ausläuft - wieder zum Superperformer werden, der er mal war.