Sackgasse FC Bayern? Arp steckt in der Karrierefalle

Florian Plettenberg
Sport1

Sprechen aktuelle Wegbegleiter des FC Bayern über Fiete Arp, lässt sich die Uhr danach stellen, bis sie Folgendes über den 20 Jahre alten Stürmer berichten: dass er ein super Typ sei, fleißig, bescheiden, integriert, intelligent und immer positiv.

Für Außenstehende mag das ob seiner spärlichen Einsatzzeiten nur schwer nachvollziehbar sein. Näher läge die Vermutung eines frustrierten, gar resignierenden Arp. Dem aber ist nicht so, obwohl Arp beim FC Bayern in der Zwickmühle steckt.


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Für einen Einsatz bei den Profis unter Cheftrainer Hansi Flick reicht es derzeit nicht. Bei Bayerns zweiter Mannschaft in der 3. Liga unter Cheftrainer Sebastian Hoeneß ist er auch nicht gesetzt.

Warum?

Zirkzee überholt Arp

Arps Potenzial ist unbestritten. Im schnellen Spiel der Bayern, im jederzeit intensiven Training dieser erfolgsbesessenen Mannschaft zeigt sich allerdings oft, woran es noch hapert: vor allem am sauberen ersten Kontakt, der über das Wohl oder Übel der Folge-Aktion entscheidet. Defizite werden ihm auch im taktischen Bereich nachgesagt. 

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Während Arp an seinen Schwächen arbeitet, muss er mit anschauen, wie ihn Joshua Zirkzee in der Stürmer-Hierarchie bei den Profis überholt. Nicht Arp, sondern der 18-jährige Niederländer hat sich als Kader-Backup von Robert Lewandowski entpuppt. Flick hält viel von Zirkzee und traut ihm den Durchbruch zu, sogar in München.


Zum Leidwesen von Arp ist er auch in der Hoeneß-Elf Stürmer Nummer drei, weil Kwasi Wriedt der Drittliga-Lewandowski ist. Bayerns Zweite kämpft mit aller Macht um den Klassenerhalt in der 3. Liga.

Wriedt unter Hoeneß bei Bayern II gesetzt

Auch deshalb setzt Hoeneß auf Top-Torjäger Wriedt und will dies auch weiterhin tun, obwohl der Ghanaer im Sommer zu Willem II in die niederländische Eredivisie wechselt. Daher ist im Bayern-Kosmos derzeit die bis in alle Dörfer der Republik bekannte Regel außer Kraft gesetzt: Wer von der ersten Mannschaft kommt, spielt.

Hoeneß muss den Klassenerhalt packen, mit welchen Entscheidungen auch immer. Auf Einzelschicksale kann er keine Rücksicht nehmen. Selbst, wenn es der Wunsch von oben ist, dass einer wie Arp spielen soll.

Die Realität ist aber die: Fehlt Wriedt, wie zum Rückrundenauftakt gegen den KFC Uerdingen (3:0), ist im Ein-Mann-Sturm Zirkzee gesetzt, sofern dieser von Flick abgestellt wird.

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Arp erlebt Hinrunde zum Vergessen

So blieb für Arp, den die Bayern mit einem gut dotierten Fünfjahresvertrag ausgestattet haben, nur die Drittliga-Bank. Eingewechselt wurde er erst in der 83. Minute, obwohl er topfit sei, wie aus seinem engsten Umfeld zu hören ist.


Spielrhythmus kommt so nicht auf, wie schon in der Hinrunde, die für Arp zum Vergessen war: null Einsätze bei den Profis, nur 69 Minuten Einsatzzeit in Liga drei, kein Tor. Hinzu kam enormes Verletzungspech.

Ein Kahnbeinbruch in der linken Hand im September und eine kleine knöcherne Absprengung der Speiche im linken Unterarm im November zwangen ihn zum Zuschauen.

Arp verlor den Anschluss, trainierte umso härter in der Reha und stellte zu Jahresbeginn im SPORT1-Interview selbstbewusst klar: "Mein Ziel ist es nach wie vor, mir hier meinen Platz zu erarbeiten."

Besondere Bindung zu Flick

Wie schon im Sommer setzte er seine Hoffnungen auf eine Top-Vorbereitung. Zuvor hatte er Gespräche mit Hansi Flick geführt. Der hatte als Co-Trainer von Niko Kovac zwischenzeitlich sogar als Individual-Trainer für Arp fungiert, wenn dieser Zusatzschichten schob. Dadurch entstand eine Bindung, die Arp noch immer positiv stimmt.


Flick bat ihn, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Er machte ihm aber auch klar, was er von Arp erwartet: den sprichwörtlichen nächsten Schritt. Der allerdings scheint noch immer auszubleiben, weshalb er derzeit nur Reservist bei den Reservisten ist.

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Für Arps Ziele und Ansprüche ist das viel zu wenig. An eine vorzeitige Bayern-Flucht denkt er aber nicht. Eine Ausleihe im Winter ist daher kein Thema.

Arp will sich bei Bayern durchbeißen

Arp will sich durchbeißen, allen Widerständen zum Trotz.

Beim FC Bayern kommt diese Einstellung gut an, wenngleich die Verantwortlichen wissen, dass Arps Situation mehr als nur bescheiden ist.

Lösen kann sie nur Arp selbst. Er muss es fast, um nicht Gefahr zu laufen, seine verheißungsvolle Karriere aufs Spiel zu setzen.


Die Lösung könnte eine Art Neuanfang im Sommer sein, wenn sich seine Situation bis dahin nicht verändert. Vielleicht bei einem Zweitligisten, der unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung fliegt. Wo Arp einfach nur Arp sein kann. Weder Wunderkind, noch Bayern-Star.

Vielleicht wendet sich für ihn sogar in München alles doch noch zum Guten, wenn er in Pflichtspielen fortsetzt, was er derzeit in Trainingseinheiten produziert: reichlich Tore.

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