Das sagt ein 1990er-WM-Held zur Kniefall-Aktion

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Das sagt ein 1990er-WM-Held zur Kniefall-Aktion
Das sagt ein 1990er-WM-Held zur Kniefall-Aktion

Salvatore "Toto" Schillaci war einer der Helden bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Und das als Einwechselspieler.

Doch der aus Palermo stammende Stürmer spielte nur rund ein Jahr für die Squadra Azzurra. Für den Halbfinalisten von 1990 erzielte er damals sechs seiner sieben Länderspieltore. Dafür bekam Schillaci den "Goldenen Schuh" als bester Torschütze des Turniers verliehen. 2008 beendete er seine Karriere.

Vor dem EM-Viertelfinale zwischen Belgien und Italien am Freitag (EM 2021: Belgien - Italien, ab 21 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) spricht der 56-Jährige in einem seiner seltenen Interviews bei SPORT1.

SPORT1: Herr Schillaci, vier Siege in vier Spielen, nur ein Gegentor. Ihr Zeugnis für Italien dürfte mehr als positiv ausfallen, oder?

Toto Schillaci: Auf jeden Fall. Die Nationalmannschaft von Italien ist ein starkes Team. Roberto Mancini (Nationaltrainer, Anm. d. Red.) hat bisher hervorragende Arbeit abgeliefert. Die Mannschaft hat mich sehr überzeugt. Natürlich wird das nächste Spiel ein anderes Level haben. Aber beide - Belgien wie auch meine Italiener - haben die Chance, das Spiel zu gewinnen. Die Azzurri macht allen Italienern gerade Freude. Sie haben einen großen Kampfgeist mit einem tollen Kollektiv und spielen wirklich toll. So voller Leidenschaft. Österreich war ein kleiner Kratzer. Auch, wenn Sie keinen richtigen Weltklassemann auf dem Platz haben, kann Italien den Unterschied ausmachen. Ich glaube an diese Mannschaft.

SPORT1: Nach einer furiosen Vorrunde musste Italien gegen Österreich lange leiden - Trainer Mancini macht am Ende trotzdem wieder alles richtig. Warum?

Schillaci: Meine Italiener haben sich gegen Österreich schwergetan, weil der Gegner mit gutem Pressing sehr gut verteidigt hat. Dadurch konnte die Azzurri nicht so schnell spielen wie gewohnt. Aber entscheidend waren die Einwechslungen von Mancini und der Charakter der Truppe. Es hat sich gezeigt, dass kein Spiel bei dieser EM einfach ist - auch wenn auf dem Papier Italien der Favorit war. Die Spiele werden auf dem Rasen gespielt und entschieden. Italien hat gezeigt, dass man bei diesem Turnier absolut wettbewerbsfähig ist. Gegen Belgien wird es ein ganz anderes Spiel.

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Schillaci lüftet das Italien-Geheimnis

SPORT1: Was ist für Sie - trotz des Stotter-Spiels gegen Österreich - das Erfolgsgeheimnis?

Schillaci: Das Geheimnis von Italien ist, dass sie eine super Gruppe sind. Mit einem starken Teamgeist. Jeder gibt für den anderen alles. Die Jungs verstehen sich untereinander wirklich super. Jeder kämpft, um einen Platz in der Mannschaft zu kriegen. Die Spieler, die auf dem Rasen stehen, geben alles. Das ist die Stärke von Italien.

SPORT1: Gibt es überhaupt eine Schwäche?

Schillaci: Eine echte Schwäche zu finden, ist schwierig. Vielleicht ist der Angriff unsere Achillesferse. Im Mittelfeld und in der Verteidigung sind wir top. Auch auf den Flügeln sind wir stark. Vorne haben wir noch Luft nach oben. Unsere Stürmer müssen viel helfen, laufen und nach hinten mitmachen. Im heutigen Fußball ist es so: Wenn man nicht viel läuft, kann man nicht gewinnen.

SPORT1: Was hat Roberto Mancini mit der Squadra Azzurra gemacht, seit er 2018 das Team übernommen hat?

Schillaci: Mancini war schon als Spieler ein überragender Fußballer. Er war einer der besten Spieler in Italien, war aber nicht so lange in der Nationalmannschaft weil er dort keinen Stammplatz hatte. Die Konkurrenz auf seiner Position war sehr groß. In den Vereinen, in denen er Trainer war, hat er immer Erfolg gehabt. Er hat regelmäßig als Spieler und als Trainer einen super Job abgeliefert. Mancini ist ein Glücksfall für Italien. Ich wünsche ihm, dass er mit dem Team das Finale erreicht.

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"Squadra Azzurra hat Enthusiasmus zurückgebracht"

SPORT1: Worin unterscheidet sich die aktuelle Nationalmannschaft von der 1990?

Schillaci: Ich will versuchen, es zu erklären. 1990 waren wir eine der besten italienischen Nationalteams aller Zeiten. Wir hatten herausragende Spieler. Mit heute ist das schwer zu vergleichen, weil es eine ganz andere Zeit ist, in der der Fußball gespielt wird. Die aktuelle Mannschaft ist sehr jung. Mancini hat eine gute Basis geschaffen. Die Truppe hat den Willen, sie beißt und will liefern. Diese Squadra Azzurra hat den Enthusiasmus wieder nach Italien zurückgebracht. Es herrscht eine neue Begeisterung im Land. Das ist ein großer Verdienst der aktuellen Nationalmannschaft.

SPORT1: Sie bekamen damals für sechs WM-Tore den Goldenen Schuh im eigenen Land. Wer ist heute ihr Nachfolger und wie sehen Sie ihn?

Schillaci: Ich kann mich auch heute noch bei meinen Mannschaftskollegen dafür bedanken, dass ich damals als bester Torschütze des Turniers diese Auszeichnung bekam. Wir waren alle hungrig nach Fußball und Erfolg. Ich bekam eine große Chance, weil viele an mich geglaubt haben. Und ich habe es mit guten Leistungen zurückgezahlt. Ich habe gekämpft, gelitten und gearbeitet wie ein Tier. Ich bin stolz auf diesen Erfolg.

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Schillaci: EM "sehr ausgeglichen"

SPORT1: Mehrere Medien berichteten am Montag übereinstimmend, die Spieler hätten entschieden, vor dem EM-Viertelfinale gegen Belgien am Freitag gemeinsam mit dem Gegner als Zeichen gegen Rassismus niederzuknien. Vom italienischen Verband gab es keine Stellungnahme, Nachfragen bei einer Pressekonferenz wurden nicht zugelassen. Was sagen Sie zu dem Kniefall?

Schillaci: Wenn ein Spieler das machen will, ist das in Ordnung, dann soll er das machen. Wenn ich noch aktiv wäre, würde ich es auch so handhaben. Ich bin ein absoluter Gegner des Rassismus. Und ich finde es wichtig und würde mir wünschen, dass dem noch mehr Spieler folgen.

SPORT1: Im letzten EM-Vorrundenspiel der Azzurri gegen Wales hatten sich fünf Spieler dem Kniefall des Gegners angeschlossen, die übrigen nicht. Dieses uneinheitliche Verhalten der Mannschaft hatte im Anschluss für Kritik in Italien gesorgt. Bei Ihnen auch?

Schillaci: Ich wiederhole mich da gerne. Als aktiver Fußballspieler hätte das auch gemacht. Es ist aber wichtig, das aus freien Stücken und eigener Überzeugung zu tun.

SPORT1: Wer ist für Sie der EM-Favorit und was trauen Sie Italien zu?

Schillaci: Diese Europameisterschaft ist sehr ausgeglichen. Es ist schon überraschend, dass Favoriten wie Frankreich, Portugal oder Deutschland bereits rausgeflogen sind. Am Ende wird Italien das Finale erreichen. Natürlich muss dafür erst einmal die schwere Hürde Belgien genommen werden. Aber auch die Engländer können es schaffen. Und es kann immer eine faustdicke Überraschung geben.

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