Schaaf und das Bild, das jeder Werder-Fan bei ihm im Kopf hat

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Schaaf und das Bild, das jeder Werder-Fan bei ihm im Kopf hat
Schaaf und das Bild, das jeder Werder-Fan bei ihm im Kopf hat

In der linken Hand hielt er eine Videokamera, mit der rechten schwenkte Thomas Schaaf eine Werder-Fahne.

Mit 3:1 hatte Werder Bremen an jenem 8. Mai 2004 den FC Bayern bezwungen, Ivan Klasnic, Johan Micoud und Ailton hatten Werder vorzeitig zum vierten Meistertitel geschossen, dem bis heute letzten der Vereinsgeschichte. Bei der triumphalen Rückkehr wurden die Bremer Helden am Flughafen frenetisch gefeiert. Das Bild von Meistercoach Schaaf, der diesen Moment aus der Dachluke des Flugzeugs heraus festhält, hat seinen festen Platz in der Werder-Chronik.

Es ist gleichzeitig ein Bild längst vergangener und vor allem erfolgreicherer Tage.

Schaaf als Retter? "Er kann für Begeisterung sorgen"

Am Sonntagvormittag traf Schaaf nun in grauer Strickjacke und mit einem kleinen Rollkoffer am Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen ein. Die Bremer Rettungsmission hat mit den vergangenen Triumphen nur wenig zu tun. Doch der Name Schaaf ist eben auch verbunden mit der Sehnsucht nach Erfolg.

"Er kann auch für Begeisterung sorgen und den Spielern Selbstvertrauen vermitteln", sagte Geschäftsführer Frank Baumann im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Thomas Schaaf ist jemand, der sehr lange bei uns Trainer war. Er weiß, dass Werder immer gut war, wenn der Klub an Trainern festgehalten hat. Er war der Meinung, dass wir an Florian (Kohfeldt, Anm.d.Red.) festhalten sollen."

Trotz aller Bekundungen und der großen Hoffnung auf eine ähnlich erfolgreiche Ära wie seine Vorgänger Schaaf oder auch Otto Rehhagel ist Florian Kohfeldt seit Sonntagvormittag Geschichte bei Werder. Durch die 0:2-Niederlage im Kellerduell beim FC Augsburg rutschten die Bremer auf den Relegationsplatz ab. Nun soll Schaaf, der von 1999 bis 2013 eine erfolgreiche Ära bei Werder prägte, die Grün-Weißen vor dem Absturz in die 2. Bundesliga bewahren. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Der CHECK24 Doppelpass am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Schaaf prägt mit spektakulärem Offensivfußball eine Ära

Schaaf feierte Ende April seinen 60. Geburtstag und war zuletzt als Technischer Direktor bei den Grün-Weißen tätig. Nun kehrt er am kommenden Samstag für das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach - und eine eventuelle Relegation - auf die Trainerbank zurück. "Wir haben nur wenig Zeit, werden aber alles tun, um mit Leidenschaft, Zuversicht und dem Glauben an unsere eigene Stärke in die Partie zu gehen und am Ende erfolgreich zu sein", sagte Schaaf.

Der frühere Verteidiger rettete seinen Klub schon einmal. Als er im Mai 1999 auf Felix Magath folgte, steckte Werder ebenfalls im Abstiegskampf. Nun steht der Klub allerdings mit dem Rücken zur Wand. Während Schaaf mit spektakulärem Offensivfußball die Bremer nach der Jahrtausendwende zu drei Pokalsiegen und einem Meistertitel führte, zählt kommenden Samstag nur das Ergebnis.

"Fünf Tage vor dem großen Finale zu sagen, dass man einen Trainerwechsel machen muss, das irritiert mich", sagte SPORT1-Experte Stefan Effenberg im CHECK24 Doppelpass. "Es liegt sowieso an der Mannschaft. Klar musst du in den Kopf der Spieler, die Spieler sind aber in der Verpflichtung und niemand anderes."

Trainerwechsel birgt Risiko

Effenberg hätte sich eher gewünscht, dass Schaaf und Kohfeldt gemeinsam diese Mission angehen. "Sie haben sich anders entschieden, und das müssen die Verantwortlichen jetzt auch verantworten", meinte Effenberg.

Nach seinem Aus bei Werder und einem kurzen Engagement als Ausbildungsleiter bei der UEFA gab Schaaf in der Saison 2014/15 sein Comeback als Trainer, doch nach nur einem Jahr bei Eintracht Frankfurt gab er das Amt wegen angeblicher Unstimmigkeiten mit dem Aufsichtsrat wieder auf. Seine Rettermission bei Hannover 96 in der Saison 2015/16 scheiterte nach nur einem Sieg in zehn Spielen vorzeitig.

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Das muss für die aktuelle Situation in Bremen aber nichts heißen, schließlich kennt Schaaf den Klub, dem er sich sein halbes Leben zunächst als Spieler und später als Coach verschrieben hat, in- und auswendig.

Das weiß auch Baumann, der als Spieler fast zehn Jahre unter Schaaf bei Werder spielte. "Wir haben einen Trainer, der keine große Eingewöhnungszeit braucht. Er kennt die Mannschaft und kann Ansatzpunkte finden", betonte der Geschäftsführer. "Thomas kann mit seiner Erfahrung und seiner Art und Weise die Grundtugenden der Spieler einfordern."

Routine als Trumpf der Retter?

Zugleich ist Werder der dritte Traditionsklub, der im Endspurt auf den Faktor Routine setzt. Während beim Hamburger SV der Aufstiegstraum auch unter Interimstrainer Horst Hrubesch am Sonntag vorzeitig platzte, hat Friedhelm Funkel dem 1. FC Köln mit zwei Siegen zwischenzeitlich neues Leben eingehaucht. Nun kämpfen Schaaf und Funkel im Fernduell am letzten Spieltag um den Relegationsplatz, beziehungsweise mit Arminia Bielefeld auch noch um die direkte Rettung. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

"Das hätte ich nicht für möglich gehalten, das muss ich sagen", sagte Funkel im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Wir wissen, was auf dem Platz passieren muss."

Das wird auch Schaaf wissen.

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